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Gesundheit
08.10.2025

Neue Wege der beruflichen Inklusion für Blinde und Seh­behinderte

Im Rahmen der „Woche des Sehens“ öffnete der Blinden- und Sehbehindertenverband Kärnten (BSVK) seine Türen. Im Fokus: Barrieren abbauen und Bewusstsein schaffen.

Der Blinden- und Sehbehindertenverband Kärnten (BSVK) lud am 8. Oktober unter dem Motto „Neue Wege der beruflichen Inklusion für Blinde und Sehbehinderte“ zu einem Tag der offenen Tür in das August-Wurzer-Haus.

Der Mensch ist MEHR als seine Augen

Eine sinnstiftende Arbeit ist das Fundament für ein selbstbestimmtes Leben. Die UN-Menschenrechtskonvention definiert in Artikel 23 und 24 „Arbeit“ als ein grundlegendes Menschenrecht. Aktuell geht nur jede vierte Person mit Sehbehinderung bzw. Blindheit in Österreich einer Erwerbstätigkeit nach. In Kärnten sind das lediglich 500 von insgesamt rund 2.000 Betroffenen. „Wir wollen in gemeinsamer Anstrengung mit Wirtschaft, Vertreter:innen des Arbeitsmarktes und den Betroffenen neue Möglichkeiten des beruflichen Engagements schaffen. Aktive und engagierte Sehbehinderte und Blinde sind ein Gewinn: Ein persönlicher Gewinn an Selbstwert und Selbstbestimmung und ein gesellschaftlicher Gewinn an Inklusion und finanziellen Beiträgen“, bekräftigte BSVK-Präsident Heinz E. Pfeifer.

Best Practice Beispiele als Motivation

Auf dem Weg in die Arbeitswelt erfahren Blinde und Sehbehinderte oft Bevormundung und Vorurteile. „Nach Abschluss meines Germanistik- Studiums in Wien habe ich bei der Arbeitssuche selbst eine Diskriminierung erfahren. Schließlich wurde mir eine Stelle als Bürokauffrau beim BSVK angeboten, wo ich für das, was ich leiste, geschätzt werde, unabhängig von meiner Sehbeeinträchtigung. Nebenbei verfolge ich meinen Traum, als Künstlerin und Autorin tätig zu sein“, erzählt Julia Haluschan.

Der erste Arbeitsmarkt blieb auch für Sandro Grutschnig wegen einer Sehbeeinträchtigung verschlossen. Das hat den Koch motiviert, sich selbstständig zu machen: "Mit meiner Firma delikatESSEN biete ich individuelle Caterings im Raum Oberkärnten an. Sowohl Sehbeeinträchtigte als auch Wirtschaftstreibende sollten verinnerlichen, sich selbst bzw. einen potenziellen Mitarbeitenden nicht auf ein offensichtliches Defizit zu reduzieren.

"Mit Veranstaltungen wie dem Tag der offenen Tür wollen wir Begegnung ermöglichen und gemeinsam neue Perspektiven entwickeln. Denn: Der Mensch ist mehr als seine Augen."

Heinz E. Pfeifer, Präsident BSVK

Vielfalt am Arbeitsmarkt als Chance

Rund 1.500 Kärntner:innen sind aufgrund eingeschränkter Sehfähigkeit frühpensioniert oder haben den Weg in einen Beruf „nicht gefunden“. Beim Tag der offenen Tür wurden Lösungsansätze diskutiert, um dieses ungenutzte Potential zu heben. „Inklusive Strukturen erschließen Fachkräftepotenziale, bauen Doppelstrukturen ab und schaffen gerade in digitalen Prozessen enorme Synergien. Wir nehmen Unternehmen die Planung  ab – damit der Fokus auf den Kompetenzen der Menschen liegt und nicht auf ihrer Behinderung,“ erklärte Stefan Wilke (QuikStep) in seinem Vortrag über Barrierefreiheit in der Arbeitswelt.

Christian Zehetgruber (VIDEBIS) präsentierte innovative technische Hilfsmittel, die Blinden und Sehbehinderten den Berufsalltag erleichtern. „Durch die Digitalisierung haben sich viele neue Möglichkeiten eröffnet. Eines der zentralen Hilfsmittel für einen modernen Arbeitsplatz ist ein gut konfigurierter Screenreader mit individuellen Anpassungen, um eine rasche und effiziente Bedienung zu erreichen. In den letzten Jahren ist Künstliche Intelligenz immer präsenter geworden und hat sich zu einem integralen Bestandteil für unsere Zielgruppe entwickelt.“

Prävention als Schlüssel

Der Tag der offenen Tür bot auch die Möglichkeit, das vielfältige Angebot der Sehberatung Kärnten kostenlos zu testen. Interessierte erhielten außerdem wichtige Tipps rund um das Thema Augengesundheit, denn Vorsorge ist besser als Nachsorge! Der BSVK stellte auch den neuen Jahreskalender 2026 „Durch meine Augen“ sowie das praxisorientierte Büchlein „Gönn dir eine Augenpause - Augenfitness Schritt für Schritt“ vor. Anschließend wurden die zahlreichen Gäste von Koch Sandro Grutschnig kulinarisch verwöhnt.

Wissenswert

Nächstes Jahr feiert der Blinden- und Sehbehindertenverband Kärnten (BSVK) großes Jubiläum: 80 Jahre Engagement für die Betroffenen in Kärnten!

Weitere Informationen: www.bsvk.at

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