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Wirtschaft
03.07.2025

NEUE ARBEIT: 30 Jahre gelebte soziale Teilhabe

Seit drei Jahrzehnten bringt der sozial­ökonomische Betrieb NEUE ARBEIT Menschen wieder in Beschäftigung und macht Mut zur beruf­lichen Neu­orientierung.

Was 1995 als kleines Bügelservice in St. Veit an der Glan begann, ist heute eine der tragenden Säulen der Arbeitsintegration in Kärnten. Der Verein NEUE ARBEIT bietet Menschen in herausfordernden Lebenssituationen konkrete Perspektiven – durch zeitlich befristete Beschäftigungen, persönliche Betreuung und gezielte Qualifizierungsmaßnahmen.

Im Rahmen des Festakts zum 30-jährigen Bestehen, dem eine Pressekonferenz vorausging, würdigten Vertreter:innen aus Politik, Gemeinden und Partnerorganisationen die Entwicklung des Projekts: von einem lokalen Pilotmodell zur anerkannten Drehscheibe für soziale Teilhabe.

"NEUE ARBEIT hat mir Stabilität gegeben."

Ermina Cosic, NEUE ARBEIT Abteilungsleiterin

Gemein­same Verant­wortung für Teilhabe

Arbeitsmarktreferentin LHStv.in Gaby Schaunig hob in ihrer Festrede die gesellschaftspolitische Dimension der Initiative hervor: „Arbeit ist weit mehr als ein Einkommen – sie bedeutet Zugehörigkeit, Teilhabe und Zukunft. Für viele Menschen ist der Zugang zum ersten Arbeitsmarkt jedoch aus unterschiedlichsten Gründen erschwert. Unsere Aufgabe als Gesellschaft ist es, diesen Menschen Brücken zu bauen – nicht nur aus sozialer Verantwortung, sondern weil es allen nützt: den Einzelnen, die wieder Perspektiven entwickeln können, und uns allen, weil Integration und Armutsbekämpfung nur mit echter Teilhabe gelingen. Einrichtungen wie NEUE ARBEIT zeigen, wie das erfolgreich möglich ist.“

Vom Bügel­service zum regionalen Beschäfti­gungsmotor

Mittlerweile ist NEUE ARBEIT an drei Standorten tätig – in St. Veit, Klagenfurt und Feldkirchen. Jährlich werden rund 100 Personen für eine befristete Dauer in Beschäftigung gebracht: in Bereichen wie Wäsche- und Bügeldienst, Änderungsschneiderei, Reinigung sowie Garten- und Instandhaltungsservice. Sozialpädagogische Betreuung begleitet alle Maßnahmen mit dem Ziel, eine nachhaltige Reintegration in den regulären Arbeitsmarkt zu ermöglichen.

"Nur gemeinsam mit AMS, Land, Gemeinden, Wirtschaftspartnern und Privathaushalten können wir als Soziales Unternehmen der Arbeitsintegration so viel bewegen."

Silvia Radaelli, Vereinsobfrau NEUE ARBEIT

„Ein unverzichtbarer Partner – sozial wie wirtschaftlich“

Für die Kommunen ist NEUE ARBEIT längst weit mehr als ein Beschäftigungsprojekt. St. Veits Bürgermeister Martin Kulmer betonte die Vielschichtigkeit des Nutzens: „NEUE ARBEIT ist für unsere Gemeinde ein unverzichtbarer Partner – sozial wie wirtschaftlich. Als Hausherr in St. Veit freut es mich besonders, dass dieses Projekt in unserer Stadt vor 30 Jahren ins Leben gerufen wurde. Heute profitieren wir mehrfach: 70 Wohnblöcke und zahlreiche Grünflächen werden professionell betreut. Gleichzeitig erhalten Menschen die Chance, wieder in den Arbeitsmarkt einzusteigen. Dadurch fördert NEUE ARBEIT langfristig die Lebensqualität in unserer Gemeinde.“

Auch Feldkirchens Bürgermeister Martin Treffner unterstrich die nachhaltige Wirkung: „Seit der Eröffnung des Standorts in Feldkirchen verbindet uns eine langjährige und erfolgreiche Zusammenarbeit. Besonders im Bereich Gartenservice und Instandhaltung hat sich die Kooperation als äußerst wertvoll erwiesen. Zahlreiche Arbeitskräfte, die über die NEUE ARBEIT erstmals mit der Stadtgemeinde in Kontakt kamen, sind seither verlässliche Stützen geworden. Dieses Modell ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie Integration in den ersten Arbeitsmarkt gelingen kann – zum Nutzen der gesamten Gemeinde.“

"Im Mittelpunkt steht dabei immer der Mensch in seinen verschiedenen, mitunter schwierigen Lebenslagen."

Peter Wedenig, AMS-Landesgeschäftsführer

Der Mensch im Mittelpunkt

AMS-Landesgeschäftsführer Peter Wedenig verwies auf die arbeitsmarktpolitische Relevanz des Modells: „Das 30-jährige Jubiläum bestätigt die exzellente und innovative Art, mit der NEUE ARBEIT – über all die Jahre hinweg – arbeitsmarktpolitische Herausforderungen meistert. Im Mittelpunkt steht dabei immer der Mensch in seinen verschiedenen, mitunter schwierigen Lebenslagen. Die Kombination aus sozialpädagogischer Betreuung und realem Arbeitseinsatz sind der Schlüssel zum Erfolg.“

Starke Netzwerke als Erfolgsgrundlage

Als Vereinsobfrau und Vizebürgermeisterin stellte Silvia Radaelli die tragende Rolle funktionierender Kooperationen in den Vordergrund: „Ich bin dankbar für die langjährige, starke Zusammenarbeit mit der öffentlichen Hand und der Privatwirtschaft. Nur gemeinsam mit AMS, Land, Gemeinden, Wirtschaftspartnern und Privathaushalten können wir als Soziales Unternehmen der Arbeitsintegration so viel bewegen. Mit den Einnahmen werden die Schlüsselkräfte, die laufende Beratung und Betreuung sowie anfallende Investitionen finanziert, während die öffentliche Hand 100 befristete Jobs ermöglicht. Ein herzliches Dankeschön an alle, die uns unterstützen, Sie schenken Menschen neue berufliche Chancen!“

Mehr als 6.000 Menschen wieder in Beschäftigung

Geschäftsführer Bernhard Samitz blickte auf die Erfolge der vergangenen Jahrzehnte: „Wir sind stolz darauf, dass wir trotz vieler Herausforderungen und sich laufend verändernden Rahmenbedingungen ein stabiles sozialökonomisches Unternehmen sind. Wir beraten, qualifizieren und beschäftigen Menschen und führen sie auf diese Weise Schritt für Schritt an den Arbeitsmarkt heran. Jemand der arbeitslos ist, verliert nach gut sechs Monaten kontinuierlich berufliche Kompetenzen und kann sich keine finanziellen Sprünge leisten. Bis Ende 2024 konnten wir insgesamt 6.814 Personen beschäftigen. Davon sind viele Personen älter als 50 Jahre alt, einige stehen kurz vor der Pension und haben keine Chance mehr auf eine Anstellung am ersten Arbeitsmarkt. Und jede Beschäftigung stärkt die regionale Kaufkraft und kurbelt regionale Wertschöpfung an. Umso wichtiger ist es für uns, Perspektiven zu schaffen, damit Menschen, die Arbeit suchen, in ein reguläres Arbeitsverhältnis aufgenommen werden können.“

Persön­liches Beispiel für nach­haltige Veränderung

Wie nachhaltig NEUE ARBEIT Leben verändern kann, zeigt das Beispiel von Ermina Cosic: „Ich wollte unbedingt arbeiten und das in einem Job, in dem man Familie und Arbeit unter einen Hut bekommt. Die Möglichkeit, bei NEUE ARBEIT als Transitmitarbeiterin einzusteigen, war für mich ein Glücksfall. Denn als nach kurzer Zeit die Arbeit im Wäsche-Bügeldienst immer mehr wurde, bin ich eingesprungen. Ich arbeite sehr gerne mit Menschen und heute bin ich Abteilungsleiterin für den Wäsche-Bügeldienst in Klagenfurt. NEUE ARBEIT hat mir Stabilität gegeben.“

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