Iris Einöder, Startup Carinthia
© Christian Lendl
Kärnten und die Steiermark entwickeln sich durch die Koralmbahn zu einem gemeinsamen Wirtschafts- und Lebensraum. Eine Dynamik, die auch in der Start-up-Community aufgegriffen wird: Mit STARTUP SOUTH! bündeln das Kärnten Gründungsnetzwerk unter der Federführung von Startup Carinthia und das Ideentriebwerk Graz ihre Kräfte – unterstützt von der Grazer Wirtschaftsabteilung und der Stadt Klagenfurt. Die Vision der neuen Allianz: Start-up-Ökosysteme der Steiermark und Kärntens enger zu verknüpfen und als gemeinsamen, starken Wirtschafts- und Innovationsraum Area Süd sichtbar und wirksam zu machen.
Mit Highspeed zu neuen Ideen
Den Auftakt von STARTUP SOUTH! markierten zwei Events im Jänner 2026, bei denen die Koralmbahn selbst zum Schauplatz wurde: An zwei Terminen reisten Delegationen über die neue Hochleistungsstrecke ins jeweilige Nachbarbundesland, um an Veranstaltungen der Start-up-Community teilzunehmen und diese aktiv mitzugestalten. Dabei fungierten Waggons als „Moving Workspace“, wo in Impuls-Workshops bei rund 200 km/h Ideen für eine gemeinsame STARTUP-SOUTH!-Region entstanden. Anschließend fanden beim ersten Termin in Kärnten das Event „UNTERNEHMA WOS.“ im Makerspace Carinthia und beim zweiten Termin in Graz der „Startup Spritzer“ im Grazer Lendhafen statt, die neben spannenden Pitches und Erfolgsgeschichten Raum zum Austausch und Netzwerken boten.
Iris Einöder, Startup Carinthia
© Christian Lendl
Innovation kennt keine Landesgrenzen
„Die neue Achse Graz-Klagenfurt ist eine große Chance für den Süden. Mit STARTUP SOUTH! nutzen wir die Koralmbahn nicht nur als neue Verbindung zwischen zwei Städten, sondern als Anlass, unsere Start-up-Ökosysteme neu zu denken“, so Iris Einöder, Head of Entrepreneurship Education und Vorstand bei Startup Carinthia und Mitglied des Koordinationsteams im Kärnten Gründungsnetzwerk. „Die Auftaktveranstaltung von STARTUP SOUTH! hat gezeigt, wie groß die Bereitschaft ist, gemeinsam Projekte anzustoßen: Die ersten Kooperationsideen sind bereits im Impuls-Workshop im Zug entstanden. Man spürt, dass der Süden gemeinsam etwas bewegen will.“
Auch Andrea Udier, Präsidentin vom IdeenTriebwerk Graz, freut sich über den Erfolg des neuen Eventformats: „Für viele aus Graz war es das erste Mal, die Kärntner Start-up-Szene so gebündelt zu erleben – und es war großartig. STARTUP SOUTH! hat mit der Auftaktveranstaltung einen starken Startpunkt für die Zusammenarbeit gesetzt. Die Koralmbahn verbindet Steiermark und Kärnten – STARTUP SOUTH! verbindet ihre Ideen. Wir setzen die beiden Bundesländer gemeinsam auf Schiene, damit Innovation künftig keine Landesgrenzen mehr kennt.“
Rückenwind für Gründer:innen
„Die starke Vernetzung von Kärnten und der Steiermark bietet für Start-ups enormes Potenzial: Sie verbindet industrielle Stärken, technologische Exzellenzen und unternehmerische Innovationskraft über Landesgrenzen hinweg. Durch gemeinsame Ökosysteme, geteilte Infrastruktur und den Austausch von Talenten können neue skalierfähige Geschäftsmodelle mit internationaler Strahlkraft entstehen. Es ist ein entscheidender Hebel, um den Wirtschaftsraum Südösterreich nachhaltig zu stärken“, so Sandra Moschitz, Start-up-Coach und Prokuristin im build! Gründungszentrum Kärnten, das seit dem Jahr 2002 innovative Köpfe dabei begleitet, aus Visionen tragfähige Unternehmen zu entwickeln.
Wie effektiv die Unterstützung durch solche Start-up-Förderinstitutionen sein kann, wird anhand konkreter Erfolgsgeschichten sichtbar: Zum Beispiel jener von zeitkapsl – einem Start-up mit Sitz in Klagenfurt, das eindrucksvoll beweist, wie Technik und Nachhaltigkeit Hand in Hand gehen. Die Entwicklungsreise des Unternehmens führte durch die Inkubationsprogramme MOVE und RUN des build! Gründungszentrums – individuell begleitet durch einen erfahrenen Start-up-Coach.
Andrea Udier, Ideentriebwerk Graz
© Ideentriebwerk
Technologie trifft Verantwortung
Aus dieser intensiven Aufbauphase heraus entstand 2023 schließlich zeitkapsl, gegründet von Peter Spiess-Knafl und Oliver Selinger. Die Datenschutz-Experten widmen sich mit ihrem Unternehmen einem hochaktuellen Thema: In einer Zeit wachsender Sensibilität für Datenschutz bietet zeitkapsl eine sichere, europäische Alternative zur Speicherung und Synchronisierung von Fotos und Videos – mit lokaler KI-Suche und Ende-zu-Ende-Verschlüsselung. So bleiben Bilder und Videos vor dem Zugriff großer Tech-Konzerne und Hacker geschützt. „Ich habe Fotos jahrelang auf externen Festplatten gespeichert und viele Self-Hosting-Lösungen ausprobiert. Die Daten bleiben privat, aber es ist unglaublich viel Aufwand“, so Spiess-Knafl.
Mit zeitkapsl will er Privatsphäre für alle ermöglichen – „nicht nur für Technik-Nerds.“ Neben innovativer Technologie setzt zeitkapsl auch auf Nachhaltigkeit: Um den CO₂-Fußabdruck so gering wie möglich zu halten, sind alle Server sowie der primäre Speicher in Rechenzentren gehostet, die zu 100 Prozent mit erneuerbarer Wasserkraft betrieben werden. Zudem sind die Apps so gestaltet, dass sie auch ältere, weniger leistungsfähige Geräte unterstützen – ein bewusster Beitrag zur Reduktion von Elektroschrott.
Fruchtbarer Boden für grüne Technologien
Auch ein Blick in die steirische Start-up-Szene macht die Innovationskraft Südösterreichs sichtbar. Ein prägnantes Beispiel aus dem Green-Tech-Sektor liefern Tobias Kopp, Jürgen Abraham und Chris Pichler mit ihrem Start-up ProtectLib: 2024 gegründet, setzt sich das Unternehmen für das fachgerechte Recycling von Lithium-Ionen-Batterien ein. Über ein vollautomatisches Schreddersystem werden Lithium-Ionen-Batterien ohne manuelle Vorarbeit sicher und vor Ort zerkleinert – selbst im geladenen Zustand. Die Technologie verhindert Brandrisiken und gewinnt wertvolle Rohstoffe wie Lithium, Kobalt und Nickel umweltschonend zurück. Ein weiteres, vielversprechendes Konzept aus der Greentech-Szene wurde beim Startup Spritzer im Jänner in Graz präsentiert: Das Team von Power Cue arbeitet an einer smarten Plug-and-Play-Steckdose, die Geräte automatisch dann einschaltet, wenn der Strompreis am günstigsten ist – ein intelligenter Weg, um im Alltag Energiekosten zu sparen.
Sandra Moschitz, build! Gründungszentrum
© Johannes Puch
WISSENSWERT
1.–10.: Bei der Anreise zu „UNTERNEHMA WOS“ wurde die Koralmbahn zum „Moving Workspace“. © Start-up Carinthia, Herbert Mirnig
11. Beim Start-up Spritzer #105 in Graz gab sich diesmal auch die Kärntner Start-up-Community ein Stelldichein. © André Fritz