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Bildung
22.01.2026

Mit Lehre Perspektiven schaffen

Lehrausbildungen eröffnen jungen Menschen viel­fältige Chancen und sichern die Fach­kräfte von morgen. Zeit für eine Bestands­auf­nahme – und einen Blick nach vorne.

In Zeiten des Fachkräftemangels gewinnen Lehrausbildungen immer mehr an Stellenwert. Wer sich für eine Lehre entscheidet, hat in Österreich gute Karrierechancen – und das bereits von Anfang an: Nicht nur, dass Absolvent:innen im Vergleich zu anderen sekundären Ausbildungen deutlich schneller (im Schnitt 1,3 Monate nach Lehrabschluss) ins Berufsleben einsteigen – auch das mittlere Bruttoeinkommen ist mit 2.418 Euro 18 Monate nach Abschluss höher als bei weiterführenden Schulen wie BHS, BMS und AHS (Quelle: Statistik Austria, 2024). Zudem erfährt die Lehre in formaler Hinsicht immer mehr Anerkennung: So ist der handwerkliche Meisterabschluss mittlerweile dem Bachelor gleichgestellt und der Titel „Meister“ darf in offiziellen Urkunden eingetragen werden.

Lehre neu gedacht

Auch inhaltlich hat sich die Lehrlingsausbildung stark gewandelt – geprägt von fortschrittlichenTechnologien und neuen Anforderungen der Arbeitswelt. Aktuell existieren in Österreich 233 Lehrberufe, wobei Berufsbilder laufend angepasst werden und neue Ausbildungswege entstehen. So sind neben der dualen Lehre und der Lehre mit Matura auch immer mehr Lehrberufe modular aufgebaut: Dabei absolvieren Lehrlinge zunächst eine allgemeine, meist zweijährige Grundausbildung in einem bestimmten Bereich. Danach wählen sie ein Hauptmodul und können ihr Wissen durch ein zusätzliches Spezialmodul vertiefen. Interessant ist, dass Technologie mittlerweile auch in traditionellen Berufsbildern Einzug hält. „Digitale Kompetenzen sind inzwischen ein unverzichtbarer Bestandteil nahezu jeder Ausbildung“, bestätigt Christian Kolbl, Leiter der Lehrlings-, Meisterprüfungs- und Ingenieur-Zertifizierungsstelle der WKO Steiermark.

Gute Perspektiven in vielen Branchen

Mit 31. 12. 2024 waren in Kärnten insgesamt 7.199 Lehrlinge gemeldet. Betrachtet man die häufigsten Lehrberufe, ist das Kärntner Ranking seit Jahren relativ konstant. „Bei den Burschen stehen Elektrotechnik, Metalltechnik, Kraftfahrzeugtechnik und Einzelhandelskaufmann stets hoch im Kurs. Die Mädchen entscheiden sich am häufigsten für Einzelhandelskauffrau, Bürokauffrau oder Friseurin (Stylistin)“, erklärt Benno Tosoni, Leiter der Lehrlings-, Meisterprüfungs- und Ingenieur-Zertifizierungsstelle Kärnten. Auch Elektrotechnik auf Platz vier und Metalltechnik auf Platz sechs liegen bei den weiblichen Lehrlingen bereits im Spitzenfeld. Die meisten offenen Lehrstellen gibt es in Kärnten aktuell im Tourismus, im Handel und in den Metall- und Elektroberufen. Aber auch in der Baubranche und bei den Büroberufen sind noch viele Lehrstellen unbesetzt. „Laut AMS gibt es derzeit 541 sofort verfügbare offene Lehrstellen. Folglich bieten sich für engagierte Lehrinteressierte in nahezu sämtlichen Branchen gute Perspektiven“, so Tosoni.

„Digitale Kompetenzen sind inzwischen ein unverzichtbarer Bestandteil nahezu jeder Ausbildung.“

Christian Kolbl, Leiter der Lehrlings-, Meisterprüfungs- und Ingenieur-Zertifizierungsstelle der WKO Steiermark

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Starke Nachfrage bei Dienst­leistungen

Für die Steiermark listet die WKO-Lehrlingsstatistik mit 31. 12. 2024 insgesamt 14.928 Lehrlinge. Hinsichtlich der häufigsten Lehrberufe zeigt sich ein ähnliches Bild wie in Kärnten: Bei den männlichen Lehrlingen sind es aktuell Metall-, vor Elektro- und Kraftfahrzeugtechnik und Einzelhandel, bei den weiblichen liegt der Einzelhandel an erster Stelle, gefolgt von Bürokauffrau, Metalltechnik auf Platz drei und Friseurin (Stylistin) auf Platz vier. Laut AMS gab es in der Steiermark Ende Oktober 2025 818 offene Lehrstellen, davon die meisten im Handel, gefolgt von Produktion, Tourismus und Gastronomie sowie der Baubranche.

„Die größten Chancen für Lehrlinge liegen wieder in den klassischen Handwerksberufen und eine starke Nachfrage gibt es bei den Dienstleistungen", bestätigt Karlheinz Snobe, Leiter des AMS Steiermark. „Auch der Handel bietet weiterhin vielfältige Möglichkeiten, besonders in beratungsintensiven Branchen. Der steirischen Wirtschaft ist bewusst, dass sie selbst für ihren Fachkräftenachwuchs sorgen und attraktiv bleiben muss. Nur so finden Unternehmen motivierte junge Menschen, die ihre Zukunft aktiv gestalten wollen. Eine Lehre bietet dafür nicht nur den Einstieg ins Berufsleben, sondern ein solides Fundament für eine erfolgreiche Karriere.“

Motivation auf beiden Seiten

Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, gilt es, Unternehmen und junge Menschen gleichermaßen zur Lehrausbildung zu animieren. Für Lehrbetriebe in Südösterreich stehen seitens WKO zahlreiche Unterstützungen bereit – von Basisförderungen über Coaching und Weiterbildung bis hin zu Zuschüssen für die Unterbringung von Lehrlingen. Auch das AMS bietet diverse Förderangebote, zum Beispiel das FIT-Programm (Frauen in Handwerk und Technik), mit dem mehr weibliche Lehrlinge für klassisch männerdominierte Berufe gewonnen werden sollen.

Das AMS Kärnten setzt zudem auf die Initiative „2. Chance PLUS“ in Kooperation mit dem bfi-Kärnten. Personen ohne abgeschlossene Berufsausbildung werden dabei in 18 Monaten gezielt auf die Lehrabschlussprüfung vorbereitet. „Fachkräftesicherung ist eine zentrale Aufgabe des AMS Kärnten, gerade auch in wirtschaftlich angespannten Zeiten. Mit Blick auf die demographische Entwicklung ist es ebenfalls ganz entscheidend, dass wir kein Erwerbspotenzial liegen lassen und keine Talente verlieren“, so AMS-Kärnten-Chef Peter Wedenig.

„Für engagierte Lehrinteressierte bieten sich in nahezu sämtlichen Branchen gute Perspektiven.“

Benno Tosoni, Leiter der Lehrlings-, Meisterprüfungs- und Ingenieur-Zertifizierungsstelle Kärnten

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Rasch beruflich durchstarten

„Dass es aktuell gleich viele offene Lehrstellen wie Suchende gibt, zeigt, dass die Lehrausbildung bei den Kärntner Unternehmen einen hohen Stellenwert genießt und wir kein Manko an Lehrbetrieben haben“, betont Tosoni. Für viele Betriebe sei es allerdings in den letzten Jahren demografisch bedingt herausfordernd gewesen, geeignete Bewerber:innen zu finden. Demnach müsse von allen Seiten weiter Imagearbeit im Sinne der Lehre betrieben werden, auch um Maturant:innen, Studienabbrecher:innen und Personen, die sich umorientieren wollen, verstärkt zu erreichen.

Zudem wünsche er sich mehr und hochwertigere Berufsorientierung an den Pflichtschulen – und dass sich Jugendliche und Eltern intensiver mit der Vielfalt der Lehrberufe und den eigenen Stärken beschäftigen. „Junge Menschen sollen durch Orientierung und Beratung zu den Ausbildungen geführt werden, die ihren Talenten und Interessen entsprechen – anstatt primär danach zu streben, die Klassenzimmer zu füllen. Jugendliche, die praktisch begabt sind, rasch beruflich durchstarten und einen Beruf aktiv erlernen wollen, sind in einer Lehrausbildung besser aufgehoben als auf der Schulbank.“

Werte und Visionen

Kolbl nennt weitere Aspekte, die für die Ausbildungswahl maßgeblich sind: „Für junge Menschen ist der Sinn ihrer Arbeit entscheidend. Sie möchten wissen, welchen Beitrag ihre Arbeit leistet. Daher ist es für Betriebe essenziell, ihre Werte und Visionen klar zu kommunizieren.“ Auch die Qualität der Ausbildung und die Attraktivität des Unternehmens seien dabei zentral. „Besonders wichtig sind die Ausbilder:innen, die direkt mit den jungen Menschen arbeiten. Sie müssen sich kontinuierlich fort- und weiterbilden, um die bestmögliche Betreuung der Lehrlinge zu gewährleisten“, so Kolbl.

Stichwort Qualität: Mit dem neuen „Center of Excellence“ wurde in Graz kürzlich ein wichtiger Meilenstein in der Ausbildungsqualität realisiert. Aus den ehemaligen Lehrwerkstätten des WIFI Steiermark entstand ein hochmoderner Bildungscampus, der nun auf 14.300 Quadratmetern technische und gastronomische Ausbildungen sowie Lehrabschluss- und Meisterprüfungen unter einem Dach vereint.

WISSENSWERT

Aktuell gibt es Österreich 233 Lehrberufe. Davon können 31 Lehrberufe mit verschiedenen Ausbildungsschwerpunkten erlernt werden (gesamt 103 Schwerpunkte) und 11 Lehrberufe mit verschiedenen Modulen (gesamt 42 Hauptmodule).

Rechnet man alle Schwerpunkte und Hauptmodule zusammen, ergibt sich eine Gesamtzahl von 336 Lehrberufen.

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