© Tobias Weinhold/Unsplash
Umwelt
10.09.2025

Nachhaltigkeit kennt keine Grenzen

Vom Labor bis zur Bank: Jede Branche kann ihren Teil zur grünen Trans­for­mation beitragen – wie diese Best-Practice-Beispiele aus Süd­öster­reich ein­drucks­voll beweisen.

Jeder Schritt in Richtung Nachhaltigkeit ist Teil eines größeren Ganzen: ein Netz aus Innovation, Verantwortung und Mut, das weit über Grenzen hinausreicht. advantage stellt fünf Unternehmen verschiedenster Branchen vor, die nachhaltige Ideen und Technologien innovativ in die Praxis umgesetzt haben – und damit nicht nur der Umwelt etwas Gutes tun, sondern auch anderen als Inspiration und Motivation dienen.

Wo Nachhaltig­keit Tradition hat

Nachhaltigkeit ist bei Kärntnermilch seit jeher Teil der Unternehmensphilosophie. Seit bald 100 Jahren setzt die bäuerliche Genossenschaft mit Sitz in Spittal an der Drau intensiv auf Regionalität, Qualität sowie Biodiversität. Bereits vor vier Jahren wurde das gesamte Sortiment an flüssigen Milchprodukten auf 93 % pflanzenbasiertes Verpackungsmaterial umgestellt. Zusätzlich zu den bestehenden PV-Anlagen auf den Molkereigebäuden in Spittal entsteht mit dem von der Kelag errichteten Biomasse-Heizwerk nun ein Vorzeigeprojekt, das Synergien für die gesamte Region mit sich bringt. Das nachhaltige Engagement von Kärntnermilch wurde im Vorjahr mit dem Trigos-Award belohnt – dem österreichischen Preis für Nachhaltigkeit und Corporate Social Responsibility.

Heimische Wertschöpfung, Qualität und Nachhaltigkeit prägen die Unternehmenskultur von Kärntnermilch. © Kärntnermilch

Artenvielfalt aufblühen lassen

Nachhaltigkeit ist in der Unternehmensstrategie der BKS Bank fest verankert. Die ESG-Strategie der Bank basiert auf drei zentralen Säulen: Umwelt (Environment), Soziales (Social) und Unternehmensführung (Governance). Dabei bietet die BKS auch ihren Kund:innen die Möglichkeit, einen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten – etwa mit dem „Natur & Zukunft“-Konto. Ausgezeichnet mit dem Österreichischen Umweltzeichen für nachhaltige Finanzprodukte, hat das Kontomodell in den letzten Jahren die Aufforstung heimischer Wälder unterstützt. Nun widmet es sich auch dem Erhalt der Biodiversität: Der Naturschutzbund Kärnten hat eine natürliche Blumenwiese in Galizien angekauft, die langfristig geschützt werden soll. Finanziert wurde der Ankauf der rund 0,46 Hektar durch die BKS. In Form von Volunteeringtagen, in denen die Trockenwiese gemäht oder geschwendet wird, trägt auch das Team der Bank zum Erhalt der Artenvielfalt bei.

Das „Natur & Zukunft“-Konto der BKS trägt zum Schutz natürlicher Blumenwiesen bei. © BKS Bank/Theresa Kaindl

„Green Lab“ auf allen Ebenen

Der Gesundheitssektor ist für rund 7 % der CO2-­Emissionen in Österreich verantwortlich. Im Rahmen des Projekts „The Green Lab“ setzt Christian Berghold vom gleichnamigen Labor in Graz ein Zeichen für mehr Nachhaltigkeit im Laborbereich. Gemeinsam mit Nachhaltigkeitsexpert:innen von Strateco nahmen die Mitarbeiter:innen Brennpunkte wie Stromverbrauch, Abfall­ und Verpackungssysteme unter die Lupe – mit dem Ziel, umweltschonende Alternativen zu finden. Mittlerweile setzt das Labor auf nachhaltige, regionale Stromversorgung mit Fokus auf eine erneuerbare Energiegemeinschaft sowie Stromspeicherlösungen. Auch die Mobilität des Teams zu optimieren, ist Teil des Projekts. Zudem wurden den Mitarbeiter:innen Möglichkeiten aufgezeigt, ihren persönlichen CO2-­Footprint zu verringern.

Im Labor Berghold macht sich das gesamte Team für ein sauberes Klima stark. © Fotostudio Mario Gimpel

Innovative Recycling­lösungen für Kunst­stoffe

Seit mehr als 30 Jahren entwickelt Steinbeis Polyvert zeitgemäße Recyclinglösungen und zählt zu den führenden Kunststoffrecycling-Unternehmen Europas mit Standorten in Deutschland und Österreich. Für André Aßmann, Geschäftsführer am Standort Völkermarkt, bedeutet „Recycling heute nicht mehr bloß stoffliche Verwertung, sondern intelligente Rohstoffrückgewinnung.“ In der Kärntner Niederlassung wurden kürzlich 36 Mio. Euro in eine neue Polyoefin-Rezyklat-Anlage investiert. Die neue Produktionslinie ist eine der modernsten Kunststoffrecyclinganlagen Österreichs. Die Anlage verarbeitet stündlich bis zu fünf Tonnen Kunststoffabfälle und nutzt modernste Sortiertechnologien, bei der KI selbst schwer identifizierbare Materialien erkennt und separiert. So entstehen jährlich mehr als 50.000 Tonnen Rezyklat in höchster Qualität.

Technologischer Meilenstein: die neue Produktionsanlage bei Steinbeis Polyvert. © Steinbeis Polyvert

Effizienz durch „Brains for Buildings“

Unter dem Motto „Brains for Buildings“ entwickelt EAM Systems in Graz seit 1976 effizient arbeitende Gebäudetechnik. Hard­ und Software zielen darauf ab, Wärme, Kälte, alternative Energien und den Energieeinsatz intelligent zu regeln, die technische Betriebsführung nachhaltig zu verbessern und den Lebenszyklus von Gebäuden zu verlängern. Begleitet von der Wirtschaftsinitiative Nachhaltige Steiermark (WIN) erarbeitete EAM einen Maßnahmenplan, von dem bereits zahlreiche Punkte umgesetzt wurden – u. a. ein Energiemanagementsystem, eine Dachbegrünung und PV­Anlage auf dem 2022 errichteten Bürogebäudeteil, Wärmegewinnung durch Luft/Wasser­ und Luft/Luft­Wärmepumpen und Recycling­Materialien in den Büros. Zudem setzt Geschäftsführer Jürgen Wolf auf die freiwilligen Nachhaltigkeitsberichte nach CSRD, um Stakeholdern den Effekt des Leistungsspektrums auf Umwelt und Gesellschaft zur Verfügung zu stellen.

Bei EAM Systems in Graz entsteht Gebäudetechnik, die mitdenkt. © EAM Systems

Konstantes CO2-Moni­toring

Ob Lebensmittelauswahl, Energieversorgung, Reinigung oder Abfallwirtschaft: Seit Generationen setzt das familiengeführte Hotel Gollner in Graz auf umweltfreundliche Lösungen, die den ökologischen Fußabdruck minimieren. Im Rahmen der Zertifizierung für das Österreichische Umweltzeichen wurde ein Controlling-System entwickelt, mit dem das Hotel relevante Daten zu Abfall, Energieverbrauch und Mobilität kontinuierlich erfassen und auswerten kann. So entsteht eine interne CO2-Bilanz, durch die der CO2­-Ausstoß und die Wirkung von Maßnahmen gezielt beobachtet wird. Durch die Umstellung auf Fernwärme werden jährlich rund 550 Tonnen CO2 eingespart. Ein Highlight des Hotels ist auch der Rosengarten, der mit seinem alten Pflanzenbestand einen Beitrag zum Erhalt des Stadtklimas leistet und den Grünraumanteil erhöht.

Das familiengeführte Hotel Gollner setzt auf klimafreundliche Perspektiven. © Hotel Gollner Graz
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