Das Thema Nachhaltigkeit nimmt an der FH Joanneum einen bedeutenden Stellenwert ein und ist auch im Leitbild der Hochschule verankert. © Marion Luttenberger
Bildung
04.07.2022

Nachhaltigkeit im Hochschulbetrieb

Wie fit sind die Unis und FH’s in Kärnten und der Steiermark in Sachen Nachhaltigkeit und welchen Stellenwert nimmt dieses Thema an den Hochschulen ein? advantage hat nachgefragt.

Das Thema Nachhaltigkeit ist an der FH Joanneum von großer Bedeutung und ist auch im Leitbild der Hochschule verankert und als Nachhaltigkeitsbericht auch Teil des Geschäftsberichts. „Wir sind auch Mitglied im Bündnis Nachhaltiger Hochschulen“, erklärt Martin Payer kaufmännischer Geschäftsführer der FH Joanneum. „In Zeiten der Klimakrise, die sich auch bei uns im Alpenraum deutlich bemerkbar macht, ist es ein enorm wichtiges Thema für uns alle. Daher wollen wir sowohl Mitarbeitende als auch Studierende für eine nachhaltige Lebensweise sensibilisieren“, führt Karl Peter Pfeiffer, wissenschaftlicher Geschäftsführer der FH Joanneum weiter aus.

Fit für den grünen Wandel

Erste Initiativen zum Thema wurden an der FH bereits vor einiger Zeit gesetzt: Die FH Joanneum ist seit Herbst 2021 Mitglied im Bündnis Nachhaltiger Hochschulen und im Unternehmen gibt es eine „Vernetzungsgruppe Nachhaltigkeit“. „Wir wollen uns auch international damit beschäftigen wie etwa im Rahmen des EU-Projekts FAIRCHAIN über nachhaltige Lieferketten“, so Payer. Das Thema Nachhaltigkeit zieht sich durch alle Studienrichtungen und Studiengänge. Am Institut „Fahrzeugtechnik / Automotive Engineering“ wird an E-Mobilität geforscht. Für Schlagzeilen sorgte zuletzt das Formula-Student-Team des Instituts, das mit einem selbst konstruierten Elektro-Rennauto bei Wettbewerben antritt. Am Institut Energie-, Verkehrs- und Umweltmanagement wurde für Forschung und Lehre ein Energieforschungslabor mit Fokus auf erneuerbare Energie und nachhaltige Stromerzeugung eröffnet. „Und mit der nachhaltigen und effizienten Erzeugung tierischen Proteins am Beispiel Insekten beschäftigt sich das Institut Angewandte Produktionswissenschaften“, verrät Pfeiffer. Auch für die Zukunft ist noch einiges geplant. Gemeinsam mit Partnern will die FH Joanneum in der neuen Green Tech Academy Austria (GRETA) Unternehmen und deren Mitarbeitende fit für den grünen Wandel machen. Zu den Ausbildungsangeboten vonseiten der FH zählt unter anderem das Studium „Energy and Transport Management“ mit den Studienrichtungen „Energy Technologies“ und „Mobility Technologies“.

Martin Payer kaufmännischer Geschäftsführer und Karl Peter Pfeiffer, wissenschaftlicher Geschäftsführer der FH Joanneum. ©FH JOANNEUM_Marija Kanizaj

Grundsatz der Nachhaltigkeit gerecht werden

Auch an der Montanuniversität (MUL) fanden Nachhaltigkeitsaspekte in Forschung und Bildung historisch in mehreren Schritten Eingang. Bereits in der Frühphase, den ersten Jahren nach 1840 war Nachhaltigkeit im Bergbau- und Hüttenbereich ein wichtiges Thema. 1998 wurde ein Universitätslehrgang für Umwelt- bzw. Nachhaltigkeitsmanagement angeboten, um die Aspekte der nachhaltigen Entwicklung in die Unternehmensführung zu integrieren und das strategische und operative Energie- und Ressourcenmanagement in der anlagenintensiven Industrie zu etablieren. 2002 fand das Thema, wenn auch zunächst nicht scharf definiert, zentrale Erwähnung im ersten Entwicklungsplan der Universität, wo es heißt, dass die Schwerpunkte der Universität – der Zeit angepasst – kontinuierlich entwickelt wurden und dass sie es mit ihren Kernkompetenzen entlang der Wertschöpfungskette „als ihre zentrale Aufgabe für die Zukunft sieht, Nachhaltigkeit in dieser zu etablieren und die Entwicklung modernster Herstellungs- und Fertigungsverfahren voranzutreiben, die diesem Grundsatz der Nachhaltigkeit optimal gerecht werden.“

Klares Bekenntnis zum Handlungswillen

„Die Universität und ihre Menschen unterliegen dem ständigen Wandel und so hat sich das Thema über die Jahre sehr klar herauskristallisiert. Es rückten Themen wie Sekundärressourcen in den Fokus und Konzepte wie Rohstoffe aus sekundären Quellen, Optimierung von Recyclingtechnologien, Life-Cycle Betrachtungen sowie Energie und Materialeffizienz, Zero-Waste-Konzepte und Carbon Capture Utilization and Storage wurden immer zentralere Themengebiete“, erklärt Susanne Feiel. Der neueste Entwicklungsplan aus dem Jahre 2020 ist nicht nur auf drei Hauptaktionsfelder, Advanced Resources, Sustainable Processing und Smart Materials ausgerichtet, sondern auch auf fünf Kernwerte, die die „DNA“ aller Angebote bilden und das gesamte Handeln der Montanuniversität bestimmen: Energy Efficiency, Climate Neutrality, Sustainability, Zero Waste und Circular Design. „Dies ist eine deutliche Neupositionierung in Richtung Nachhaltigkeit und ein klares Bekenntnis zum Handlungswillen. Die Wissenschaftler der MUL entwickeln technische und wissenschaftliche Methoden, um die globalen Probleme von heute nicht nur im Labor, sondern auch in der Praxis zu lösen. Im Unterricht werden den Studierenden innovative Werkzeuge zur Bewältigung drängender Umweltfragen an die Hand gegeben und sie werden auf ihre zukünftige Schlüsselrolle bei der Verbesserung unseres Planeten vorbereitet“, so Feiel. Durch den Ansatz „Solutions for Sustainability and Responsible Systems“ arbeiten die Studierenden und Forscher der MUL jeden Tag aktiv an der Verbesserung der Zukunft und leisten ihren Beitrag zu einer besseren Welt für künftige Generationen.

Studierenden und Forscher der Montanuniversität Leoben arbeiten jeden Tag aktiv an der Verbesserung der Zukunft und leisten ihren Beitrag zu einer besseren Welt für künftige Generationen. © Montanuniversität Leoben

Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen

Auch die FH Kärnten hat die Themen Umwelt und Nachhaltigkeit bereits seit Anbeginn stets als eine wichtige Hochschulaufgabe in der Lehre als auch in der Forschung gesehen. So wurde unter anderem aus dieser Überlegung heraus bereits vor rund zehn Jahren das Studienangebot mit dem Studiengang „Geoinformation und Umwelt” ergänzt und auch im Forschungsbereich der FH Kärnten wurden Umwelt- und Nachhaltigkeitsthemen aktiv adressiert. „Im Rahmen des Hochschulentwicklungsplans 2015/22 wurde dann eine Arbeitsgruppe zum Thema Hochschule der Zukunft eingerichtet. Dabei wurde rasch klar, dass das Thema Nachhaltigkeit ein Kernaspekt jeder zukunftsfähigen Hochschule sein sollte. Um die Wichtigkeit der Thematik weiter zu verstärken, haben wir im Frühjahr 2020 die Arbeitsgruppe Nachhaltigkeit etabliert“, erklärt die Nachhaltigkeitsbeauftragte der FH Kärnten Eva Stefaner. Weiters hat sich die FH Kärnten unter anderem auch um einen UNESCO Chair zum Thema „Management of Conservation Areas“ beworben, der 2020 auch an der Hochschule etabliert werden konnte.

Biodiversität und Naturschutz

Auch projektmäßig wird an der FH ­Kärnten sehr viel zum Thema Nachhaltigkeit umgesetzt. So wurde beispielsweise
in diesem Semester einen Studierendenwettbewerb ausgeschrieben, in dessen ­Rahmen nachhaltige Projektideen von Studierenden eingereicht werden können, die an der Hochschule zum Tragen kommen können (z.B. Büchertausch, Flohmarkt, etc). Eine eigene Arbeitsgruppe widmet sich der Integration der 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung in die Lehre an der FH Kärnten. Zum Sustainability Day wurde am 22. April innerhalb des Bündnisses der nachhaltigen Fachhochschulen ein vielfältiges Programm mit Vorträgen zu Umwelt- und Klimaschutz online präsentiert. Michael Jungmeier, UNESCO Lehrstuhlinhaber „Management of Conservation Areas“ an der FH Kärnten, und Klaus Steinbauer, wissenschaftlicher Mitarbeiter am UNESCO Lehrstuhl, lieferten eine Einführung in das Thema Biodiversität und setzen sich mit Schutzgebieten und Naturschutz zur Bewältigung der Biodiversitätskrise auseinander. „Als Aktivität vor Ort wurden gemeinsam mit der ÖH FH Kärnten Insektenhotels auf dem Campus Villach der FH Kärnten aufgestellt. In der Größe eines Apfels haben zirka 20 Insektenhotels einen geschützten Platz gefunden und bieten nun Insekten ein Zuhause. Vorbereitet wurden diese Behausungen von Tadeja Mischkulnig, einer Absolventin des Zertifikatslehrgangs Naturschutzfachkraft an der FH Kärnten“, erklärt Stefaner.
 
Kooperationsvereinbarung

Als erste Fachhochschule in Österreich hat die FH Kärnten für 2022 eine Kooperationsvereinbarung mit dem renommierten Climate Change Centre Austria (CCCA) abschließen können. Das CCCA ist Netzwerkagent und Sprachrohr der österreichischen Klima- & Klimafolgenforschung sowie Ansprechpartner in Klimawandel­fragen. Gegründet 2011, ist das CCCA Anlaufstelle für Forschung, Politik, Medien und Öffentlichkeit in allen Fragen der Klima­forschung in Österreich. „Diese neue Partnerschaft ist für alle Forschenden und Lehrenden der Fachhochschule ­Kärnten offen, die sich mit dem Thema Klima­wandel befassen“, so die Nachhaltigkeitsbeauftragte.

 

Als erste Fachhochschule in Österreich hat die FH Kärnten für 2022 eine Kooperationsvereinbarung mit dem renommierten Climate Change Centre Austria (CCCA) abschließen können. © FH Kärnten

Große Herausforderungen

Auch an der Universität in Klagenfurt spielt das Thema Nachhaltigkeit eine große Rolle. „Wir als Gesellschaft ­stehen aktuell zahlreichen großen Herausforderungen gegenüber. Dazu zählen unter anderem auch die Klimakrise, Biodiversitätsverlust und die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen unseres Planeten. Daher ist die Vermittlung von Nachhaltigkeits- und Umweltschutzthemen für die Studierenden relevanter denn je“, erklärt Caroline Weberhofer, Mitglied im EMAS-Kernteam der Universität Klagenfurt. Mit der Einführung des Umweltmanagementsystems EMAS setzt die Universität Klagenfurt seit 2014 Initiativen, um ihre Umweltleistungen kontinuierlich zu verbessern.„Die Verpflichtungen in Sachen Umweltschutz und Nachhaltigkeit sind wichtige Grundwerte für die Universität und ihre Angehörigen. Im Grundverständnis eines aktiven Umweltschutzes sollen Gefahren und Belastungen für Mensch und Umwelt vermieden und Ressourcen effizient eingesetzt werden. Auch externe Firmen und Lieferanten werden über die Umweltpolitik in Kenntnis gesetzt“, erklärt Weberhofer.

„Umweltansprechpersonen“ an den Instituten

Mindestens einmal im Jahr werden Audits durchgeführt, die der Überprüfung der gesetzten Ziele dienen und um Verbesserungspotenziale zu erkennen. Seit Feber 2016 bilden sogenannte „Umweltansprechpersonen“ an den Instituten und in den Organisationseinheiten die Schnittstelle zwischen dem EMAS-Team und den Mitarbeitern/Studierenden. In den letzten Jahren konnte so schon vieles umgesetzt werden. Beispielsweise wurde die Mülltrennung ausgebaut, es gibt eine permanente Büroartikel-Tauschbörse und der doppelseitige Papierdruck wurde eingeführt. Die Anschaffung der Vorteilscard wird für Mitarbeiter gefördert, wenn sie diese auch für Dienstreisen nutzen und die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln kann in die Dienstzeit eingerechnet werden, wenn diese für mobiles Arbeiten genutzt wird. Dafür erhielt die Universität auch den VCÖ-Mobilitätspreis im Jahr 2020.

„Allianz nachhaltiger Universitäten Österreichs“

„Auf dem Dach des USI-Gebäudes wurde eine Photovoltaik-Anlage installiert, die Nutzungsdauer von technischen Geräten wurde verlängert und es gibt die Möglichkeit, umweltfreundliche Büroartikel einzukaufen. Ebenso gibt es bei den Merchandising-Artikeln der Universität umweltfreundliche Produkte“, so Weberhofer. Die Universität Klagenfurt ist auch Mitglied der „Allianz nachhaltiger Universitäten Österreichs“ und hat einen eigenen Forschungscluster zu Nachhaltigkeit. Aktuell ist sie unter anderem auch aktiv am Forschungsprojekt „UniNEtZ“ beteiligt, in dem 15 österreichische Universitäten Handlungsoptionen für Österreich entwickelt haben, was zur Erreichung der „Sustainable Development Goals“, - den Nachhaltigkeitszielen der UN, von Österreich beigetragen werden kann.

Die Universität Klagenfurt ist auch Mitglied der „Allianz nachhaltiger Universitäten Österreichs“ und hat einen eigenen Forschungscluster zu Nachhaltigkeit. © Alpen-Adria-Universität Klagenfurt
Schlagwörter
Diese Website verwendet Cookies
Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren.