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Umwelt
06.08.2026

Nachhaltigkeit als Steuerungs­instrument

Eva Slamanig über Verantwortung, Wirtschaftlichkeit und konsequente Umsetzung von Nachhaltigkeit.

Wohin geht die Reise? Für die Kelag zeigt der Kompass in Richtung grüner Energiezukunft, das Navigationssystem heißt ESG. Doch anders als oft angenommen ist Nachhaltigkeit dabei kein Blick in den Rückspiegel. Sie wird zum Steuerungsinstrument: ESG hilft, Investitionen, Risiken und die langfristige Stabilität des Unternehmens gezielt zu lenken.

 

advantage: Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit in der Kelag und warum?

Eva Slamanig: Nachhaltigkeit ist für uns kein isoliertes Berichtsthema, sondern integraler Bestandteil der Unternehmenssteuerung. Wir machen uns den regulatorischen Rahmen zunutze, um ESG-Kriterien systematisch in Entscheidungsprozesse einfließen zu lassen. Das verbessert unsere Entscheidungsqualität, erhöht die Resilienz des Unternehmens und stärkt das Vertrauen unserer Stakeholder.

Wie sieht das konkret aus? Wie kann man sich das in der Praxis vorstellen?

Die Kelag gestaltet die Energiezukunft aktiv mit. Das bedeutet: Wir investieren in erneuerbare Erzeugung, in Netzinfrastruktur und in Lösungen, die Kund:innen den Umstieg erleichtern. Für Finance heißt das: Wir betrachten diese Investitionen nicht nur bilanziell oder finanziell. Wir bewerten sie im größeren Zusammenhang – wirtschaftlich, regulatorisch, ökologisch und gesellschaftlich. Wir liefern also ein möglichst holistisches Bild, wenn es um Investitionsentscheidungen, Risikobewertungen und Finanzierungsfragen geht. Die erneuerbare Energiezukunft braucht nicht nur Technik und Infrastruktur. Sie braucht auch finanzielle Steuerung, Transparenz und belastbare Entscheidungen.

 

Bringt ihr Zugang zum Thema Nachhaltigkeit auch einen Wettbewerbsvorteil?

Nachhaltigkeit verbessert den Zugang zu Kapital – und wird zunehmend zur Voraussetzung am Markt. Unternehmen, die Nachhaltigkeit strategisch verankern, profitieren messbar: bessere Finanzierungsmöglichkeiten, höhere Attraktivität für Investor:innen und eine gestärkte Marktposition. ESG wird damit nicht nur zur regulatorischen Pflicht, sondern zu einem wirtschaftlichen Standortfaktor.

Die Regulatorik spielt für die Kelag keine große Rolle mehr?

Die Regulierung war ein wichtiger Impulsgeber und hat dem Thema Verbindlichkeit gegeben. Rechtlich und operativ sind dahingehend bei uns die Weichen gestellt und die operative Erfüllung der Berichtspflichten ein Standardprozess.

Was helfen Strategie und Daten, wenn die Kund:innen und breite Öffentlichkeit nicht oder zu wenig mitziehen?

Vertrauen entsteht durch Transparenz, Kompetenz und konkrete Lösungen im Alltag. Unser Anspruch ist es, Nachhaltigkeit für Kund:innen verständlich, leistbar und umsetzbar zu machen – etwa durch erneuerbare Energielösungen, flexible Tarife und Beratungsangebote. Die Energiezukunft wird schließlich nicht am Schreibtisch entschieden, sondern im Alltag der Menschen. So können unsere Kund:innen schon heute die Vorteile der Energiezukunft nutzen, zum Beispiel durch die smarte Integration von E-Mobilität. Auch das Thema Wärmepumpe forcieren wir: Genau jetzt, wo viele Menschen nach Lösungen für angenehmes Raumklima suchen, haben wir die passende Antwort – und damit eine starke Chance, als Kelag sichtbar zu sein.

Wie begegnen Sie der Kritik an der Leistbarkeit der Energiewende?

Investitionen in erneuerbare Energie sind nicht nur langfristig sinnvoll – sie bringen bereits heute wirtschaftliche Vorteile. Derzeit fließen jährlich erhebliche Mittel für fossile Energieimporte ins Ausland. Wenn wir diese Investitionen in heimische erneuerbare Energie lenken, stärken wir Wertschöpfung, Versorgungssicherheit und den Wirtschaftsstandort. Gleichzeitig wird das System mit wachsendem Anteil erneuerbarer Energien effizienter und kostengünstiger. Auch für den privaten Haushalt ist ein erneuerbares Energiesystem bei intelligentem Einsatz bereits heute um 35 Prozent günstiger als eine fossile Lösung.

Wo sehen Sie die Verantwortung der Kelag im Spannungsfeld von Klimazielen, Versorgungssicherheit und Leistbarkeit?

Unsere Aufgabe ist es, diese Ziele nicht gegeneinander auszuspielen, sondern integriert zu steuern. ESG unterstützt uns dabei: Es macht Zielkonflikte sichtbar und schafft die Grundlage für nachvollziehbare, langfristig tragfähige Entscheidungen. Unser Anspruch ist es, die Energiezukunft aktiv zu gestalten – wirtschaftlich verantwortungsvoll, regional verankert und mit Blick auf das Gesamtsystem.

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