RENOMIZE: Schnellere Gebäudesanierung durch Robotik
Gebäude verursachen derzeit rund 40 Prozent des Energieverbrauchs in der EU und gelten damit als zentraler Faktor für den Klimaschutz. Die jährliche Renovierungsrate liegt aktuell jedoch bei nur etwa einem Prozent. Um die Ziele des European Green Deal zu erreichen, muss sich diese Rate deutlich erhöhen. Das EU-geförderte Forschungsprojekt RENOMIZE veranschaulicht, wie Renovierungen künftig durch industrielle Vorfertigung, Automatisierung und digitale Planung schneller, effizienter und mit geringen Einschränkungen für den Wohnalltag umgesetzt werden können.
Smart renovieren mit Robotik
Im Fokus des Projekts steht die serielle Sanierung: In Fabriken vorgefertigte Fassadenelemente werden anschließend vor Ort montiert. „Unser Ziel ist es, möglichst viele Schritte der Renovierung von der Baustelle in die Fabrik zu verlegen und den Prozess dadurch wesentlich zu beschleunigen“, so Christian Oswald, Projektkoordinator und Institutsdirektor von ROBOTICS. „Mit optimierten Fertigungsprozessen und robotischen Montagesystemen wollen wir Sanierungen künftig deutlich schneller durchführen können.“ Im RENOMIZE-Konsortium übernimmt ROBOTICS die Gesamtkoordination und arbeitet an der Optimierung der Off-site-Fertigung und der automatisierten Montage auf der Baustelle – inklusive eines Roboterwerkzeugs, das Anker für Fassadenelemente selbstständig setzt. Die vorgefertigten Paneele vereinen mehrere Funktionen, von Dämmung und Lüftung bis hin zu Teilen der Gebäudetechnik und Photovoltaik. So werden aufwendige Arbeiten im Gebäudeinneren vermieden und fossile Heizsysteme reduziert.
Ökologische und ökonomische Effekte
Während ROBOTICS die technischen Lösungen entwickelt, analysiert das Institut LIFE deren Auswirkungen und ist für Impact Assessment, Lebenszyklusanalysen sowie Performance Assessment und Validierung verantwortlich. „Ein wesentlicher Vorteil der seriellen Renovierung ist, dass sie die Bauzeit deutlich verkürzt und die Bewohner:innen weniger beeinträchtigt“, erklärt Andreas Türk, Forschungsgruppenleiter für Internationale Klimapolitik und Ökonomik bei LIFE. „Wenn eine Renovierung nicht ein halbes Jahr dauert, sondern vielleicht nur zehn Tage, ist das ein großer Unterschied für die Menschen im Gebäude.“ LIFE untersucht im Projekt ökologische und ökonomische Effekte der neuen Technologien – wie Luftqualität, Lärmbelastung und die Erfahrungen der Nutzer:innen vor und nach der Umsetzung. Auch die Kostenentwicklung spielt eine zentrale Rolle: „Derzeit sind vorgefertigte Fassaden noch teurer als klassische Renovierungen. Wir analysieren daher Produktionsprozesse, Logistik und Skaleneffekte, um langfristig kostengünstigere Lösungen zu ermöglichen“, so Türk.
Praxischeck in Europa
Die entwickelten Technologien werden in vier Demonstrationsgebäuden in Europa – in Estland, der Schweiz, Belgien und Spanien – unter realen Bedingungen erprobt. Dabei werden verschiedene Fassadentypen getestet, um geeignete Gebäudetypen zu identifizieren und die serielle Renovierung für den breiten Einsatz weiterzuentwickeln.
WISSENSWERT
RENOMIZE ist ein EU-gefördertes Forschungsprojekt im Rahmen von Horizon Europe mit 13 Partnerorganisationen aus neun europäischen Ländern. Das Projekt läuft von Jänner 2025 bis Dezember 2028.