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Umwelt
04.12.2025

Mutige Strategien für Kärntens Energie­zukunft

Die diesjährige Kelag-Konfe­renz „Erneuer­bare Energie“ stand unter dem Titel „Energie unter Spannung: zwischen Unab­hängig­keit, Leist­barkeit und Populismus“.

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Mehr als 400 Expert:innen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, aber auch zahlreiche Schüler:innen, kamen in das Congress Center Villach, um Antworten auf die zentrale Frage „Wie gelingen mutige Strategien, gemeinsames Handeln und faktenbasierte Kommunikation für eine positive Energiezukunft in Kärnten?“ zu finden. Als Herausforderungen der Energiezukunft wurden die Bereiche Versorgungssicherheit, Kosten der Energiewende sowie die Rolle von Fake News im energiepolitischen Diskurs identifiziert.

„Wir investieren in mehr Selbstbestimmtheit“, brachte Kelag-Vorstand Reinhard Draxler die Strategie der Kelag für die nächsten zehn bis 20 Jahre auf den Punkt. In Zahlen sind es 2,6 Mrd. Euro, die allein in Kärnten in den Ausbau der erneuerbaren Energie und damit in Versorgungssicherheit, Arbeitsplätze und Wertschöpfung fließen. Die grüne Energiezukunft wird von heimischer Wasserkraft, Windkraft, Photovoltaik, Biomasse und Wasserstoff getragen. 12,7 Mrd. Euro kosten Österreich die jährlichen Energieimporte, rechnete Draxler vor und präsentierte eine Statistik, die belegt, dass durch verstärkten Einsatz erneuerbarer Energie der Strompreis sinkt, da Windkraft und Photovoltaik die geringsten Gestehungskosten aufweisen.

Energiekosten senken

Für Kelag-Vorstand Danny Güthlein ist die große Herausforderung im Moment nicht die Technik – „Das bekommen wir hin“ –, sondern die gesellschaftliche Akzeptanz und der gemeinsame Umsetzungswille. Für die Menschen zähle am Ende die Gesamtenergiekostenrechnung im Haushalt – Strom, Heizung und Mobilität. Und genau da könnte die Energiezukunft vieles besser und günstiger machen, insbesondere durch den Umstieg von Öl-/Gas-Heizung auf Wärmepumpe oder vom Verbrenner auf ein E-Auto. „Ein integriertes, elektrifiziertes System kann die jährlichen Energiekosten um über ein Drittel reduzieren, gleichzeitig das Gesamtsystem entlasten und uns unabhängiger machen“, erklärte Güthlein. Darüber hinaus sprachen Tara Esterl (Austrian Institute of Technology) über den Einfluss erneuerbarer Energien auf Strompreise und Netze sowie Christoph Maurer (Consentec) über die Kosten der Energiewende.

„Ein integriertes, elektrifiziertes System kann die jährlichen Energiekosten um über ein Drittel reduzieren.“ 

Kelag-Vorstand Danny Güthlein

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Sachbezogener Diskurs

Peter Filzmaier, Geschäftsführer des Instituts für Strategieanalyse, befasste sich in seiner Keynote mit der Rolle der Medien und „alternativer Fakten“ sowie der Diskrepanz zwischen hoher Zustimmung zu erneuerbarer Energie in Umfragen und der tatsächlichen Handlungsbereitschaft der Öffentlichkeit. Er ist der Meinung, dass das Thema Energie nicht nur im Hinblick auf Preise diskutiert werden sollte. Die Menschen wollten Verantwortung für ihre Kinder und Enkelkinder übernehmen und einen Beitrag für ihre Umwelt leisten. Da es in den sozialen Medien keine redaktionelle Kontrolle über Inhalte gebe, brauche es parallel dazu einen sachbezogenen Diskurs. Diesen hätte es auch verstärkt für die Windkraft-Volksbefragung in Kärnten gebraucht. Letztlich habe eine schweigende Mehrheit an Nichtwähler:innen über den Ausgang entschieden. „Bis heute weiß niemand, wie die Summe aller Kärntner:innen tatsächlich über Windkraft denkt.“

Mit Hausverstand

LH-Stv.in Gaby Schaunig forderte, dass von der Energiewende alle Menschen gleichermaßen profitieren – egal ob Hausbesitzer oder Wohnungsmieter – und sprach sich in diesem Zusammenhang für einheitliche Netztarife aus. Das neue Gesetz, das diese Gleichbehandlung aller Energiebezieher herstellen soll, sei für sie ein erster Schritt. „Für mich bedeutet eine leistbare Energiezukunft, dass die Politik Verantwortung übernimmt und alle Menschen gut durch die Transformation begleitet.“

Für LH-Stv. Martin Gruber ist Unabhängigkeit ein wichtiges Thema. „Daran müssen wir intensiv arbeiten“, sagte er. Man könne dies aber nicht von oben herab verordnen, sondern müsse die Menschen mitnehmen. Das bedeute, Bürokratie zu reduzieren, Grundlagen zu ändern und Anreize zu schaffen. Der Erneuerbaren-Ausbau nehme klarerweise auch Flächen in Anspruch – dem müsse man mit Hausverstand begegnen. „Wir wollen Projekte dort konzentrieren, wo Infrastruktur bereits vorhanden ist und Synergien entstehen. Sensible Landschaftsbereiche sollen dagegen geschützt werden“, so Gruber.

„Wir investieren in mehr Selbstbestimmtheit.“

Kelag-Vorstand Reinhard Draxler

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Wesentlicher Standort­faktor

Landesrat für Tourismus, Wirtschaft, Mobilität und Energie, Sebastian Schuschnig, erklärte, dass der flächendeckende Ausbau erneuerbarer Energien ein entscheidender Erfolgsfaktor für unseren Wirtschafts-, Arbeits- und Lebensstandort Kärnten sei. „Eine regionale und nachhaltige Energieversorgung ist ein wesentlicher Standortfaktor, der nicht nur die Zukunftsfähigkeit unseres Wirtschaftsstandortes, sondern auch wertvolle Arbeitsplätze sichert.“

Die Kelag-Konferenz widmet sich seit 2006 den großen Herausforderungen unserer Zeit und den Zukunftsthemen der Energieversorgung. Sie fördert den fachlichen Austausch im Bereich erneuerbare Energien, zeigt Handlungsoptionen für die Gestaltung der Energiezukunft auf und sorgt für positive Inspiration und Vernetzung. Auch dieses Jahr wurden wieder Schüler:innen und Studierende eingeladen, denn das Unternehmen legt großen Wert auf die Teilnahme der jungen Generation an der Gestaltung der Energiezukunft.

Kelag-Vorstand Danny Güthlein, Aufsichtsratsvorsitzender Gilbert Isep, LH-Stv. Martin Gruber, LH-Stv. Gaby Schaunig, Landesrat Sebastian Schuschnig und Kelag-Vorstand Reinhard Draxler (von links). © Kelag

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