Wirtschaft

Unternehmen mit Betriebsrat kommen besser durch die Krise

IFES-Studie bestätigt: Betriebe mit Betriebsrat meistern die Krise besser. Kampagne soll zur Betriebsrats-Gründung motivieren.

"In Schulen gibt es Schulsprecher, in Betrieben sollte es Betriebsräte geben", so Günther Goach, Präsident der Arbeiterkammer (AK) Kärnten. Auch das Arbeitsverfassungsgesetz besagt: Ab mindestens fünf Arbeitnehmern ist in jedem Unternehmen ein Betriebsrat zu gründen. Ergebnisse einer IFES-Studie (Strukturwandel-Barometer 2021) zeigen, dass Betriebe mit Betriebsrat besser durch die Krise kommen. "Innerbetriebliche Maßnahmen rund um die Covid-19-Krise, in die Betriebsräte eingebunden wurden, federten negative Effekte der Krise besser ab und positive verstärkten sich, wie beispielsweise höhere Aufzahlungen bei Kurzarbeit", spricht Goach über die Studie. Durch das Geschick von Betriebsräten konnten Arbeitsplätze gerettet werden, da rasch Kurzarbeit oder Home-Office durchgesetzt werden konnten.

In der Studie wurden 2.100 Betriebsräte befragt. 40 Prozent gaben an, dass in der Corona-Zeit der Arbeitsdruck gestiegen sei. Das Arbeitsklima habe sich verschlechtert (Antwort von einem Drittel der Befragten). Ein Grund dafür sei auch die schlechter gewordene Kommunikation.

Aufgaben eines Betriebsrates

Der Betriebsrat vertritt die Interessen der arbeitenden Menschen, sodass keine einseitige Betriebskultur entsteht. Er stellt somit ein wichtiges Bindeglied zwischen Belegschaft und Betrieb dar. "Er ist kein Feind der Unternehmer", so Goach. Denn ein Betriebsrat muss die wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und gesundheitlichen Interessen gegenüber dem Arbeitgeber vertreten. "Ohne Betriebsrat kann zum Beispiel kein Sozialplan erstellt werden", sagt ÖGB-Landesvorsitzender Hermann Lipitsch. "Er ist die Knautschzone zwischen Chef und Arbeitnehmer!"

ÖGB wie AK ist aufgefallen, dass die Probleme in Firmen ohne Betriebsrat größer sind. Goach: "Jene Probleme, die bei uns aufschlagen, kommen zu über 90 Prozent von Unternehmen ohne Betriebsrat." Und Lipitsch fügt hinzu: "Als wir 2020 mit der AK die Corona-Hotline betrieben haben, haben wir gemerkt, dass es mit Betriebsräten nur positive Entwicklungen gab."

Mehr Betriebsrats-Körperschaften für Kärnten

Daher ist es erklärtes Ziel, mehr Betriebsrats-Körperschaften in Kärnten zu installieren. "In Betrieben mit mindestens 20 Arbeitnehmern, in dem sich trotz Aufforderung nach zwei Wochen kein Betriebsrat findet, kann der ÖGB oder die Arbeiterkammer einen Betriebsrat als Vertretung einsetzen." Von diesem Instrument möchte man in Kärnten verstärkt Gebrauch machen.

Derzeit gibt es in Kärnten 419 Betriebsrats-Körperschaften, also Unternehmen mit Betriebsrat, und 3.442 Betriebsräte. Derzeit läuft eine bundesweite ÖGB-Kampagne. "Damit wollen wir die Arbeitnehmer animieren, die demokratische Mitbestimmung in ihrem betrieblichen Umfeld auszubauen, denn die Praxis zeigt ganz deutlich, dass es mit Betriebsräten einfach besser geht."

Zur Kampagne geht es hier: www.mir-reichts.at

Gemeinsame Forderungen von ÖGB und Arbeiterkammer

Für die Zeit nach der Krise wurden gemeinsame Forderungen formuliert:

  • weitere Aufstockung des AMS-Personals (Verbesserung der Vermittlungstätigkeit)
  • Qualifikationsmaßnahmen für Arbeitslose
  • gemeinnützige und kommunale Arbeitsplätze für Menschen über 50 Jahren, die länger als zwei Jahre arbeitslos waren
  • Investitionen in zukunfts- und systemrelevante Wirtschaftsbereiche wie Gesundheit und Pflege, Kinderbetreuung und Schulen, Umwelt und Klima etc. (krisensichere Arbeitsplätze)
  • Digitalisierung im Bildungsbereich vorantreiben
  • Weiterentwicklung der überbetrieblichen Ausbildung
  • verstärkte Förderung der Erwachsenen-Bildung
  • Ausbau der Arbeitsstiftungen, um Wiedereingliederungen zu ermöglichen
  • Kurzarbeit verlängern (Eckpunkte: deutlich verbindlichere Begründung der wirtschaftlichen Notwendigkeit; Beteiligung der Unternehmen an den Kosten; Beibehaltung hoher Nettoersatzraten; wirksame Anreize für Unternehmern, berufsbezogene Aus- und Weiterbildung anzubieten)
  • Arbeitslosengeld auf 70 Prozent anheben
Hermann Lipitsch (links) und Günther Goach – Foto: AK Kärnten/Krainz
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