© Helge Bauer
Wirtschaft
01.02.2026

Verhaltener Ausblick für Kärntens Industrie

Die aktuelle Konjunktur­umfrage der IV Kärnten, bei der 58 heimische Betriebe befragt wurden, unterstreicht die weiterhin verhaltene Lage. Beschäftigungs­rückgang, Kostendruck und unsichere Rahmen­bedingungen machen de Kärntner Industrie weiterhin zu schaffen.

„Die österreichische Industrie hat zwar die Talsohle durchschritten, von einem echten Aufschwung wird man in diesem Jahr allerdings nicht sprechen können. Und die Ergebnisse der Umfrage unter den Kärntner Industriebetrieben zeigen deutlich, dass wir uns weiterhin in einem Umfeld befinden, das von Kostendruck geprägt ist. Wir brauchen jetzt vor allem Planbarkeit, weniger Bürokratie und verlässliche Rahmenbedingungen, damit Investitionen und Beschäftigung wieder nachhaltig gestärkt werden können“, sagt Timo Springer, Präsident der Industriellenvereinigung Kärnten. Erste Signale in diese Richtung würden im Rahmen der Industriestrategie kommen. „Die Ankündigung eines Industriestrompreises ab 2027 lässt hoffen. Die Verlängerung der Strompreiskompensation ist positiv zu bewerten. Planbare Energiepreise sind eine Grundvoraussetzung, um Investitionen am Standort abzusichern. Und auch das Bekenntnis zu Forschung, Technologie und Innovation ist wichtig“, erklärt Springer.

„Wir brauchen jetzt vor allem Planbarkeit, weniger Bürokratie und verlässliche Rahmenbedingungen, damit Investitionen und Beschäftigung wieder nachhaltig gestärkt werden können“

Timo Springer, Präsident der IV Kärnten.

Konjunkturumfrage

Für das vierte Quartal 2025 zeig die Konjunkturumfrage der Industriellenvereinigung Kärnten eine verhaltene Lage in der Kärntner Industrie. Die Auftragslage sei stabil, aber ohne spürbare Dynamik. Teilgenommen haben 58 Unternehmen mit rund 19.000 Beschäftigten. Die Ergebnisse zeigen vorsichtigen Optimismus für die nächsten sechs Monate. „73 Prozent der Kärntner Industrieunternehmen bewerten die aktuelle Geschäftslage derzeit als durchschnittlich, 21 Prozent als schlecht und nur 6 Prozent als gut. Für die kommenden sechs Monate fällt der Ausblick zumindest etwas positiver aus: 84 Prozent erwarten eine durchschnittliche Entwicklung, 11 Prozent eine gute Geschäftslage und lediglich 5 Prozent rechnen mit einer Verschlechterung“, erläutert Claudia Mischensky, Geschäftsführerin der Industriellenvereinigung Kärnten.

Vorsichtig optimistisch

Die Ertragssituation wird aktuell von 52 Prozent der Unternehmen als schlecht, von 42 Prozent als durchschnittlich und von sechs Prozent als gut bewertet. In den kommenden sechs Monaten dürfte sich die Lage entspannen. Dann rechnen 37 Prozent mit einer guten Ertragssituation, 59 Prozent mit einer durchschnittlichen und nur noch vier Prozent mit einer schlechten. „Trotz der aktuell schwierigen Lage gibt es vorsichtige Erwartungen in Richtung einer leichten Entspannung, wohl auch durch eine mögliche Entlastung bei Kosten und Rahmenbedingungen, welche die gerade präsentierte Industriestrategie bringen soll“, so Mischensky.

Beschäftigungszahlen

„Was wir aktuell sehen, ist eine klare Fortsetzung der Stagnation mit nur einem Hauch von Optimismus in Bezug auf die Ertragslage in den kommenden sechs Monaten“, sagt Mischensky. Das wirke sich unmittelbar auf Investitionen und Beschäftigung aus. „Es ist alarmierend, dass noch immer mehr als die Hälfte der Kärntner Industriebetriebe in den kommenden drei Monaten mit einem Rückgang der Beschäftigtenzahl rechnen.“

Preise und Konjunktur

Die Produktion zeigt sich stabil. 77 Prozent erwarten eine gleichbleibende Produktion, 19 Prozent eine sinkende und vier Prozent eine steigende Entwicklung. Bei den Verkaufspreisen überwiegt ebenfalls Stabilität. 83 Prozent rechnen mit gleichbleibenden Preisen. Auf die Frage, ab wann Unternehmen in ihrer Branche mit einer spürbaren Verbesserung der Konjunktur rechnen, erklären 30 Prozent, dass es nicht absehbar sei. Mit einer Verbesserung bereits im ersten Halbjahr 2026 rechnen nur zwei Prozent.

Große Herausforderungen

In Zeiten multipler Krisen zeige sich, dass es auf jedes Problem eine konkrete Antwort braucht. Die Antwort auf neue Zölle sei die Umsetzung des Binnenmarktes Europa. Die Antwort auf Regulierung sei die konsequente Deregulierung. „Der Standort leidet unter einer stetig wachsenden Regulierungsdichte, die Innovation hemmt und Investitionen verzögert“, sagt Springer. Auf die Inflation gebe es aus seiner Sicht ebenfalls eine konkrete Antwort: „Keine neuen Steuern und Gebühren.“ Denn jede zusätzliche Belastung treffe am Ende Betriebe und Konsumenten gleichermaßen. Dem Green Deal müsse man mit Technologieoffenheit begegnen. Und bei den Pensionen brauche es einen Automatismus wie in Italien, denn ein zukunftssicheres Pensionssystem erfordere Planbarkeit.

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