© Caritas
Wirtschaft
07.07.2025

„Offline Kärnten“ bietet neue Perspek­tiven am Arbeits­markt

Mit Projekten wie „Offline Kärnten“ und „wert.werk“ unterstützt die Caritas Suchterkrankte und Menschen in schwierigen Lebenssituationen beim schrittweisen Arbeitseinstieg.

Seit vier Jahren fördert die Caritas durch besonders niederschwellige Beschäftigungsangebote die Integration junger Menschen zwischen 18 und 25 Jahren, die mit schwierigen Lebenssituationen oder psychischen Erkrankungen konfrontiert sind. Zu dem Projekt „wert.werk“, das aus dem vorhergehenden „brücken.werk“ entstand, kommt nun ein weiteres Angebot: „Offline Kärnten“ wird von der gemeinnützigen Santner Privatstiftung gefördert und soll suchterkrankten Erwachsenen ab 25 Jahren niederschwellige Arbeitsmöglichkeiten bieten.

Nachhaltige Wirksamkeit

54 vorwiegend junge Menschen nahmen in den vergangenen zwei Jahren am Projekt „wert.werk“ teil, das vom Europäischen Sozialfonds (ESF) und dem Land Kärnten mit 348.000 EUR bzw. 522.000 EUR gefördert wird. Die Besonderheit des Projekts liegt in seiner Niederschwelligkeit: So können Teilnehmer:innen fall- und stundenweise in der Werkstatt oder im Garten der Caritas mitarbeiten, wo sie etwa Upcycling-Werkstücke herstellen oder Gemüse anbauen. Für ihre Arbeit werden sie mit 7,50 EUR pro Stunde am selben Tag entlohnt. Zusätzlich werden die jungen Menschen im Projekt psychosozial begleitet.

„Die nachhaltige Wirkung des Projekts zeigt sich eindrucksvoll an der geringen Abbruchquote und der hohen Verweildauer der Teilnehmenden.“

Christina Staubmann, Bereichsleiterin für Beschäftigung und Betriebe, Caritas Kärnten

Die Arbeitserfahrung, aber auch die Struktur und der soziale Austausch, den die Arbeitsstelle bei „wert.werk“ bietet, sind für die Teilnehmer:innen essenziell: Sie ermöglichen den Aufbau von neuem Selbstvertrauen und bieten Perspektiven. Viele der Teilnehmer:innen finden hier geeignete Bedingungen für einen schrittweisen erneuten Berufseinstieg. So berichtet Christina Staubmann, Bereichsleiterin für Beschäftigung und Betriebe bei der Caritas Kärnten: „Die nachhaltige Wirkung des Projekts zeigt sich eindrucksvoll an der geringen Abbruchquote und der hohen Verweildauer der Teilnehmenden – ein bemerkenswerter Erfolg, insbesondere vor dem Hintergrund, dass viele dieser meist jungen Menschen zuvor mehrfach andere Angebote abgebrochen haben oder abbrechen mussten.“

Perspektiven und Zugehörigkeit

Die Hindernisse, die Teilnehmer:innen den Zugang zum regulären Arbeitsmarkt verwehren, sind vielfältig und reichen von gesundheitlichen Einschränkungen über psychische Erkrankungen bis hin zu persönlichen Schicksalsschlägen. Dadurch können Phasen langer Arbeitslosigkeit entstehen, die nicht selten von sozialer Ausgrenzung begleitet werden. „Nicht jede und jeder kann sofort am Arbeitsmarkt mitmachen – die Gründe dafür sind vielschichtig. Projekte wie wert.werk geben jungen Menschen Hoffnung und Orientierung, wo sie vielleicht schon den Glauben an sich selbst verloren hatten“, so Landeshauptmann-Stellvertreterin Gaby Schaunig, die auch den gesellschaftlichen Mehrwert des Projekts betont: „Das Besondere ist: Neben einem Arbeitsplatz entstehen hier auch Selbstvertrauen, neue Perspektiven und ein Gefühl von Zugehörigkeit. Und genau das macht unsere Gesellschaft stärker.“

„Das Besondere ist: Neben einem Arbeitsplatz entstehen hier auch Selbstvertrauen, neue Perspektiven und ein Gefühl von Zugehörigkeit.“

Gaby Schaunig, Landeshauptmann-Stellvertreterin und Arbeitsmarktreferentin

Neues Projekt: „Offline Kärnten“

Das Projekt „Offline Kärnten“, das Anfang Juli startete, ergänzt das bestehende Angebot durch einen Fokus auf erwachsene Menschen mit Suchterkrankungen. Es wurde im Auftrag der gemeinnützigen Santner Privatstiftung ins Leben gerufen, die dasselbe Projekt bereits seit mehr als zehn Jahren in der Steiermark fördert. Die Teilnehmer:innen des neuen Projekts sollen in verschiedenen Arbeitsbereichen der Caritas unterstützend mitwirken – etwa bei der Akquise, Lagerung, Vorbereitung und Ausgabe gespendeter Lebensmittel. Wie auch bei „wert.werk“ beträgt die Entlohnung 7,50 EUR pro Stunde.

„Wir möchten Menschen dabei unterstützen, Stabilität zu finden und ihren Weg in ein möglichst selbstbestimmtes und würdevolles Leben zu gehen.“

Friedrich Santner, Vorstandsvorsitzender der Gemeinnützigen Santner Privatstiftung

Der Vorstandsvorsitzende der Santner Privatstiftung, Friedrich Santner, sieht die Unterstützung im Ausmaß von vorerst 175.000 EUR als ein Zeichen gesellschaftlicher Verantwortung: „Suchterkrankungen sind zunehmend ein Ventil für Menschen, die vom steigenden Tempo und der wachsenden Komplexität des Lebens überfordert sind. Seit einigen Jahren betreibt unser Unternehmen, die Anton Paar ShapeTec GmbH, ein Werk in Wolfsberg. Aus diesem Grund haben wir uns entschlossen, das Projekt ‚Offline‘ auch auf Kärnten auszuweiten. Damit übernehmen wir bewusst gesellschaftliche Verantwortung. Wir möchten Menschen dabei unterstützen, Stabilität zu finden und ihren Weg in ein möglichst selbstbestimmtes und würdevolles Leben zu gehen.“

Investition in die Zukunft

Projekte wie „wert.werk“ und „Offline Kärnten“ sind nicht nur wichtige Instrumente, die Menschen den (Wieder-)Einstieg in den Arbeitsmarkt ermöglichen können, sondern auch ein effektives Mittel zur Prävention von Langzeitarbeitslosigkeit. Arbeitsmarktreferentin Schaunig: „Je früher wir eingreifen können, desto größer ist die Chance, dass junge Menschen wieder Anschluss finden – sei es durch andere Angebote des Territorialen Beschäftigungspakts oder den Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt. Wenn Probleme sich erst verfestigen, wird Hilfe später nicht nur schwieriger, sondern oft auch deutlich teurer.“ Angesichts des demographischen Wandels und der zunehmenden Überalterung der Gesellschaft sei es von großer Bedeutung, alle verfügbaren Arbeitskräftepotenziale zu nutzen, um die gesellschaftliche und wirtschaftliche Stabilität weiterhin gewährleisten zu können.

„Je früher wir eingreifen können, desto größer ist die Chance, dass junge Menschen wieder Anschluss finden.“

Gaby Schaunig, Landeshauptmann-Stellvertreterin und Arbeitsmarktreferentin

Eine mögliche Abschaffung von Zuverdienstmöglichkeiten zu Arbeitslosengeld bzw. Notstandshilfe durch den Bund sieht Schaunig ebenso kritisch wie Ernst Sandriesser, Direktor der Caritas Kärnten. Es gelte, Strukturen zu schaffen, die sich an den Menschen anpassen – nicht umgekehrt, so Sandriesser: „Beim Zuverdienst braucht es unbedingt Ausnahmen. Eine Einschränkung oder Abschaffung würde aus Gründen der mit dem Arbeitsmarkt kollidierenden Lebensrealität der Betroffenen nicht dazu führen, dass dieselben schneller oder überhaupt in den regulären Arbeitsmarkt eintreten. Der Zuverdienst ist weit mehr als ein finanzieller Beitrag. Er gibt Halt, stärkt die Eigenständigkeit und ist für viele ein erster Schritt zurück in die Gesellschaft.“

Das Projekt „Offline Kärnten“ soll zunächst mit 10 Teilnehmer:innen starten und später erweitert werden. Interessierte können sich ab sofort bei der Caritas melden.

Wissenswert

Die gemeinnützige Santner Privatstiftung hat sich neben der Förderung der gemeinnützigen Wissenschaft und Forschung Maßnahmen zur Bekämpfung von Suchtproblemen verschrieben. Sie ist Eigentümerin der Anton Paar Group AG, eines Unternehmens mit 4.600 Mitarbeiter:innen und Sitz in Graz. Anton Paar entwickelt, produziert und vertreibt hochpräzise Laborinstrumente und Prozessmesssysteme sowie maßgeschneiderte Automations- und Robotiklösungen. Das Unternehmen ist globaler Marktführer auf den Gebieten der Dichte- und Konzentrationsmessung, der Rheometrie und CO2-Messung.  

Schlagwörter