Bildung

„Nachhaltige und naturnahe Waldbewirtschaftung braucht Fachwissen“

Johann Zöscher, Leiter der Forstlichen Ausbildungsstätte Ossiach des BFW, im Gespräch über die Ausbildung im Forstbereich und die Wichtigkeit gut ausgebildeter Forstarbeiter.

advantage: In welche Bereiche gliedert sich die Ausbildung in der Forstlichen Ausbil­dungsstätte Ossiach? Welche Kursthemen gibt es?

Johann Zöscher: Bei uns werden Ausbildungskurse zum Forstfacharbeiter und zum Forstwirtschaftsmeister angeboten. Weiterbildungen gibt es im ­Rahmen von Zertifikatslehrgängen zum Thema Waldpädagogik, zum zertifizierten Motorsägenführer, für forstliche Seilbringungsanlagen, zum Thema Holzausformung und Holzverkauf, Green Care Wald, Forst und Kultur. Dann bieten wir noch Ausbildungslehrgänge für Forstliche Nachwuchskräfte, Seminare zur Vorbereitung auf die Staatsprüfung für den Höheren Forstdienst, Expertenseminare und –exkursionen zu unterschiedlichen Themenstellungen mit Partnerinstitutionen der Forstwirtschaft und weitere Spezialseminare zu naturbezogenen Themenstellungen wie ein Pilzeseminar, ein Seminar zum Erkennen von Bäumen und Sträuchern, Kräuter­seminare, Seminare zur Herstellung von ätherischen Ölen und Hydrolaten und vieles mehr an. Der überwiegende Teil der Bildungsveranstaltungen an der Forstlichen Ausbildungsstätte Ossiach sind Weiterbildungsveranstaltungen in allen für die aktive Waldbewirtschaftung relevanten Bereichen. Zur Berufsausbildung zählen nur zwei Kursveranstaltungen: der Vorbereitungskurs zum Forstfacharbeiter und der Kurs für Praxisprofis der Forstwirtschaft, der gleichzeitig der Vorbereitungskurs zur Erlangung der Berufsbezeichnung „Meister der Forstwirtschaft“ ist.

An wen richtet sich das Angebot der Forstlichen Ausbildungsstätte Ossiach?

Unser gesetzlicher Bildungsauftrag richtet sich an alle am Wald und an der Waldbewirtschaftung interessierten Personen. Abgesehen von den Ausbildungskursen, wo Berufspraxis nachgewiesen werden muss (Forstfacharbeiter, Forstwirtschaftsmeister), gibt es für den Kurs- und Seminarbesuch keine notwendigen sonstigen Voraussetzungen, außer die Reihenfolge von aufbauenden Modulen in Zertifikatslehrgängen.  

Seit wann besteht die Ausbildungsstätte bereits?

Die Forstliche Ausbildungsstätte Ossiach besteht seit dem Jahr 1953 und wurde damals von weitblickenden Forstleuten aus dem Bezirk Feldkirchen mit ministerieller Unterstützung gegründet und war lange Zeit direkt nachgeordnete Dienststelle des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft. Heute  ist die Forstliche Ausbildungsstätte Ossiach Teil des Bundesforschungszentrums für Wald, Naturgefahren und Landschaft. Damit ist wissenschaft­liche Forschung in den sechs Forschungsinstituten des Bundesforschungszentrums und die qualifizierte Wissensweitergabe in zwei Forstlichen Ausbildungsstätten – Ossiach und Traunkirchen – unter einem Dach organisiert. Die Aufgabe der FAST ist es dabei, neue wissenschaftliche Erkenntnisse kursmäßig so aufzubereiten, dass das neue Wissen auf die (Wald)-Fläche gebracht werden kann. Unser Motto ist: Wir bringen Wissen in den Wald!

Warum ist es wichtig, dass Forstarbeiter möglichst gut ausgebildet sind?

Waldarbeit ist Arbeit mit dem Naturraum. Die qualifizierte, nachhaltige und naturnahe Waldbewirtschaftung – von der Waldverjüngung, über die Waldpflege in den Jugendstadien bis hin zur Holzernte in erntereifen Beständen – braucht Fachwissen sowie besondere Fähigkeiten und Fertigkeiten. Dazu kommen spezielle Kenntnisse über Gefahrenpotenziale bei der aktiven Waldarbeit, um unfallfrei arbeiten zu können. Arbeitssicherheit und Ausbildungsstand der Forstarbeiter hängen direkt zusammen – je besser die Ausbildung, desto höher die Arbeitssicherheit. Eine besondere Herausforderung für die zielgerichtete Waldbewirtschaftung stellt der Klimawandel dar. Einerseits verändern sich die Naturräume hinsichtlich ihrer ökologischen Rahmenbedingungen und andererseits werden Kalamitätsereignisse häufiger.  Dem entgegenzuwirken und stabile, vitale und leistungsfähige Wälder für die Zukunft zu etablieren und zu erhalten ist die Zielsetzung, die wir über aktive Waldbewirtschaftung beeinflussen können.

Was sind die Aufgaben eines Forstfacharbeiters?

Die prinzipielle Aufgabe von Forstfacharbeitern ist die fachgerechte Umsetzung aller mit der Waldbewirtschaftung verbundenen praktischen Arbeiten. Das beginnt bei der Neu- und Wiederbewaldung und geht über die Waldpflege in unterschiedlichen Entwicklungsstadien bis hin zur Holzernte.

Hat die Aus- und Weiterbildung im Forstbereich heutzutage noch Zukunft?

Aufgrund des zunehmenden Interesses der allgemeinen Gesellschaft für Wald- und Naturraumbelange sowie die eindeutige Intention der Politik in Richtung einer ökologisch orientierten Kreislaufwirtschaft, wo Waldbewirtschaftung eine entscheidende Rolle spielt, bin ich davon überzeugt, dass die Aus- und Weiterbildung im Forstbereich dringend gebraucht wird. Die Waldbewirtschafter müssen über qualifiziertes Know-how die Stabilität, Gesundheit und Leistungsfähigkeit der heimischen Wälder verfügen.

Wie wichtig ist der Rohstoff Holz für die österreichische Wirtschaft?

Der Rohstoff Holz sichert in Österreich etwa 300.000 Arbeitsplätze und erwirtschaftet in der gesamten Wertschöpfungskette Wald und Holz eine Bruttowertschöpfung von bis zu 20 Mrd. Euro jährlich. Der jährliche Exportüberschuss der Wertschöpfungskette kann mit etwa 4 bis 5 Milliarden Euro beziffert werden.

Johann Zöscher

Leiter der Forstlichen Ausbildungsstätte Ossiach des BFW

Foto: FAST Ossiach

Fotocredits: FAST Ossiach

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