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Umwelt
19.01.2026

Land- und Forst­wirtschaft als Chancen­träger im Klima­wandel

Im zweiten Teil der Veranstaltungsreihe „Balanceakt CO₂ – Fürchtet euch nicht!“ stand die natürliche CO₂-Speicherung im Fokus.

Welche Rolle spielen die Land- und Forstwirtschaft in der Klimakrise? Welche Herausforderungen sind zu bewältigen – und welche Chancen bieten sich? Fragen wie diese wurden kürzlich im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Balanceakt CO Fürchtet euch nicht!“ diskutiert. Initiatoren der Reihe sind JOANNEUM RESEARCH, die Katholischen Kirche Steiermark und das Wegener Center für Klima und Globalen Wandel der Universität Graz in Kooperation mit der Landwirtschaftskammer Steiermark, der Wood Vision Lab GmbH und mit Unterstützung des Land Steiermark (Ressort Wirtschaft, Arbeit, Finanzen, Wissenschaft und Forschung). Mehr als 100 Interessierte nahmen am zweiten Termin teil, der kürzlich im Minoritenzentrum Graz stattfand.

„Die alles entscheidende Frage ist: Wie viele Menschen können wir unter Klimawandelbedingungen in Zukunft noch ernähren?“

Franz Prettenthaler, Direktor des Instituts LIFE (JOANNEUM RESEARCH)

Franz Prettenthaler, Direktor des Instituts LIFE, führte gemeinsam mit Sabrina Dreisiebner-Lanz von JOANNEUM RESEARCH in den Abend ein. „Die alles entscheidende Frage ist: Wie viele Menschen können wir unter Klimawandelbedingungen in Zukunft noch ernähren?“, so Prettenthaler. Zwar würden gewisse landwirtschaftliche Regionen in Zukunft auch von der Erderwärmung profitieren – die Böden im Süden und Südwesten Europas würden jedoch stark an Bodenwert verlieren. Ein Problem, das auch Regionen der Steiermark betreffe.  

Trilemma der Landnutzung

Anhand einer Fallstudie im Seewinkel erklärte Sabrina Dreisiebner-Lanz die Schwierigkeit, die verschiedenen Interessen in der Landwirtschaft zu vereinen. Dies führe einem Trilemma der Landnutzung: „Für die Landnutzung besteht ein Zielkonflikt zwischen Ernährungssicherung, Biodiversitätserhaltung und Klimaschutz. Deshalb braucht es differenzierte Maßnahmen und Anpassungsstrategien, die für landwirtschaftliche Betriebe praxistauglich und ökonomisch tragfähig sind“, betonte Dreisiebner-Lanz.

„Für die Landnutzung besteht ein Zielkonflikt zwischen Ernährungssicherung, Biodiversitätserhaltung und Klimaschutz.

Sabrina Dreisiebner-Lanz, JOANNEUM RESEARCH

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung fanden mehrere Vorträge statt, zudem gab es eine Diskussionsrunde mit den Expert:innen Jochen Buchmaier (Verein Humus+ Modell Ökoregion Kaindorf), Sabrina Dreisiebner-Lanz (JOANNEUM RESEARCH), Martin Halmer (Katholische Kirche Steiermark), Alexander Pinter (Holzcluster Steiermark), Stefan Zwettler und Arno Mayer (Landwirtschaftskammer Steiermark).

Ökosysteme als CO2-Speicher

Karl Steininger vom Wegener Center für Klima und Globalen Wandel der Universität Graz sprach in seinem Vortrag über natürliche Kohlenstoffsenken und die Auswirkungen der Landnutzung für die Erreichung der Klimaziele – etwa wenn durch die Renaturierung von Flächen CO2 der Atmosphäre entnommen und gespeichert werden kann.

„Wälder leisten einen wichtigen Beitrag zur Minderung des Klimawandels.“

Stefan Zwettler, Landwirtschaftskammer Steiermark

Auch Wälder spielen hier eine wichtige Rolle, wie Stefan Zwettler von der Landwirtschaftskammer Steiermark ausführte: „Wälder leisten einen wichtigen Beitrag zur Minderung des Klimawandels. Die nachhaltige Bewirtschaftung hoher Holzvorräte und ein aktiver Waldumbau erhöhen die Stabilität und Resilienz der Waldökosysteme gegen biotische und abiotische Schadereignisse. Gleichzeitig wird der laufende Holzzuwachs gefördert und das potenzielle Kohlenstoff-Speichervolumen erneuert und aufrechterhalten.“

Und auch die Landwirtschaft kann eine wichtige Rolle für die Speicherung von CO2 spielen: „Sie hat ihre Werkstatt unter freiem Himmel und ist deshalb vom Klimawandel besonders betroffen, aber zugleich auch Teil der Lösung. Mit rund 10 % der Emissionen produziert sie 100 % der Lebensmittel. Pflanzenproduktion ist aktive Entnahme von CO2“, betonte Arno Mayer, Landwirtschaftskammer Steiermark. Besonders hob er die Bedeutung des Humusaufbaus hervor: „Mit einem Wellnessprogramm für Regenwurm und Biene und biodiversen Fruchtfolgen motivieren innovative Landwirt:innen die steirischen Böden zu CO2-Speicherung im Humus.“

 Weitere Termine von „Balanceakt CO₂ – Fürchtet euch nicht!“

Teil 3: 10.03.2026: Technische Innovationen im Carbon Management: Können wir uns das leisten?

Teil 4: 28.04.2026: Geschäftsmodell Klimawandel: Nachhaltig oder Feigenblatt?

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