Mario Theissl
© THEISSL systems
Im Interview mit advantage gibt Unternehmensgründer Mario Theissl Einblick in den Weg von der Idee zur Innovation – und in eine Zukunft, die Technik und Verantwortung verbindet.
advantage: Wie kam es zur Gründung von THEISSL systems?
Mario Theissl: Neben meinem Masterstudium war ich mehrere Jahre lang als Projektmitarbeiter an der TU Graz am Institut für Maschinenelemente und Entwicklungsmethodik tätig. Nach Abschluss des Studiums habe ich direkt als Universitätsassistent, also mit dem Doktorat, begonnen. Und bin jetzt noch dabei – weil 2021 die Gründung von THEISSL systems dazwischengekommen ist. (lacht) Das Unternehmen entstand quasi aus dem Doktoratsthema heraus: Im Zuge meiner Masterarbeit wurde meine Technologie – ein minimalinvasiver Strömungssensor zur Messung des Ölangebots in einem Getriebe – von der TU Graz zum Patent eingereicht und schließlich das Patent dazu erteilt. In dieser Zeit war ich schon mitten in der Dissertation. Die TU bot mir zwei Möglichkeiten an: Entweder, das Patent zu veräußern oder mich damit selbstständig zu machen, sprich, es selbst zu verwerten. Ich habe mich für Letzteres entschieden. Das war der Startschuss für THEISSL systems.
Mario Theissl
© THEISSL systems
Welche Bereiche umfasst der Betrieb aktuell und wie groß ist Ihr Team?
Unsere Kernkompetenz liegt in der Forschung, Entwicklung und Produktion minimalinvasiver, drahtloser und kabelgebundener Sensorsysteme zur Temperatur-, Strömungs- und Flüssigkeitsverteilungsmessung für die Automobilindustrie. Aktuell haben wir 13 Mitarbeiter:innen, davon rund acht Vollzeitequivalente. Viele unserer Mitarbeitenden arbeiten Teilzeit, weil sie Studierende sind und demnächst mit dem Studium fertig werden.
Was unterscheidet THEISSL systems vom Mitbewerb?
Um es möglichst kurz zu formulieren: Wir machen Messtechnik, mit der man Temperatur und Drehmoment messen kann. Diese Technik gibt es von anderen Herstellern auch. Allerdings ist diese meist formgebunden – sprich, die Automobilhersteller müssen erst eigene Gehäuse herstellen, um die Messtechnik unterzubringen. Wir wiederum bauen unsere Technik individuell und so klein wie möglich – so dass der Kunde nichts an seinen Bauteilen verändern muss, um sie integrieren zu können. Das nennt man minimalinvasive, projektspezifische Messtechnik. Der Bauraum wird bei jedem Projekt neu angepasst. Als erster Schritt erfolgt eine Machbarkeitsanalyse, erst dann folgt das Angebot. Dann wird die Messtechnik basierend auf den Bauteilen des Kunden gefertigt und bei uns im Haus geprüft.
Schließlich schickt uns der Kunde dann seine Bauteile zum Test – so können wir garantieren, dass alles zu 100 % funktioniert. Danach schicken wir die Teile zum Kunden und helfen beim Zusammenbau und bei der Inbetriebnahme. So ist er nie auf sich alleine gestellt und hat stets unsere Unterstützung. Das ist so sicher nicht gewöhnlich. Dazu kommen weitere Spezifikationen wie extrem temperaturbeständige Materialien, die wir für unsere Messtechnik verwenden – und nicht zuletzt die Kompetenz, die dahintersteckt.
„Nachhaltigkeit macht einen großen Teil unserer Firmenphilosophie aus.“
THEISSL systems war 2024 der erste Betrieb, der den Spatenstich im neuen Koralmpark – gegenüber des Bahnhofes Weststeiermark – gesetzt hat. Warum ein neuer Standort?
Wir haben als Spin-Off der TU Graz gestartet, sind durch unseren Kooperationsvertrag hier als Unternehmen integriert und haben auch Flächen von der TU gemietet. Aktuell sind das 150 m2 Betriebsfläche – was viel zu wenig ist. Wir werden diesen Standort auch künftig nutzen und als Kooperationslabor mit der TU weiterführen. Das hochmoderne Werk im Koralmpark bietet jedoch mit 1.400 m2 nicht nur viel mehr Platz, sondern auch die Möglichkeit, Innovationen voranzutreiben und unser Wachstum weiter zu forcieren. Der Standort nahe des neuen Bahnhofs Weststeiermark zwischen Graz und Klagenfurt bringt Vorteile auf vielen Ebenen. Dass man beide Städte in kürzester Zeit mit der Bahn erreichen kann, ist nachhaltig und spart Zeit. Damit spricht man auch eine deutlich größere Zielgruppe an Mitarbeiter:innen an.
Welche Rolle spielt Nachhaltigkeit beim Bau des neuen Gebäudes?
Nachhaltigkeit macht einen großen Teil unserer Firmenphilosophie aus. Wir sind auch bei der Green-Deal-Förderung der SFG mit dabei. Diese schreibt vor, dass das Produkt, oder die Dienstleistung, die man vertreibt, klimaneutral ist. Das war mir aber nicht genug. Mein Anspruch war, ein klimaneutrales bzw. emissionsfreies Firmengebäude zu bauen. Und das schaffen wir auch: Durch das ausgeklügelte Energiemanagement des Standorts wird die Energie der Photovoltaik-Module am Dach und der Batteriespeicher für den emissionsfreien Betrieb von Heizung, Kühlung, Lüftung und Produktion genutzt. Der Standort ist außerdem so geplant, dass man ihn in zwei Phasen ausbauen kann, ohne dabei die Grundfläche zu erweitern. Dadurch ist das Gebäude besonders bodenschonend. Und: Um in die Region zu investieren, setzen wir beim Bau bewusst auf Unternehmen aus der Weststeiermark.
ZUR PERSON
Nach der HTL für Maschinenbau und Automatisierungstechnik in Kaindorf an der Sulm absolvierte Mario Theissl diverse Praktika bei Bosch. Es folgte ein ElektrotechnikStudium an der TU Graz, neben dem er als studentischer Mitarbeiter bei AVL Graz in der Sondermesstechnik tätig war. Während des Masterstudiums arbeitete er als Projektmitarbeiter am Institut für Maschinenelemente und Entwicklungsmethodik, wo er seit Abschluss des Studiums als Doktorand tätig ist. 2021 gründete er THEISSL systems in Kooperation mit der TU Graz.