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Wirtschaft
25.02.2026

Mut zur Reform: Kärnten beschließt neues Tourismusgesetz

Die Tourismusreform bringt schlankere Strukturen, eine landesweit einheitliche Nächtigungsabgabe und damit zusätzliche 20 Mio. Euro für die Infrastruktur.

Nach eineinhalb Jahren Planung präsentierten Landesrat Sebastian Schuschnig, Landtagsabgeordneter Herwig Seiser, Wirtschaftskammer-Präsident Jürgen Mandl, Wirtschaftskammer-Spartenobmann Josef Petritsch, Gemeindebundpräsident Bürgermeister Christian Poglitsch und Kärnten Werbung-Geschäftsführer Klaus Ehrenbrandtner die wichtigsten Eckpunkte des Reformpakets im Spiegelsaal der Landesregierung.

„Beim neuen Tourismusgesetz handelt es sich um eine der größten Reformen, die wir als Landesregierung in dieser Legislaturperiode umsetzen werden.“

Sebastian Schuschnig, Landesrat für Kärnten

Strukturelle Veränderungen

Im Zentrum des neuen Tourismusgesetzes stehen eine umfassende Strukturreform, die Bündelung der touristischen Kräfte und mehr finanzielle Mittel für die touristische Infrastruktur des Landes. „Uns allen ist bewusst, dass der Kärntner Tourismus mehr Investitionen in die Infrastruktur, weniger kleinräumiges Denken in Organisation und Vermarktung sowie eine klarere Auf- und Zuteilung von Aufgaben braucht. Der aktuelle Status quo zeigt uns deutlich, dass in diesen Bereichen Handlungsbedarf gegeben ist. Das derzeit gültige Tourismusgesetz ist über zehn Jahre alt, und viele Themen, die ein erfolgreicher Tourismus benötigt, sind im momentanen Gesetz nicht abgebildet“, so Schuschnig. Die Reform erfordere Mut. „Eine neue, schlankere Struktur, klare Zuständigkeiten sowie eine neue einheitliche Aufenthaltsabgabe und damit mehr Mittel für Investitionen – all das bringt das neue Tourismusgesetz“, so Schuschnig.

„Unserem Tourismus muss es möglich sein, perspektivisch zu investieren und bei der Entscheidungsfindung schneller zu werden.“

Jürgen Mandl, Präsident der Wirtschaftskammer Kärnten

Finanzierung der touristischen Infrastruktur

Die bisherige Orts- und Nächtigungstaxe wird durch eine landesweit einheitliche Aufenthaltsabgabe von 4,50 Euro pro Gast und Nacht ersetzt. In diesem Betrag ist ein Infrastruktur- und Mobilitätsbeitrag in Höhe von 0,90 Euro inkludiert. Dieser wird künftig in die touristische Infrastruktur investiert und ermöglicht die kostenlose Nutzung von öffentlichen Verkehrsmitteln für Urlaubsgäste ermöglicht. „Insgesamt stehen dem Kärntner Tourismus in Zukunft rund 50 Millionen Euro aus der neuen Aufenthaltsabgabe zur Verfügung. Das sind rund 20 Millionen mehr als bisher“, informierte Schuschnig.

Organisation wird gebündelt

Außerdem wird die Grundlage für eine moderne Tourismusverwaltung geschaffen. Aus derzeit 125 Organisationseinheiten entstehen künftig zehn Einheiten auf zwei Ebenen. „Wir schaffen eine schlankere Struktur mit klaren Zuständigkeiten, derzeitige Doppelgleisigkeiten werden konsequent abgebaut. Die örtliche und regionale Ebene verschmelzen zu flächendeckenden Tourismusverbänden, die Gebietsgrenzen der aktuellen Tourismusregionen bleiben dabei bestehen“, so der Landesrat. Die Tourismusreform sei das Ergebnis eines breiten Prozesses. „Es waren rund 500 Personen in über 100 Terminen in diesen Reformprozess involviert. Diese Zahlen zeigen: Diese Reform ist eine, die wir für die Tourismusbranche umsetzen,“ erklärt Schuschnig.

Gelungene Verhandlungen

„Wir haben in den letzten Wochen und Monaten noch an sehr vielen Details geschraubt und getüftelt. Wir haben uns zusammengesetzt und nach Lösungen gesucht. Die Runde, in der wir heute hier zusammenstehen, zeigt, dass dies gelungen ist“, so Schuschnig. Klubobmann LAbg. Herwig Seiser bedankte sich für die Arbeit am Reformpaket, das ebenso eine neu geregelte Zweitwohnungsabgabe sowie eine Motorbootabgabe umfasste. „Wir beschließen ein Gesetz, das künftig für 20.000 Beschäftigte in Kärnten gilt. Dabei ist es gelungen, alle Interessen unter einen Hut zu bringen. Der wichtigste Aspekt ist das Urlaubserlebnis und die damit verbundene Gästezufriedenheit. Eine entscheidende Voraussetzung dafür sind die finanziellen Mittel, die für den heimischen Tourismus zur Verfügung stehen werden“, so Seiser.

Wettbewerbsfähigkeit steigern

Wirtschaftskammer-Präsident Jürgen Mandl betonte, das Ziel der Reform sei es, „Komplexität in der Struktur zu senken, mehr Mittel in den Tourismus zu bringen und Effizienz zu steigern. Unserem Tourismus muss es möglich sein, perspektivisch zu investieren und bei der Entscheidungsfindung schneller zu werden. Das neue Tourismusgesetz ist ein guter Kompromiss geworden, um die Wettbewerbsfähigkeit des heimischen Standorts zu steigern.“
Spartenobmann für Tourismus und Freizeitwirtschaft Josef Petritsch verwies auf die sinkenden Nächtigungszahlen. „Wir haben Nachholbedarf bei der touristischen Infrastruktur, daher ist mit dem neuen Gesetz ein wichtiger Schritt gemacht worden. Die Politik schafft mit der Reform die Rahmenbedingungen, die den Tourismus nach vorne bringen können“, so Petritsch. Nun zähle die Umsetzung: „Kärnten ist das schönste Bundesland, jetzt müssen wir etwas daraus machen“, sagte Petritsch.
Bürgermeister Poglitsch bezeichnete die Reform als gelungen. Die Forderungen der Kärntner Gemeinden wurden berücksichtigt, insbesondere im Hinblick auf den finanziellen Ausgleich, auf Haftungsfragen und die Mitarbeiterthematik. „Das neue Gesetz ist ein Werkzeug, mit dem der Tourismus arbeiten kann. Es geht zwischen Land, Tourismusverbänden, Gemeinden und Unternehmern nur Hand in Hand“, so Poglitsch.

Eine zentrale Plattform

Die Kärnten Werbung sei, laut Kärnten Werbung-Geschäftsführer Klaus Ehrenbrandtner, bereit für die Verantwortung. „Diese Reform ist so wichtig, weil wir schlanke Strukturen und eine effiziente Aufgabenverteilung brauchen“, so Ehrenbrandtner. Ein Beispiel sei die Verkaufsförderung, dieser Bereich werde innerhalb der Kärnten Werbung neu aufgebaut: Für Reiseveranstalter, Reisebüros, Airlines und Buchungsplattformen wird es zukünftig nur noch einen Ansprechpartner geben. Die derzeit zehn regionalen touristischen Webseiten werden auf einer zentrale Webseite zusammengefasst, um Besucherströme gezielt zu lenken und mehr Reichweite zu erzeugen. Der Umsetzungsprozess wurde bereits gestartet.

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