„Die Elektronik- und softwarebasierten Systeme sind nicht nur technologische Innovationstreiber, sie sind das Rückgrat unseres Lebens-, Wirtschafts-, Arbeits- und Innovationsstandortes Südösterreich.“
Silicon Alps macht den Süden international sichtbar
Mehr als 340 Teilnehmer:innen aus 23 europäischen Ländern mit Delegationen aus Schweden und den Niederlanden nahmen kürzlich an der der EBSCON 5.0 teil. Die Leitmesse der europäischen Halbleiter- und Elektronikindustrie war in diesem Jahr erstmals Teil der EBSCON WEEK und stand unter dem Motto „Creative Destruction“. Im Mittelpunkt stand dabei die Frage, welche „alten“ Systeme und Technologien abgelöst werden und wie das künftig „Neue“ am Horizont erkennbar ist.
Auftakt und zugleich erstes Highlight der EBSCON 5.0 war die Unterzeichnung der „Declaration of Graz“: Auf Initiative des Silicon Alps Clusters besiegelten Vertreter:innen aus Frankreich, Tschechien, Schweden, den Niederlanden und Österreich ein Memorandum of Understanding (MoU), das die Zusammenarbeit der 27 neuen Chips Competence Centres mit konkreten Zielen versieht – und Europas Unabhängigkeit sowie Technologieführerschaft stärkt.
Hohes Entwicklungspotenzial
Südösterreich mit der Steiermark und Kärnten zählt zu den Hotspots der europäischen ESBS- und Halbleiterindustrie. Der steirische Wirtschaftslandesrat Willibald Ehrenhöfer und Kärntens LH-Stellvertreterin Gaby Schaunig betonten die Entwicklungschancen der Region – einerseits durch den neuen Koralmtunnel, der einen gemeinsamen Wirtschafts- und Lebensraum schafft, und andererseits durch die innovativen Impulse der Branche, die den Standort nachhaltig stärken.
Basis für nachhaltiges Wachstum
Landeshauptmann-Stellvertreterin Gaby Schaunig hob die zentrale Bedeutung der Branche für die Region hervor: „Die Elektronik- und softwarebasierten Systeme sind nicht nur technologische Innovationstreiber, sie sind das Rückgrat unseres Lebens-, Wirtschafts-, Arbeits- und Innovationsstandortes Südösterreich. Steiermark und Kärnten haben sich hier zu einer europaweit anerkannten Vorreiterregion entwickelt. Die EBSCON 2025 zeigt, wie wichtig es ist, den Mut zur kreativen Zerstörung aufzubringen: alte Strukturen abzubauen, um Neues entstehen zu lassen. Nur so können wir unsere Wettbewerbsfähigkeit sichern, Chancen für unsere Unternehmen schaffen und hochwertige Arbeitsplätze für die Menschen in unserer Region garantieren. Schlüsseltechnologien wie Künstliche Intelligenz, Mikroelektronik, Robotik, Quanten- und Photonikforschung oder neue Materialien eröffnen uns die Möglichkeit, internationale Entwicklungen nicht nur mitzugestalten, sondern ihnen aktiv vorauszugehen. Für Südösterreich bedeutet das, eine starke Basis für nachhaltiges Wachstum, zukunftsorientierte Forschung und die Innovationskraft unserer Betriebe zu schaffen. EBSCON ist genau der Ort, an dem wir diesen Aufbruch sichtbar machen und gemeinsam eine neue Ära gestalten.“
Platz für Neues machen
Willibald Ehrenhöfer, Wirtschaftslandesrat der Steiermark, sieht in Forschung und Innovation den Schlüssel zur Zukunftsfähigkeit der Region: „Damit wir auch künftig als Standort erfolgreich sind, müssen wir bei Forschung und Entwicklung die Taktgeber sein – sie sind der Motor für Innovation. Das Motto der diesjährigen EBSCON, ‚Creative Destruction‘, passt daher bestens: Kreative Zerstörung macht Platz für Neues. Nur wer Altes hinter sich lässt, schafft Raum für frische Ideen. Ich bin überzeugt, dass die Steiermark gemeinsam mit Kärnten als Wirtschaftsraum Südösterreich dank ihrer Universitäten, Forschungszentren und Unternehmen über die nötige Kompetenz verfügt, um in Europa Vorreiter digitaler Technologien zu werden. Schon heute sind wir das Silicon Valley Österreichs: 80 Prozent der heimischen Wertschöpfung in der Halbleiter- und Mikroelektronik entstehen hier. Mit dem Koralmtunnel wird diese starke Achse weiter ausgebaut. Entscheidend bleibt, dass wir über Landesgrenzen hinweg zusammenarbeiten, um im hart umkämpften globalen Wettbewerb zu bestehen.“
„Ich bin überzeugt, dass die Steiermark gemeinsam mit Kärnten als Wirtschaftsraum Südösterreich dank ihrer Universitäten, Forschungszentren und Unternehmen über die nötige Kompetenz verfügt, um in Europa Vorreiter digitaler Technologien zu werden.“
Halbleiter-Ökosystem mit Zukunft
Michael Jerne, Director External Relations bei NXP® Semiconductors Austria, verwies auf die Bedeutung grenzüberschreitender Kooperationen und sieht im SILICON ALPS Cluster sowie im entstehenden Chips Competence Centre entscheidende Impulse für das österreichische Mikroelektronik-Ökosystem und seine internationale Wettbewerbsfähigkeit. Für Régis Hamelin, Koordinator des aCCCess-Projekts, markiert die „Declaration of Graz“ einen gemeinsamen Schritt hin zu einem vernetzten, zukunftsorientierten Halbleiter-Ökosystem in Europa. Das Netzwerk soll Kooperation, Wissenstransfer und Ausbildung bündeln, um Europas technologische Souveränität zu festigen.
Robert Gfrerer, Geschäftsführer des Silicon Alps Clusters und Initiator der Deklaration, betonte: „Mit der ‚Declaration of Graz‘ bekunden wir gleichsam als Selbstverpflichtung die gemeinsame Absicht, die grenzüberschreitende Zusammenarbeit zu fördern und gemeinsam zu einem nachhaltigen Halbleiter-Ökosystem in Europa beizutragen. Wir wollen und müssen die geplanten Vorhaben mit Leben erfüllen.“
Die Vision hinter der „Declaration of Graz“
Die Unterzeichnenden verfolgen gemeinsam folgende Ziele:
- Die Sicherstellung eines fairen, offenen und nichtdiskriminierenden Zugangs zu Infrastruktur, Fachwissen und Finanzmitteln für alle relevanten Akteure, insbesondere für KMU und Start-ups. -
- Die Maximierung von Effizienz und Wirkung der Ressourcen: Mit Unterstützung des aCCCess-Konsortiums werden die Zentren gemeinsame Verfahren zur Überwachung, Bewertung und den Austausch bewährter Praktiken einführen, um eine wirksame Nutzung der Mittel und der Infrastruktur zu gewährleisten.
- Die Förderung der Kompetenzentwicklung und Ausbildung in ganz Europa: Die Zentren werden Bildungs- und Qualifizierungsprogramme koordinieren, die Mobilität von Talenten in ganz Europa erleichtern und die Qualifikationslücke in der Halbleiterindustrie aktiv angehen.
- Die Stärkung der strategischen Unabhängigkeit Europas: Regionale und europäische Wertschöpfungsketten, Pilotanlagen und Schlüsseltechnologien werden entwickelt, um Europas Widerstandsfähigkeit im Halbleitersektor zu stärken.
- Die Stärkung von Vertrauen und Sichtbarkeit: Das aCCCess-Konsortium wird die Zentren bei der transparenten Kommunikation, der Berichterstattung über Erfolge und der Durchführung von Outreach-Initiativen unterstützen.
„Mit der Declaration of Graz wollen wir gemeinsam mit unseren europäischen Partner:innen dazu beitragen, dass Europa seine Unabhängigkeit und Technologieführerschaft in unserer Branche wesentlich stärken kann.“
EBSCON 5.0: Programm-Highlights
Bei der EBSCON berichtete Maria Huffman vom Swedish Chips Competence Centre über die Rolle und Herausforderungen der europäischen Chips Competence Centres, während Bruno Paing aus Frankreich erweiterte Pilotlinien vorstellte, die den Übergang von der Forschung zur Großproduktion ermöglichen. Die Veranstaltung bot nicht nur fachliche Impulse, sondern förderte den Dialog zwischen internationalen Expert:innen und Entscheider:innen – etwa in den BarCamps „How Disruptive Methods Drive Local Transformation“ (hosted by NXP) und „European Innovation“ (powered by AT-C3). In der abschließenden Panel Discussion „EBSCON HI 5“ diskutierten führende Vertreter:innen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Forschung unter Leitung von Richard Sturn (Schumpeter Zentrum Graz) das Leitthema „Creative Destruction“. Ergänzt wurde das Programm durch eine Innovationsausstellung sowie die bewährte Match-Making-Session.
Zudem wurde in Graz auch das neue European Network of Chips Competence Centres (ENCCC) mit dem Projekt aCCCess als zentrale Plattform europäischer Zusammenarbeit präsentiert. Besondere Aufmerksamkeit galt dem österreichischen AT-C³ Chips Competence Center, das mit konkreten Initiativen zur Förderung von KMUs, Start-ups und neuen Elektronik- und Chipentwicklungen beiträgt.
EBSCON WEEK: Mehr Raum für Ideen
Die EBSCON 2025 war eingebettet in eine Serie von Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit dem SILICON ALPS Cluster: Im Rahmen er EBSCON WEEK fand in Graz die „Hack2BRIDGE_Austria“, einen Hackathon am Unicorn, dem Gründerzentrum der Uni Graz mit Preisverleihung im Rahmen der EBSCON. Weiters fanden in der Steiermark die „Incoming Delegation Days“ mit Delegationen aus Schweden und den Niederlanden statt. Abschluss des ersten Incoming Delegation Days war ein Netzwerkdinner in Villach, ehe am finalen Tag für die Delegationen Firmenbesuche in Kärnten auf dem Programm standen. Darüber hinaus fand in Graz auch die Herbsttagung von ESBS-Austria statt.
„Die EBSCON 2025 ist der beste Rahmen, um die Vorreiterrolle der österreichischen Unternehmen der ESBS- und HalbleiterBranche zu unterstreichen. Mit der Declaration of Graz wollen wir gemeinsam mit unseren europäischen Partner:innen dazu beitragen, dass Europa seine Unabhängigkeit und Technologieführerschaft in unserer Branche wesentlich stärken kann“, so Robert Gfrerer, Geschäftsführer des initiierenden Silicon Alps Clusters.
Die Leitmesse der europäischen Halbleiter- und Elektronik-Industrie war 2025 erstmals Teil der EBSCON WEEK und stand thematisch ganz im Zeichen der „Creative Destruction“. © Podesser