© Simon Blackley
Umwelt
27.03.2026

Steirisches Hightech-Holz zu Gast in Brüssel

Anlässlich des Internationalen Tag des Waldes präsentierte eine Delegation wegweisende Zukunftsprojekte und innovative Stärkefelder der steirischen Holz-Wertschöpfungskette.

So vertraut der Werkstoff Holz den meisten Europäer:innen scheinen mag, so hochgradig wird er unterschätzt. Dass Holz als Hightech-Baustoff in zahlreichen Industriezweigen Anwendung finden könnte, gilt vielerorts bis heute als realitätsfernes Gedankenspiel. Doch zehn Jahre intensiver Forschungen, Testungen und erster Umsetzungen im Industriebereich haben gezeigt, dass der Wert- und Werkstoff Holz die Zukunft nachhaltigen Wirtschaftens in Europa entscheidend prägen kann. Als nachwachsender Rohstoff mit geringem Gewicht und der Fähigkeit, CO2 langfristig zu binden, übertrifft Holz in vielen Anwendungsbereichen Materialien wie Carbon, Alu, Glasfaser, Stahl oder Kunststoff – und spielt eine zentrale Rolle für die Weiterentwicklung der europäischen Bioökonomie.

„Mit dem Wood Vision Lab als neues Pionierzentrum nehmen wir europaweit eine Vorreiterrolle ein.“

Bernadette Karner, Geschäftsführerin des Wood Vision Lab

Die über Jahre aufgebaute Expertise zu diesem Thema konzentriert sich nicht durch Zufall im waldreichsten Bundesland Österreichs. Seit mehr als 20 Jahren vernetzen sich wichtige Akteure der Holz-Wertschöpfungskette im Holzcluster Steiermark. Das Technologieunternehmen Weitzer Woodsolutions forscht unermüdlich am Zukunftsthema Hightech-Holz, und im Sommer wird nur wenige Kilometer weiter der Spatenstich zum Wood Vision Lab erfolgen – ein Innovationslabor für Holz-Leichtbau, das an das Innovationszentrum W.E.I.Z. angeschlossen wird. Dort sollen entscheidende Kompetenzen gebündelt werden: „Mit dem Wood Vision Lab als neues Pionierzentrum nehmen wir europaweit eine Vorreiterrolle ein. Entlang der gesamten Holzwertschöpfungskette vereinen wir von der Grundlagen- über die angewandte Forschung bis hin zu einem Technikums- und Akzeleratorenbetrieb alles unter einem Dach“, erklärt Bernadette Karner, Geschäftsführerin des Wood Vision Lab.

„Holz ist der einzige Rohstoff weltweit, der innerhalb einer Generation nachwächst und strategische Zugänge zu Low Carbon, Resilienz und nachhaltige Wertschöpfung ermöglicht.“

Martin Karner, Geschäftsführer der Weitzer Woodsolutions

„Holz ist der einzige Rohstoff weltweit, der innerhalb einer Generation nachwächst und strategische Zugänge zu Low Carbon, Resilienz und nachhaltige Wertschöpfung ermöglicht“, betont auch Martin Karner, Geschäftsführer der Weitzer Woodsolutions. Angesichts des Klimawandels und der damit einhergehenden Verschiebung von Nadel- zu Laubhölzern gewinnt das Thema zusätzlich an Bedeutung für die Holz-Wertschöpfungskette.

Holz-Delegation in Brüssel

Um Zukunftspläne, Erreichtes und die europaweite Relevanz der steirischen Projekte nach außen zu tragen, reiste kürzlich eine hochrangige Delegation auf Einladung von Land Kärnten und Wood Vision Lab nach Brüssel. Im EU-Verbindungsbüro der Steiermark fand dort am 17. März ein Dialogabend zum Thema „Europäische Holz-Wertschöpfungskette“ statt, dem rund 100 internationale Gäste beiwohnten. Außerdem wurden während des Brüssel-Aufenthalts verschiedene Treffen und Arbeitsgespräche mit europäischen Entscheidungsträger:innen und Politiker:innen, darunter MdEP Reinhold Lopatka und Staatssekretärin Barbara Eibinger-Miedl, abgehalten. Das Ziel: Durch die gemeinsame Präsenz die gebündelten Kompetenzen entlang der steirischen Holz-Wertschöpfungskette sichtbar zu machen und wichtige Impulse für die europäische Bioökonomie zu setzen.

„Holz ist ein zentraler Motor der steirischen Wirtschaft und sichert entlang der gesamten Wertschöpfungskette rund 55.000 Arbeitsplätze in rund 5.300 Betrieben.“

Landesrat Willibald Ehrenhöfer

Die sektorenübergreifende Delegation setzte sich aus Vertreter:innen der gesamten steirischen Holz-Wertschöpfungskette zusammen. Gemeinsam zeigten Landesrätin Simone Schmiedtbauer und Landesrat Willibald Ehrenhöfer (Land Steiermark), Christoph Ludwig (SFG), Heinz Mayer (JOANNEUM RESEARCH), Martin Karner (Weitzer Woodsolutions), Diemo Wojik (Siemens Mobility), Christa Zengerer (ACstyria Mobilitätscluster), Richard Stralz (Mayr-Melnhof Holz), Reinhard Hansmann (Steirische Landesinnung Holzbau), Josef Stoppacher (Weitzer Group), Alexander Pinter (Holzcluster Steiermark), Paul Lang (Waldverband / proHolz), Martin Halmer (Diözese Graz-Seckau), Andreas Steinegger (Präsident ÖR, LK Steiermark), Franz Titschenbacher (Österreichischer Biomasseverband), Christian Metschina (LK Steiermark) und Bernadette Karner (Wood Vision Lab), welchen hochinnovativen Beitrag die steirische Partnerschaft zum Green Industrial Deal leistet.

„Für uns im waldreichsten Bundesland ist es selbstverständlich, an die nächsten Generationen zu denken und nachhaltig mit unseren Wäldern umzugehen.“

Landesrätin Simone Schmiedtbauer

Strategisches Ziel der Steiermark und ihrer Partner im Holzbereich ist der Aufbau einer resilienten, nachhaltigen und bio-basierten Wirtschaft. „Für uns im waldreichsten Bundesland ist es selbstverständlich, an die nächsten Generationen zu denken und nachhaltig mit unseren Wäldern umzugehen. Im Sinne der Forstwirtschaft wollten wir damit starten, unser Knowhow aus der Steiermark nach Brüssel zu bringen“, so Landesrätin Simone Schmiedtbauer, die als ehemalige Abgeordnete des Europäischen Parlaments auch den Impuls zur Brüssel-Reise setzte. Landesrat Willibald Ehrenhöfer ergänzte: „Für die Steiermark, das waldreichste Bundesland, ist Holz ein wahrer Wertstoff – er ist ein zentraler Motor unserer Wirtschaft und sichert entlang der gesamten Wertschöpfungskette rund 55.000 Arbeitsplätze in rund 5.300 Betrieben.“ Ehrenhöfer verwies zudem auf die „volkswirtschaftlichen Leistungen des Waldes, die wesentlich mehr sind als CO2-Speicherung und Holzproduktion. Unser Wald ist ein wahres Mulitalent“.

Nachhaltiger Austausch

Der Dialogabend in den Räumlichkeiten des Brüsseler Steiermark-Büros wurde von Bundesminister Norbert Totschnig, Landesrätin Simone Schmiedtbauer und Landesrat Willibald Ehrenhöfer eröffnet. Im Zentrum des Abends stand eine Podiumsdiskussion zu praxistauglichen Rahmenbedingungen für die Holz-Wertschöpfungsketten der Zukunft, an der MdEP Christine Schneider (Europäisches Parlament), Michael Losch (Europäische Kommission, DG AGRI), Botschafter Franz Wirtenberger (StVÖ), Diemo Wojik (Siemens Mobility GmbH) und Martin Karner (Weitzer Woodsolutions) teilnahmen. Auswirkungen europäischer Initiativen wie des Clean Industrial Deal oder der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) auf die Wertschöpfungskette wurden ebenso besprochen wie Anforderungen an eine nachhaltige Waldbewirtschaftung und konkrete Best-Practice-Beispiele aus der Steiermark.

Die steirischen Anliegen stießen bei den Gästen auf reges Interesse. Besonders das klare Bekenntnis eines internationalen Technologiekonzerns wie Siemens Mobility zum Werkstoff Holz und dessen zukünftiger Rolle in industriellen Anwendungen machte nachhaltig Eindruck. Mitgebrachte Hightech-Holz-Exponate machten die Themen greifbar – und rückten die Möglichkeit einer bio-basierten Zukunft endgültig ins Bewusstsein der Anwesenden.

Ergebnisse des Austauschs in Brüssel

  • Der Wald ist ein zentraler Klimafaktor und unverzichtbarer Lebensraum.
  • Holz entwickelt sich zunehmend zum Schlüsselmaterial einer zirkulären, bio-basierten Wirtschaft.
  • Innovation ist entscheidend, um ökologische und wirtschaftliche Ziele miteinander zu verbinden.

Zugleich wurde betont, dass nachhaltige Waldbewirtschaftung eine grundlegende Voraussetzung für einen resilienten und wettbewerbsfähigen Wirtschaftsraum Europa ist.

Mehr Informationen: Holzcluster Steiermark, Wood Vision Lab, Weitzer Woodsolutions

© Simon Blackley

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