„Leistung ist für mich das Produkt aus drei Faktoren: Verantwortung, Engagement und Kompetenz!“
Leistung ermöglichen und fördern
advantage: Die gesellschaftliche Wahrnehmung von Leistung hat sich verändert. Weshalb ist das aus Ihrer Sicht so?
Sabine Herlitschka: Die Art, wie wir Leistung wahrnehmen, hat sich deutlich geändert. Früher war es besonders wichtig, hart zu arbeiten und Ergebnisse zu liefern. Heute sind Ergebnisse zumindest genauso wichtig. Um dorthin zu kommen, zählen Fähigkeiten wie Kreativität, Teamarbeit und Anpassungsfähigkeit weitaus mehr. Digitalisierung und Automatisierung haben viele Routineaufgaben übernommen: Es geht nicht mehr darum, wer am härtesten arbeitet, sondern wer gute Lösungen oder die besten Ideen entwickelt und in der Lage ist, zur Umsetzung beizutragen.
Wie kann der Leistungsbegriff neu definiert werden?
Wenn wir uns von der technischen Definition lösen, ist Leistung für mich das Produkt aus drei Faktoren: Verantwortung, Engagement und Kompetenz. Wenn diese zusammenkommen, dann entsteht das, was ich als echte Leistung wahrnehme. Menschen, die Verantwortung für eine Situation, ein Problem übernehmen – ob das nun jemand ist, der unsere Hilfe braucht, ein technisches Problem, das es zu lösen gilt, oder das Erreichen eines Ziels. Verantwortung übernehmen heißt nicht auf andere warten, sondern selbst aktiv werden. Dazu gehört Engagement – also der Entschluss hin zugreifen, zu tun, sich aktiv einzusetzen. Und das ist im Kern eine Entscheidung. Und letztlich braucht es Kompetenz, denn Betroffenheit oder Empörung reicht nicht, um Probleme zu lösen. Man muss tun und man muss wissen, was man tut.
Welche Schritte werden bei Infineon in diese Richtung gesetzt?
Verantwortung, Engagement und Kompetenz sind bei Infineon in der Unternehmenskultur verankert. Unsere Verantwortung sehen wir darin, mit Technologien einen positiven Beitrag zur Zukunft zu leisten. Engagement zeigen wir durch unseren Einsatz, uns weiterzuentwickeln und innovative Lösungen zu finden. Kompetenz ist unser Fundament, auf das wir bauen: Wir investieren kontinuierlich in Weiterbildung und fördern eine Kultur des lebenslangen Lernens. Dabei spielt auch Sinnstiftung eine wichtige Rolle. Wir zeigen, dass unsere Technologien mehr sind, als ein wirtschaftlicher Erfolgsfaktor – vielmehr ein Mittel, gesellschaftliche Probleme zu lösen. Bei Infineon legen wir großen Wert darauf, Leistung nicht nur zu fordern, sondern auch zu fördern.
Wie kann speziell die junge Generation motiviert werden?
Viele junge Menschen, und nicht nur die, suchen eben mehr als nur einen Job – sie suchen sinnstiftende Tätigkeiten, die sie begeistern. Leistung zeigt sich häufig im Umgang mit Herausforderungen. Wenn wir genau hinschauen, dann wachsen wir durch unsere Leistungen. Herausforderungen können uns dazu bringen, alles herauszuholen, „was in uns steckt“. Was uns aber wirklich wachsen lässt, ist, wenn wir die Herausforderung bewältigen, wenn wir etwas geleistet haben. Solche „Bewältigungserlebnisse“ schenken uns Selbstvertrauen, verringern Ängste und geben uns die Kraft, uns neuen Aufgaben zu stellen. Wir müssen daher Rahmenbedingungen schaffen, die Leistung ermöglichen und fördern.
Es geht nicht mehr darum, wer am härtesten arbeitet, sondern wer gute Lösungen oder die besten Ideen entwickelt und in der Lage ist, zur Umsetzung beizutragen.“
Welche Rolle spielt Wertschätzung?
Ich möchte es anhand eines Beispiels zeigen: Ein Bereich, in dem wir den Leistungsbegriff wertschätzen, ist der Sport. Hier sind Anstrengung, intensive Arbeit, hohes Engagement und die Entwicklung besonderer Fähigkeiten und Kompetenzen ganz selbstverständlich gefordert. Man könnte sich schon fragen, ob Spitzensportler für uns alle das Leistungsthema ein Stück weit übernehmen. Gleichzeitig können wir von ihnen lernen: Menschen, die im Sport mit extremen Leistungsanforderungen umgehen, zeigen uns, wie wichtig es ist, die Balance zwischen Anstrengung, Regeneration und Motivation zu finden. Wertschätzung für Leistung ist in allen Bereichen ein wesentlicher Aspekt, der uns vorantreibt.
Wie kann eine gute Zukunft gelingen? Welche strukturellen Verbesserungen sind notwendig, um die Wettbewerbsfähigkeit bzw. den Standort Kärnten zu stärken?
Technologie ist einer der wichtigsten Hebel, um eine gute Zukunft zu schaff en. Dafür braucht es die richtigen Rahmenbedingungen. Erstens müssen wir weiterhin in zeitgemäße Bildung investieren – und zwar nicht nur in technische Kenntnisse, sondern auch in Problemlösungsund digitale Kompetenzen. Zweitens brauchen wir ein innovationsfreundliches Umfeld, das Unternehmen Möglichkeiten für globale Wettbewerbsfähigkeit eröff net, das heißt Bürokratieabbau, geringere Energie- und Arbeitskosten, wie auch innovationsförderliche Maßnahmen. Drittens müssen wir auch die Infrastruktur stärken – von der Digitalisierung bis hin zu Energieversorgung. Kärnten hat hier Potenzial, besonders durch seine starke Verbindung zwischen Industrie und Forschung.
WISSENSWERT
Seit 2014 ist Sabine Herlitschka Vorstandsvorsitzende der Infineon Technologies Austria AG.
Die Geschichte von Infineon Austria startete 1970 unter dem Namen Siemens Bauelemente OHG in Villach. Was als verlängerte Werkbank begann, entwickelte sich zum Vorreiter der Digitalisierung. Heute hat sich Infineon Austria erfolgreich als Global Player am Halbleitermarkt etabliert und gilt als das forschungsstärkste Industrieunternehmen Österreichs.