© ÖBB/isochrom
Wirtschaft
03.02.2026

Verantwortung für Generationen

Im Zuge der Koralmbahn-Eröffnung hat advantage Persönlich­keiten und Entschei­dungs­träger:innen aus Süd­österreich zu Wort gebeten: Welche Zukunfts­chancen bringt die neue Verkehrsachse aus Ihrer Sicht?

Nach drei Jahrzehnten Bauzeit und einem Investitions­volumen von rund sechs Milliarden Euro hat die Koralm­bahn am 14. Dezember 2025 offiziell Fahrt aufge­nommen. Die neue Infrastruktur symbolisiert nicht nur ein technisches Meisterwerk, sondern ist auch Impulsgeber für Wirtschaft, Forschung, Bildung, Tourismus und nachhaltige Entwicklung. Kärnten und die Steiermark wachsen zu einem gemeinsamen Wirtschafts- und Lebensraum zusammen – ein Jahrhundertprojekt, das die Verantwortung für kommende Generationen unterstreicht. Im Folgenden teilen Akteur:innen aus Südösterreich ihre Einschätzung zur Entwicklung der Region.

ROBERT GFRERER, Geschäftsführer Silicon Alps Cluster und Präsident Silicon Europe Alliance

„Damit das Zusammenwachsen ein voller Erfolg wird, sollte erstens ein gemeinsamer Hochschul- und Forschungsraum entstehen; gut, dass daran bereits gearbeitet wird. Der zweite wesentliche Erfolgsfaktor ist der intelligente Ausbau der regionalen Zubringerinfrastruktur, ob am Land oder in der Stadt. Die Qualität der Anschlussverbindungen zur neuen Koralmbahn wird über den Erfolg des Projektes entscheiden. Es gibt noch viel zu tun.“

© Daniel Waschnig Photography

INGRID GRITSCHACHER, Präsidentin KSW Landesstelle Kärnten

„Die Koralmbahn kann Türöffner für Innovation und auch ein wichtiger Katalysator für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der nächsten Generation sein. In Kombination mit der gelebten Multikulturalität im AlpenAdria-Raum wird es an uns liegen, die sich bietenden Chancen, aktiv zu ergreifen und die Zukunft mitzugestalten.“

© kk

STEFAN SALZMANN, Bürgermeister St. Paul im Lavanttal

„Für die Gemeinde St. Paul erwarte ich mir Zuzug, Betriebsansiedelungen und eine Positionierung als Treffpunkt zwischen Graz und Klagenfurt. Ein ,Brain Gain‘ mit gut ausgebildeten Rückkehrer:innen aus den Städten und aus dem Ausland ist zu erwarten. Mit hoher Lebensqualität im Grünen wohnen, und per Zug im urbanen Raum arbeiten, ein Lebensmodell der Zukunft!“

© kk

JÜRGEN MANDL, Präsident der WK Kärnten

„Die Koralmbahn macht den gemeinsamen Wirtschaftsraum AREA SÜD zur Realität und rückt Kärnten ins Zentrum wirtschaftlicher Entwicklung. Das stärkt Sichtbarkeit, Reichweite und Wettbewerbsfähigkeit und eröffnet neue Chancen für Unternehmen. Kurze Wege sorgen für mehr Tempo, mehr Innovation und dynamischen Austausch von Wissen, Ideen und Fachkräften.“

© Helge Bauer

CHRISTA ZENGERER, Geschäftsführerin AC Styria

„Die Koralmbahn verbindet nicht nur Regionen, sondern stärkt auch die Vernetzung von Wirtschaft und Forschung. Sie öffnet neue Wege für den Austausch zwischen Menschen und Unternehmen und leistet damit einen aktiven Beitrag für eine wettbewerbsfähige Zukunft unseres Wirtschaftsraums.“

© ACstyria

GÜNTHER GOACH, Präsident der AK Kärnten

„Als AK-Präsident sehe ich in der Koralmbahn eine Verantwortung für Generationen: Sie bringt für den Lebens-, Bildungs-, Forschungs- und Arbeitsraum Südösterreich eine ausgezeichnete Chance, sich als Region weiterzuentwickeln und sich im nationalen und internationalen Kontext neu zu positionieren. Damit wird die Region attraktiv für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit, für Innovationskraft und Beschäftigung.“

© AK Kärnten/Gernot Gleiss

KARL-HEINZ SNOBE, Geschäftsführer AMS Steiermark

„Die Koralmbahn verbindet Arbeitsmärkte und Regionen. Sie schafft neue Chancen für Fachkräfte, Unternehmen und Forschung. Graz und Klagenfurt rücken zusammen – Pendeln wird attraktiver, Kooperationen einfacher. Ein Meilenstein für nachhaltige Entwicklung und zukunftsfähige Beschäftigung im Süden Österreichs.“

© Chris Zenz

PETER GRANIG, Rektor der Fachhochschule Kärnten

„Die Koralmbahn sehe ich als große Chance für Kärnten, gemeinsam mit der Steiermark, den zweitgrößten Bildungsraum Österreichs zu schaffen. Gerade das berufsbegleitende Studium ist ein Zukunftsmodell, mit dem wir als FH Kärnten seit Jahren punkten. Hier sind wir für ein größeres Einzugsgebiet attraktiv: 45 Minuten, das schafft man auch als Tagespendler zum Studium.“

© FH Kärnten

CHRISTINA HIRSCHL, Geschäftsführerin Silicon Austria Labs (SAL)

„Die Koralmbahn bringt Menschen näher zusammen – auch über Grenzen hinweg. Für SAL als internationaler Arbeitgeber bedeutet sie: bessere Erreichbarkeit, stärkere Vernetzung und neue Chancen, internationale Talente in der Region zu halten und gemeinsam Zukunft zu gestalten.“

© SAL/Sarina Dobernig

ANDREAS PICHLER, Geschäftsführer Logistikcenter Austria Süd (LCA)

„Der historisch gewachsene Logistikstandort Fürnitz tritt durch die Eröffnung der Koralmbahn in eine neue Dimension der internationalen Vernetzung ein. Nur durch gezielte strategische Planung – insbesondere durch eine vorausschauende Flächensicherung – lässt sich das volle Entwicklungspotenzial in Fürnitz realisieren und die wirtschaftliche Entwicklung in Kärnten bestmöglich unterstützen.“

© LCAS

ANDREA KURZ, Rektorin Med Uni Graz

„Die Koralmbahn eröffnet wichtige neue Perspektiven für die Vernetzung von Graz und Klagenfurt. Sie stärkt bestehende Kooperationen in Forschung, Lehre und Patient:innenbetreuung zwischen der Med Uni Graz und dem Klinikum Klagenfurt und schafft die Grundlage für noch engere Zusammenarbeit und innovative gemeinsame Projekte.“

© Med Uni Graz/Lunghammer

MARKUS HORNBÖCK, Geschäftsführer BABEG

„Die Koralmbahn ist ein Meilenstein – sie verbindet nicht nur zwei Bundesländer, sondern schafft eine neue Metropolregion, die für Unternehmen enorm an Attraktivität gewinnt. Mit der BABEG investieren wir gezielt in zukunftsweisende Standorte wie den Technologiepark Lavanttal. Hier entstehen neue Möglichkeiten in den Bereichen Smart Materials und Kreislaufwirtschaft – exakt dort, wo Europa in den kommenden Jahren wachsen wird. Die Koralmbahn bringt dieses Potenzial jetzt direkt auf die Schiene.“

© TINEFOTO.COM | Martin Steinthaler | BABEG

ADA PELLERT, Rektorin der AAU Klagenfurt

„Die Universität Klagenfurt ist schon jetzt attraktiv für steirische Studierende. Durch die Koralmbahn rechnen wir mit einem Aufschwung für unsere Universität – wir werden für Studieninteressierte aus Graz und entlang der Bahnstrecke noch attraktiver. Besonders gut spielen da unsere Stärken mit dem tollen Campus und der ausgezeichneten Betreuungsqualität aus. Außerdem bietet die AAU Studienprogramme an, die es in Graz nicht gibt: Medienund Kommunikationswissenschaften sowie englischsprachige Programme wie „Robotics and Artificial Intelligence“ und „International Business and Economics“.

© aau/Daniel Waschnig

ANDREAS MATTHÄ, CEO der ÖBB Holding AG

„Die Koralmbahn ist die pulsierende Lebensader einer neuen Zukunftsregion: Graz und Klagenfurt wachsen zum zweitgrößten Ballungsraum Österreichs. Für 1,1 Mio. Menschen entstehen Chancen, Märkte und wirtschaftliche Impulse – die Region rückt ins Zentrum Europas und zieht mit den großen Metropolregionen des deutschsprachigen Raums gleich.“

© Tobias Holzer/ÖBB

JÜRGEN KOPEINIG, Geschäftsführer build! Gründungszentrum

„Die Koralmbahn ist nicht nur Infrastrukturprojekt, sondern ein ökonomisches Integrationsprojekt, das mehrere Ökosysteme zu einem leistungsfähigeren, überregionalen Innovationsraum verbindet. Für Startups bedeutet das Zugang zu Talenten und Investoren sowie stärkere Kooperationen. Sie schafft die Basis für ein wachsendes, zukunftsorientiertes Startup-Ökosystem in Kärnten.“

© build! Gründungszentrum/Johannes Puch

ELKE KAHR, Bürgermeisterin der Stadt Graz

„Die Koralmbahn verbindet Graz und Klagenfurt schnell und umweltfreundlich. Sie eröffnet hunderttausenden Menschen in der Region neue Möglichkeiten in den Bereichen Arbeit, Bildung, Forschung. Die Verbindung macht auch viele neue Sport-, Kultur- und Freizeitangebote viel leichter als bisher zugänglich.“

© Stadt Graz / Foto Fischer

JOSEF HERK, Präsident der WKO Steiermark

„Mit der AREA SÜD entsteht im Süden Österreichs die zweitgrößte Wirtschaftsregion unseres Landes. Sie ist eine frische Lebensader, die mehr Miteinander ermöglicht – für unsere Wirtschaft, für die Menschen und insbesondere für die Jugend. Eine lebendige Region mit großem Potential, in der man gerne arbeitet, studiert, investiert und vor allem auch lebt.“

© Oliver Wolf

IRIS STRASSER, Geschäftsführerin Netzwerk „Verantwortung zeigen!“

„Unsere Erfahrung aus 17 Jahren erfolgreicher Netzwerkarbeit im Süden Österreichs zeigt: Es ist eine tolle Region mit starken Unternehmen, die ihre Zukunftsverantwortung leben. Viele Menschen in Graz haben Kärntner Wurzeln – und umgekehrt. Die Koralmbahn verkürzt nun die Wege und macht Chancen sichtbar, die längst bestehen. Wir nutzen sie schon.“

© Verantwortung zeigen!

PETER WEDENIG, Geschäftsführer AMS Kärnten

„Mobilität und Arbeitsmarkt hängen eng zusammen. Die bevorstehende Mobilitätswende im Zuge der Koralmbahn wird somit auch zu einer Wende am Arbeitsmarkt führen. Die neuen Verbindungen eröffnen für Unternehmen und Arbeitsuchende mehr Chancen. Jetzt gilt es, sich gut mit den handelnden Akteur:innen – Institutionen, Gemeinden, Interessensvertretungen etc. – zu vernetzen, um zukunftsgerichtete Rahmenbedingungen zu schaffen.“

© AMS Kärnten

KLAUS KOBAN, CEO Koban Südvers

„Die Koralmbahn eröffnet große Zukunftschancen – sie hat das Potenzial, die Region im Südosten Österreichs zu stärken. Mobilität, Wirtschaft, Wohnund Arbeitsortwahl, Bildung und europäische Vernetzung können von der Koralmbahn massiv profitieren. Dieses Potenzial muss aktiv genutzt werden – regionale Entwicklung, ein attraktiver Arbeits- und Bildungsmarkt und eine Verstärkung des Schienengüterverkehrs sind dafür essenziell.“

© Koban Südvers

WISSENSWERT

130 Kilometer neue Hochleistungsstrecke, davon 47 Tunnelkilometer, über 100 Brücken sowie 23 moderne Bahnhöfe und Haltestellen: Die Koralmbahn verkürzt die Reisezeit zwischen Graz und Klagenfurt auf unter 45 Minuten und ist Teil der neuen Südstrecke.

Herzstück bildet der 33 Kilometer lange Koralmtunnel, der Groß St. Florian bei Deutschlandsberg und St. Paul im Lavanttal mit zwei eingleisigen Röhren und einem Durchmesser von zehn Metern verbindet.

Schlagwörter