Peter Granig, Rektor FH Kärnten
© FH Kärnten/Dullnig
Zwischen der Technischen Universität Graz (TU) und der Fachhochschule Kärnten (FH) wurde bereits 2017 ein Promotionsabkommen unterzeichnet. FH-Absolvent:innen und Mitarbeiter:innen können problemlos nach einem festgelegten Procedere an der TU Graz ihr Studium zur Erlangung des Doktoratstitels fortsetzen. Kooperationen in Forschung und Lehre runden die interdisziplinäre Zusammenarbeit der beiden Hochschulen ab. Im Interview mit advantage sprechen Rektor Horst Bischof (TU Graz) und Rektor Peter Granig (FH Kärnten) über den bundesländerübergreifenden Wissens- und Technologietransfer, der mit der Eröffnung der Koralmbahn intensiviert werden soll.
Kooperation auf Augenhöhe
Was die langjährige Kooperation zwischen TU Graz und FH Kärnten auszeichnet, ist die Tatsache, dass man auf Augenhöhe zusammenarbeitet und sich in den unterschiedlichsten Bereichen sinnvoll ergänzt, wie Peter Granig, Rektor FH Kärnten betont: „Eine gute Basis ist da – Wertschätzung, Vertrauen und inhaltliche Kohärenz. Dadurch kann man mit sehr offenem Visier an die Projekte herangehen und gemeinsam Lösungen finden.“ Um das gesamte Bildungs- und Forschungsthema auf ein neues Niveau zu heben, gilt es die Kräfte weiter zu bündeln, ist Horst Bischof, Rektor TU Graz, überzeugt: „Wir sind im Südraum viel zu klein, um unabhängig voneinander zu agieren. Wir müssen uns zusammentun, um eine gewisse Sichtbarkeit – in Wien wie auch international – zu erreichen. Dann machen wir den Kuchen größer. Letzten Endes muss es unser Interesse sein, das gesamte Land weiterbringen. Dafür sind wir als Hochschulen da.“
Peter Granig, Rektor FH Kärnten
© FH Kärnten/Dullnig
Koralmbahn als Turbo
Gerade durch die Koralmbahn sei man eingeladen und gefordert, die beiden Hochschulräume zusammenwachsen zu lassen. „Nicht zuletzt aufgrund der Unterschiedlichkeit der Strukturen und der Inhalte kann es gelingen, dass wir in Zukunft einen großen Mehrwert für alle Beteiligten stiften. Von der gemeinsamen Hochschulkonferenz werden weitere Impulse ausgehen. Das nächste Treffen ist im Oktober“, erklärt Granig. Bischof ergänzt: „Das Schöne ist, dass wir schon eine langjährige Kooperation haben. Das heißt, wir können jetzt überlegen, wie man die neue Infrastruktur als Zusatz nutzen kann. Die Koralmbahn wird ermöglichen, dass wir uns öfter treffen und neue Ideen entwickeln.“
Neue Perspektiven
Ein wichtiger Schlüssel liegt bei den Wirtschaftskooperationen. Speziell im Bereich Halbleiter und Green Tech arbeiten beide Hochschulen bereits intensiv mit Leitbetrieben in der Region wie Infineon zusammen. Eine engere Kooperation mit den bundesländerübergreifenden Cluster-Initiativen (z. B. Silicon Alps, Green Tech) wäre ein nächster Schritt. Die Eröffnung der Koralmbahn bietet vielfältige Chancen, um das bestehende Promotionsabkommen zwischen TU Graz und FH Kärnten zu erweitern. Durch die wesentlich kürzeren Fahrzeiten ist etwa eine gemeinsame Nutzung der Laborínfrastruktur möglich. Bischof: „Wenn man nur 45 Minuten in eine Richtung unterwegs ist, macht es sicher Sinn, darüber nachzudenken.“ Granig: „Es hätte auch den Effekt, dass es für unsere FH-Masterabsolvent:innen einfacher wird, konkret ein Promotionsvorhaben zu entwickeln.“
Potenzial sieht man auch im Bereich Weiterbildung – eine klassische WinWin-Situation, um ein breiteres Angebot zu schaffen, so Bischof: „Das macht es attraktiver für alle Beteiligten, wir bekommen mehr Zulauf und es hilft uns wieder allen. Das sind genau die Dinge, auf die wir in Zukunft schauen müssen.“ Zudem ist das berufsbegleitende Studium ein Zukunftsmodell, mit dem die FH Kärnten seit Jahren punktet, wie Granig betont: „Da können wir durchaus attraktiv sein für ein größeres Einzugsgebiet: 45 Minuten, das schafft man auch als Tagespendler.“ Gleichzeitig ist berufsbegleitendes Studieren ein Trend, den eine Universität in dieser Form nicht anbieten könne. „Das geht sich einfach ressourcentechnisch nicht aus. Da ist eine FH natürlich perfekt aufgestellt“, so Bischof.
Horst Bischof, Rektor TU Graz
© TU Graz/Lunghammer
Internationalisierung im Fokus
Neben der Zusammenarbeit in Lehre, Forschung und Weiterbildung wäre auch eine stärkere Verschränkung im Bereich Internationalisierung denkbar. Sowohl die TU Graz, als auch die FH Kärnten sind Teil des transnationalen European University-Programmes. Internationalisierung ist beiden Hochschulen ein zentrales Anliegen. „Wir kennen alle unsere demografischen Entwicklungen, d. h. wir müssen uns so aufstellen, dass wir möglichst attraktiv für internationale Studierende sind. Und dann ist es eigentlich schon wieder egal, wo der Studierende als Erster aufschlägt. Unser Ziel muss es sein, die Leute mittel- und langfristig im Land zu halten.“ Daher gilt es attraktive Angebote zu schaffen und das könne nur gemeinsam gelingen. „Wir haben uns in den letzten Jahren ein sehr gutes Fundament aufgebaut. Darauf können wir aufsetzen und das Bildungshaus Südösterreich weiterentwickeln“, so Granig abschließend.
WISSENSWERT
European University – Internationalisierung als Antwort auf den demografischen Wandel: