Stift St. Paul stellt Hochzeitskleid der Kaiserin Elisabeth aus
In Form eines Vespermantels ist das einstige Hochzeitskleid der Kaiserin Elisabeth aktuell im Stift St. Paul ausgestellt. Getragen hat es die bayerische Herzogin bei ihrer Vermählung mit Kaiser Franz Joseph I. im Jahr 1854. Später wurden die kostbaren Textilien des Kleides in ein sogenanntes Pluviale umgearbeitet, welches seinen Platz in der Basilika Maria Taferl in Niederösterreich fand. „Damit wurde aus einem Gewand der kaiserlichen Hochzeit ein liturgisches Parament, das fortan nicht mehr der Repräsentation einer Person, sondern dem Gottesdienst diente“, so P. Dr. Gerfried Sitar, Museumsdirektor im Stift St. Paul, wo das kostbare Gewand derzeit im Rahmen der Sonderschau „frau:macht:kunst – Mädchenlaune oder Meisterwerk?“ bestaunt werden kann und Mittwochabend im Rahmen einer Exklusivführung den geladenen Gästen präsentiert wurde.

© Stift St. Paul
Zweites Leben eines Gewandes
Die Umgestaltung bewahrte einerseits den materiellen Wert des Stoffes und seiner reichen Ausstattung, zugleich erhielt das Objekt eine neue Funktion und Bedeutung. Was im höfischen Raum mit Glanz, Stand und dynastischer Erwartung verbunden war, wurde im kirchlichen Raum zu einem Zeichen der Verehrung, der Frömmigkeit und der sakralen Würde. Der Vespermantel in Maria Taferl ist daher mehr als ein Erinnerungsstück an Kaiserin Elisabeth – er steht exemplarisch für den Umgang des 19. Jahrhunderts mit kostbaren Textilien, deren Wert im Material und ihrer symbolischen Aufladung lag. Durch die Umwidmung blieb das Hochzeitsgewand nicht nur als Relikt erhalten, sondern wurde in einen lebendigen, liturgischen Zusammenhang überführt. Es vereint höfische Geschichte und kirchliche Tradition, persönliche Biografie und kollektives Gedächtnis und zeigt, wie ein Kleidungsstück durch Weiterverwendung eine neue Bedeutung erhält.
Stiftsmaus führt durch die Zeit
Im Museum im Stift St. Paul wird Geschichte für Kinder lebendig. Der neue Kinderkatalog, der im Rahmen der Exklusivführung im Beisein von Landesrat Sebastian Schuschnig präsentiert wurde, lädt junge Besucher:innen zu einer spannenden Entdeckungsreise durch vier Etagen ein. Begleitet werden sie dabei von der Stiftsmaus Pauli, die mit viel Freude durch die Räume führt.
Pauli öffnet Türen in längst vergangene Zeiten. Hier beginnen Objekte zu erzählen: Alte Bücher, Bilder, kostbare Kunstwerke und geheimnisvolle Dinge aus der Vergangenheit erhalten eine Stimme. Sie berichten von Menschen, die vor uns gelebt haben, von ihren Hoffnungen, ihrem Glauben, ihrem Wissen und ihrem Alltag. An verschiedenen Stationen begegnen die Kinder der Geschichte des Stiftes auf spielerische und verständliche Weise. „Kunstwerke reden miteinander und zeigen so, dass das Gespräch kein Kunststück ist, sondern zu Lösungen führt, mit denen alle können“, sagt Museumsdirektor P. Dr. Gerfried Sitar.
Der Kinderkatalog lädt auch dazu ein, genau hinzuschauen, Fragen zu stellen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Dabei stehen Werte wie Freundschaft, Zusammenhalt, Achtsamkeit und Respekt im Mittelpunkt. Pauli zeigt, dass Geschichte besonders spannend wird, wenn man ihr mit offenen Augen und offenen Herzen begegnet.
Das Angebot für Familien und Kinder wurde mit Unterstützung des Tourismusreferats weiter ausgebaut. „Wir wollen als Destination auch für Familien mit Kindern als Zielgruppe attraktiv sein und bleiben. Da gehören entsprechende Ausflugsziele, Angebote und Erlebnisse dazu. Das Projekt Kinderkatalog zeigt, wie ein Museumsbesuch für Kinder erlebbar gemacht werden kann und damit neue Impulse für Gäste sowie Einheimische gesetzt werden“, so der Landesrat.
Drei Jahresausstellungen bis 2029
In den kommenden Jahren plant das Museum im Stift St. Paul drei große Sonderausstellungen. Im Jahr 2027 widmet sich die Schau „Die Welt in Schwarz-Weiß“ den großen Gegensätzen des Lebens wie Licht und Dunkel oder Gut und Böse, wobei ein besonderer Schwerpunkt auf Zeichnung und Grafik liegt. 2028 folgt unter dem Titel „Sub signo Leonis“ eine Ausstellung zum 800-Jahr-Jubiläum des Bistums Lavant, das 1228 in St. Andrä im Lavanttal gegründet wurde und dessen Bischofssitz 1859 nach Marburg, dem heutigen Maribor, verlegt wurde. Im Jahr 2029 schließlich steht mit „Gestalter Europas“ das 1500-jährige Jubiläum der Benediktiner im Mittelpunkt, ausgehend von der Gründung des Klosters Montecassino im Jahr 529 durch den heiligen Benedikt von Nursia, wobei auch die Geschichte des Stifts St. Paul selbst beleuchtet wird, das als Beispiel für die Kontinuität benediktinischen Lebens in Europa steht.
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