„Wohnbau ist weit mehr als nur Infrastruktur, er ist ein zentraler Motor für die wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes."
Wie Kärnten den Wohnungsmarkt neu ausrichtet
Wer heute entlang der Achse der Koralmbahn unterwegs ist, spürt bereits die Dynamik, die den Süden Österreichs verändert. Zwischen Wolfsberg, Klagenfurt und Villach entsteht ein neuer wirtschaftlicher Raum – und mit ihm wächst der Druck auf den Wohnungsmarkt. Kärnten reagiert darauf mit einer Strategie, die Wohnen nicht nur als soziale Frage versteht, sondern als zentralen Bestandteil der Standortentwicklung. „Wohnbau ist weit mehr als nur Infrastruktur, er ist ein zentraler Motor für die wirtschaftliche Entwicklung unseres Landes", betont Landeshauptmann Daniel Fellner. Gerade im Zuge der neuen wirtschaftlichen Chancen müsse sichergestellt werden, dass ausreichend leistbarer Wohnraum entstehe.
Wachstumsfaktor Wohnen
Im Zentrum steht eine deutliche Ausweitung der Bautätigkeit. Während in den vergangenen Jahren rund 300 neue Wohneinheiten jährlich realisiert wurden, sollen es bis 2028 etwa 500 pro Jahr sein. Allein 2026 werden über 500 geförderte Wohnungen umgesetzt, getragen von Investitionen in Höhe von mehr als 80 Mio. Euro. Dahinter steht ein bewusst gewählter Mix aus Neubau, Sanierung, Eigentumsförderung und direkten Unterstützungsleistungen.
Sozialer Wohnbau im Fokus
Ein stabilisierender Faktor bleibt der gemeinnützige Wohnbau. Rund zwei Drittel der Mietwohnungen in Kärnten werden von gemeinnützigen Bauträgern verwaltet – ein Umstand, der sich direkt auf das Preisniveau auswirkt. Die Mieten liegen dadurch spürbar unter dem österreichischen Durchschnitt. Seit 2018 sind mehrere tausend neue gemeinnützige Wohnungen entstanden, eine Entwicklung, die weitergeführt werden soll. Parallel dazu setzt das Land auf gezielte soziale Entlastung. Mit der „Wohnbeihilfe Neu" wurde ein Instrument geschaffen, das stärker auf individuelle Lebensrealitäten eingeht. Neben klassischen Zielgruppen wie Alleinerziehenden oder Pensionist:innen profitieren erstmals auch Eigentümer:innen mit geringem Einkommen. „Unser Zugang ist klar: Leistbares Wohnen darf kein Privileg sein", unterstreicht Wohnbaureferentin und Landeshauptmannstellvertreterin Gaby Schaunig. Die Maßnahmen sollen sich konsequent an den realen Bedürfnissen der Menschen orientieren. Auch im Eigentumssegment versucht Kärnten gegenzusteuern. Leistbare Modelle sollen breiteren Bevölkerungsschichten den Zugang zu Eigentum ermöglichen und gleichzeitig spekulative Entwicklungen eindämmen. „Wir schaffen Angebote, die sich an den tatsächlichen Wohnbedarf richten und nicht an kurzfristigen Renditeerwartungen", so Schaunig. Ein oft unterschätzter Hebel liegt im Bestand. Ein großer Teil der Gebäude ist sanierungsbedürftig – und genau hier setzt die Wohnpolitik verstärkt an. Förderungen von bis zu 50 Prozent der Kosten sollen Investitionen anstoßen, die nicht nur die Wohnqualität verbessern, sondern auch Energieverbrauch und Betriebskosten senken. „Damit verbinden wir leistbares Wohnen mit Klimaschutz und stärken gleichzeitig die regionale Wirtschaft", hält Fellner fest.