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„Unternehmer sollten Teile ihrer Möglichkeiten für sozial relevante Projekte ausgeben“

Die Vision von „Together“ ist weit mehr als Lebensmittel retten – es geht auch um soziale Verantwortung!

advantage: „Together“ ist mittlerweile ein riesiges Netzwerk von Freiwilligen. Wie finanziert ihr den Verein?

Julia Petschnig: Der Verein ist im letzten Jahr enorm gewachsen, wir mussten die Struktur ausbauen. Es arbeiten immer noch zu fast 100 Prozent alle freiwillig mit, ganz wenige sind geringfügig beschäftigt oder arbeiten auf Honorar-Basis. Wir müssen natürlich die Fixkosten decken – Mieten, Betriebskosten, Fahrzeuge. Über 10.000 Euro flossen zuletzt allein in Hilfstransporte. Diese Grundstruktur wird über Spenden-Einnahmen, Mitgliedsbeiträge und Einnahmen aus dem Second-Hand-Bereich finanziert. Wir sind förderunabhängig, bekommen im minimalen Umfang Fördergelder. Von einer Förderzusage im einen Jahr kann ich mir ja keine Struktur aufbauen. Wer weiß, ob sie im nächsten Jahr auch folgt. Die Einrichtungen der „Points“ sind auch zu 90 Prozent recycelt, da sparen wir auch. Mittlerweile ist „Together“ ein starkes Netzwerk von etwa 300 Freiwilligen in Kärnten.

Gibt es Aufzeichnungen, wie viele Lebensmittel ihr schon gerettet habt?

Leider noch nicht, es ist einfach zu viel! Alleine in Klagenfurt holen wir mittlerweile Lebensmittel von ca. 50 Filialen ab. Den ersten Platz belegen dabei Brot und Gebäck. Damit wir möglichst viele Lebensmittel weiterbringen, kooperieren wir auch viel, haben mittlerweile große Netzwerke aufgebaut.

Ist Deiner Meinung nach das Bewusstsein für dieses Thema ein anderes?

Ich denke schon, dass ein Umdenken eintritt. Corona hat sicher viel dazu beigetragen, es wird auch regionaler eingekauft. In den letzten 20 Jahren hat eine Globalisierung stattgefunden, die nicht mehr gesund ist – weder für Menschen, noch für Tiere, noch für Lebensmittel, die um die halbe Welt geschickt werden, um dann bei uns im Regal zu stehen und später weggeworfen zu werden. Diese Entwicklung hinterfragen wir kritisch.

Was hältst Du vom französischen System, das Firmen durch Strafen zum Teilen von Lebensmitteln zwingt?

Bei Strafen stellt sich immer die Frage, wie viele Möglichkeiten es gibt, die Strafe zu umgehen. Eine gewisse gesetzliche Grundlage würde ich schon als sinnvoll erachten – aber eher in Bezug auf das Mindesthaltbarkeitsdatum, das viel zu streng gehandhabt wird. Bei verarbeiteten Lebensmitteln ist es zu kurz angesetzt. Ich würde eher überlegen, das anzupassen. Eine Regelung in puncto Überproduktion wäre auch sinnvoll – in die Richtung, dass Überproduktion ab einem gewissen Prozentsatz mehr kostet als sie bringt. Wir brauchen einen mündigen Konsumenten und eine Produktion, die das produziert, was wir brauchen – von mir aus mit einem Puffer für Spitzen wie Weihnachten oder Ostern. Und der Verpackungswahnsinn muss aufhören!

Wie können Firmen – oder auch Privatpersonen – euch konkret helfen?

Produktionsbetriebe oder Lebensmittelhändler natürlich mit Lebensmitteln – sei es mit falsch etikettierten, falsch abgefüllten oder kaputten Verpackungen, umgefallenen Paletten. Auch räumlich kann man helfen, indem man uns Leerstände günstig nutzen lässt, bevor sie ewig ungenutzt bleiben. Man kann uns helfen, indem man zeitweise Fahrzeuge zur Verfügung stellt, mit Kühlräumen ... Eigentlich mit allem, wo man sagt: Ich habe da eine Ressource, die ich nicht brauche, die ich entsorgen würde oder die brach liegt. Geldspenden sind natürlich auch willkommen.

Gibt es eine große Vision mit „Together“?

Im letzten Herbst haben wir eher mit lachendem Auge gesagt, dass es bis 2030 in jeder Gemeinde einen Tausch- und Teilraum geben soll – das muss nicht über „Together“ sein, es gibt so viele tolle Initiativen. Jetzt sieht es so aus, also ob es realistisch ist, weil wir so viel Nachfrage haben. Wir wollen ein Bewusstsein dafür schaffen, dass sich jeder einbringen kann. Was man zu viel hat, muss man nicht für den fünften Porsche ausgeben. Unternehmer sollten Teile ihrer Möglichkeiten für sozial relevante Projekte ausgeben, sich in ihren Kreisen überlegen, was das sein könnte. Was kann ich etwa für meine Mitarbeiter machen, damit sie es leichter haben? Es ist so viel Kapazität da, so viele Leute brauchen Hilfe. Da könnte es noch 100 Vereine wie uns geben. Je mehr desto besser!

Julia Petschnig (rechts) und KlagenfurtVerantwortliche Nicky Mandelc im „Together-Point“ in Klagenfurt. © Vanessa Pichler
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