Mit einem Verleih einer bunt zusammengewürfelten Second-Hand-­Festausstattung trägt der Verein zur Ressourcenschonung bei. © Privat
Wirtschaft
19.09.2022

Nachhaltigkeit bedeutet zukunftsfähig Leben und Wirtschaften

Seit Anfang 2017 verfolgen der Verein Nachhaltig in Graz, deren Webseite sowie die mobile App das Ziel, es allen Menschen, die in der Stadt nachhaltig(er) leben wollen, so leicht wie nur möglich zu machen und zu den dafür nötigen Informationen zu kommen.

Einerseits werden Grazer Geschäfte mit nachhaltigen, verpackungsarmen Waren vorgestellt, andererseits auch regionale Läden, die reparieren, upcyclen und wiederverwenden. Auch Initiativen für ein nachhaltigeres Leben mit einem sozialen Gesicht werden präsentiert. Tipps und Geschichten aus diesen Bereichen sowie ein Terminkalender mit allen nachhaltigen Veranstaltungen runden das Angebot für die Grazer ab. „Wir wollen mit unserer kritisch-konstruktiven Info-Plattform aber nicht nur informieren, sondern auch motivieren und aktivieren – zu nachhaltigem Leben, Handeln und Engagement. Unsere Beiträge wollen vor allem auf Lösungen fokussieren. Gemeinsam leisten wir einen wichtigen Beitrag für den Klimaschutz“, erklärt Obfrau Beatrix Altendorfer.

Nachhaltig leben leicht gemacht

Hinter dem Verein steht neben der Obfrau auch ein Team von mittlerweile drei Angestellten und zahlreichen ehrenamtlichen Mitarbeitern. Die Idee zu dem Verein entstand bereits im Jahr 2015/16. „Ich war damals sehr auf der Suche, etwas Sinnvolles im Bereich Nachhaltigkeit zu machen. Im Nachhinein kann ich diese doch langwierige Suche so zusammenfassen: Ich habe überlegt, was die Gesellschaft benötigt, was ich gut kann und was ich aber auch gleichzeitig gerne tue. Damals habe ich die ansprechende, kompakte und einfache Information vermisst, habe immer schon gerne Wissen zusammengetragen und kann schwierige Themen verständlich vermitteln. Mit unseren Inhalten wollen wir es den Grazern leichter und attraktiver machen, nachhaltig zu leben“, erklärt Altendorfer.

Infos, Tipps und Tricks

Auf dem Blog geht es um alle Themen zur Nachhaltigkeit, es werden Tipps zu nachhaltigem Einkaufen gegeben, der Klimawandel und das Drumherum erklärt und versucht, Menschen auf vielfältige Weise zu nachhaltigem Leben zu motivieren. „Wichtig ist uns auch Engagement, daher stellen wir viele Initiativen vor, bei denen man mitmachen kann. Ein großer Magnet ist auch unser Terminkalender, in den alle passenden Veranstaltungen aufgenommen werden. Die Leser können sich hier inspirieren lassen, da wir erkannt haben, dass Information alleine nicht ausreicht. Durch unsere App ist es auch unterwegs sehr einfach, das nächste offene Bücherregal, den nächsten Foodsharing-Fairteiler oder den nächsten Bioladen zu finden“, so die Obfrau.

Ressourcenschonung

Gerade Sharing-Projekte liegen dem Verein sehr am Herzen, da durch sie relativ einfach ein großer, persönlich herstellbarer Impact hervorgerufen werden kann, aber auch ein Mehr an Miteinander entsteht, etwas, das in jetzigen Zeiten auch sehr dringend nötig ist. Mit diversen Offline-Projekten wie zum Beispiel dem Nachhaltigkeitsladen, in dem es vor allem um Ressourcenschonung geht, oder mit anderen kleineren Nachhaltigkeitsprojekten versucht das Team von Nachhaltig in Graz auch Menschen zu erreichen, die nicht auf die Website schauen. „Wir haben in Graz auf 13 Bauernmärkten für die Aufstellung eines Stoffsackerlständers gesorgt, an dem gebrauchte Stoffsackerl abgegeben und genommen werden können. Mit einem Verleih einer bunt zusammengewürfelten Second-Hand-Festausstattung und eines Equipments für Kleidertauschmärkte tragen wir auch zur Ressourcenschonung bei.“ Mit regelmäßigen gemütlichen Vintage-Nachmittagen im Innenhof des Nachhaltigkeitsladens können auch viele junge Menschen erreicht werden, die so mit diesen wichtigen Themen in Berührung kommen.

Anlaufstelle für alle nachhaltigen Themen

Nachhaltig in Graz ist mittlerweile auch zu einer Anlaufstelle für alle nachhaltigen Themen geworden. „Wir werden sowohl von Privatpersonen, Unternehmen oder auch Initiativen kontaktiert und um Hilfe oder Vernetzung gebeten. Wege abzukürzen ist auch sehr wichtig derzeit, da uns nicht mehr viel Zeit bleibt, daher geben wir gerne unser Wissen weiter.“

Nachhaltigkeits-Guide geplant

Derzeit arbeitet der Verein an vielen verschiedenen Projekten. Einerseits nimmt die Erweiterung der normalen Website Nachhaltig in Graz laufend viel Zeit in Anspruch. Andererseits ist zum Beispiel ein Nachhaltigkeits-Guide in mehreren Sprachen für Newcomer in Graz geplant. „Und wir wollen außerdem endlich schrittweise auf die gesamte Steiermark erweitern. Unser neuestes, sehr wichtiges Baby ist die Kinderredaktion, wo Kinder eigene Beiträge zum Thema passend veröffentlichen und dadurch aktiv und sichtbar werden können. Unser Ziel ist es, möglichst viele Menschen emotional so zu erreichen, dass sie selbst aktiv werden und andere von der Dringlichkeit eines Wandels und unseres Tuns überzeugen. Wir überlegen laufend, wie wir das am besten tun können und lassen uns auch selbst von rundherum inspirieren“, so Altendorfer.

Zukunftsfähiges Leben und Wirtschaften

Doch warum ist es gerade heutzutage so wichtig, auf das Thema Nachhaltigkeit zu setzen? „Die Menschheit steuert mit Klimawandel, Ressourcenverschwendung und dem Verlust der Artenvielfalt auf eine Katastrophe zu. Nachhaltigkeit bedeutet zukunftsfähiges Leben und Wirtschaften. Neben Frieden gibt es derzeit nichts Wichtigeres.“ Wichtig sei es auch zu erkennen, dass nachhaltiges Leben kein Qualitätsverzicht ist, sondern ein Gewinn. „Man befreit sich und gewinnt Gesundheit, Zeit, Zufriedenheit und spart auch noch Geld. Indem wir zufriedener sind, brauchen wir weniger Konsum – weder von sinnlosen Gütern noch von extremen Erlebnissen, die doch nur zum Raubbau unseres Planeten führen“, führt die Obfrau aus.

Noch sehr viel zu tun

Auf dem Gebiet der Nachhaltigkeit gibt es in den nächsten Jahren noch sehr viel zu tun, wie auch Altendorfer weiß. Um ein gemeinsames Ziel zu erreichen, sind mehrere Schritte notwendig. „Erstens, dass eine kritische Masse von Aktiven erreicht wird, sodass eine soziale Norm entsteht. Zweitens, dass es klar ist, dass unsere Lebensgrundlage in Gefahr ist und drittens, dass nicht nur kleine nachhaltige Unternehmen, sondern die Wirtschaft per se von der Politik fordert, Maßnahmen zu ergreifen, weil sie erkennen, dass ewiges Wachstum und kurzfristiger Profit künftig Schaden birgt.“ Dafür sind aber in nachhaltigem Wirtschaften und der Energie- und Mobilitätswende auch ganz viele neue Arbeitsplätze und Chancen zu finden. „Dann könnten wir eine Chance haben. Derzeit wird da noch viel zu sehr gebremst. Persönlich bräuchten wir dringend auch finanzielle Unterstützung – warum soll diese wichtige Arbeit denn unbezahlt sein?“, so Beatrix Altendorfer.

Hinter dem Verein steht neben der Obfrau auch ein Team von mittlerweile drei Angestellten und zahlreichen ehrenamt­lichen Mitarbeitern. Die Idee zu dem Verein entstand bereits im Jahr 2015/16. © Privat
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