Edwin Moehlig, Honorarkonsul
© WKK/Schöndorfer
Edwin Moehlig ist Honorarkonsul von Österreich in Belgien. Seit 1988 arbeitet er mit dem Hafen von Antwerpen zusammen: zu Beginn als Trader, danach als Vertreter einer großen Stückgut-Reederei und ab dem Jahr 2000 als Bahnlogistiker. Seit 2015 agiert Moehlig in enger Kooperation mit der Rail Cargo Group, die Antwerpen über Linz mit Österreich und den Nachbarländern verbindet.
advantage: Was ist aus Ihrer Sicht das Erfolgsrezept des Hafens?
Edwin Moehlig: Der größte Unterschied ist die Mentalität. Die Häfen von Antwerpen-Zeebrugge (POAB) sind offene Häfen. Nicht weil sie frei zugänglich sind, sondern weil die Unternehmen vor Ort – darunter viele KMUs und die Vertreter der internationalen Reedereien – als Partner lösungsorientiert zusammenarbeiten. Daraus ergibt sich eine einzigartige Marktposition.
Edwin Moehlig, Honorarkonsul
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Welche Schwerpunkte werden gesetzt?
Hier befindet sich der größte Chemiecluster in Europa. Gas kommt sowohl über Zeebrugge als auch über Antwerpen herein und wird wöchentlich per Bahn via Linz nach Österreich geliefert. POAB ist auch der größte Containerhafen in Europa und hat im ersten Quartal 2025 Rotterdam überholt. Es gibt zudem viele spezialisierte Terminals, die Stückgut umschlagen und lagern, sowie Produkte in und aus Containern umpacken können. Erfahrenes Hafenpersonal in Kombination mit bester Infrastruktur sorgt für ein breites und qualitatives Angebot.
Welche Großinvestitionen aus Österreich sind in Planung?
Der Petrochemiekonzern Borealis errichtet eine neue Produktionsanlage. Am Borealis-Gelände könnte eine OMV-Produktion entstehen. Das Projekt läuft noch. Im Holzbereich und im Recyclingbereich zeigen österreichische Unternehmen Interesse am Standort.
POAB möchte sich zum nachhaltigsten Hafen der Welt entwickeln. Wie kann das gelingen?
Wirtschaft ohne Menschen und ohne ein gutes Klima hat keine Zukunft. Wirtschaft, Menschen und Klima müssen daher Hand in Hand gehen. Das ist aber eine große Herausforderung. Alle Partner müssen hier mitspielen. Ein wichtiger Teil der Energiewende wird Wasserstoff sein. POAB versucht über Partnerschaften – hauptsächlich mit belgischen Unternehmen – in diesem Bereich Fuß zu fassen. Wir haben Innovationstreiber wie CMB.Tech vor Ort, die Pioniere im Bereich der Wasserstofftechnologie sind. Zudem werden Versuche mit Schleppboten durchgeführt, die mit LNG, Wasserstoff oder Akku angetrieben werden. Das alles sind Schritte, um den CO2-Fußabdruck im Hafen stark zu reduzieren.
Das Interview entstand im Rahmen der NAAN-Delegationsreise mit der Wirtschaftskammer Kärnten im Mai 2025.
WISSENSWERT
2022 fusionierten die Häfen von Antwerpen und Zeebrugge. Die Gesamtfläche beträgt rund 150.000 m2 . Antwerpen- Zebrugge ist zweitgrößter europäischer Seehafen (nach Rotterdam) und Sitz von 1.400 Unternehmen. Im Jahr 2024 konnte ein Containerumschlag in Höhe von rund 13,5 Mio. TEU verzeichnet werden.