Umwelt

Wildeinfluss und Klimawandel

Beides bewirkt Prozesse, die begrenzt wahrgenommen und in den Auswirkungen unterschätzt werden. Waldwirtschaft und Jagd setzen verstärkt auf Dialog und klare Ziele.

Die Sturmschäden und Käferkala­mitäten der letzten Jahre sind die sichtbaren Auswirkungen der Klimaänderung auf den Wald. Extremer­eignisse, steigende Temperaturen und ausbleibende Niederschläge sind in deren Häufigkeit bzw. Intensität nach wie vor kaum abschätzbar. Aus forstlicher Sicht ist es notwendig, dass sich die Wiederbewaldung noch mehr als bisher an den natürlichen Waldgesellschaften orientiert. Konkret sind künftig z. B. mehr (Laub-)Mischbaumarten wie die Eiche in den tieferen Lagen oder mehr tieferwurzelnde Tannen in den mittleren Lagen erforderlich. Nur so wird es möglich sein, die positiven Wirkungen des Waldes aufrecht zu erhalten. Dabei ist möglichst der Naturverjüngung der Vorzug zu geben. Neben der höheren genetischen Vielfalt und den ­besseren Qualitäten beim Laubholz, das aus dichter Naturverjüngung hervorgeht, spricht vor allem der Kostenfaktor eindeutig für diese nachhaltige Form der Waldverjüngung.

Mischbaumarten chancenlos

Die Erhebungen, die vom Bundesamt und Forschungszentrum für Wald durchgeführt wurden, zeigen jedoch, dass 55 % der Verjüngungsflächen in Kärnten einem starken Wildeinfluss ausgesetzt sind. Dieser führt dazu, dass die Anzahl der wertvollen Mischbaumarten wie Tanne, Eiche oder Ahorn mit zunehmender Höhe der Verjüngung immer geringer wird. Vielerorts fallen diese sogar zur Gänze aus. Durch den Verbiss der Keimlinge wird der Wildeinfluss noch zusätzlich unterschätzt. Mischwälder durch Natur­verjüngung sind unter solchen Bedingungen vielerorts nicht erzielbar. „Die künstliche Begründung von Mischwäldern ist wirtschaftlich nicht vertretbar. Ein Betrieb mit 100 Hektar Wald müsste dafür inklusive der notwendigen Schutzmaßnahmen jährlich mindestens rd. 6.000 Euro aufwenden bzw. eine Einkommensminderung von 500 Euro pro Monat in Kauf nehmen“, verweist der Leiter des Forstreferates der LK Kärnten, Dipl.-Ing. Günther Kuneth, auf die betriebswirtschaftlichen Grenzen für die Waldbesitzer.

Hin- und nicht wegschauen

„Den Grundeigentümern, aber auch den Jägern, sind die Auswirkungen des Wildeinflusses oft nicht bewusst, Jäger neigen gerne auch dazu, diese zu negieren oder kleinzu­reden“, bringt Landwirtschafskammerpräsident ÖR Ing. Johann Mößler die Problematik auf den Punkt. Es sei daher notwendig, den Forst- und Jagddialog verstärkt an der Basis zu leben. „Hinschauen, bewerten, die richtigen Schlussfolgerungen ziehen und klare Ziele formulieren ist das Gebot der Stunde“, sagt Mößler. In der Praxis sind dafür kleine gezäunte Flächen sehr hilfreich, die unterschiedliche Entwicklung der Waldverjüngung im Zaun und außerhalb des Zaunes sichtbar. Nur so ist es möglich, die Folgen des Wildeinflusses besser und objektiver einzuschätzen. Eine systematische Wildeinflusserhebung mit Hilfe von Stichproben wäre im Sinne einer nachhaltigen Jagd- und Forstwirtschaft eine weitere und noch bessere Möglichkeit, um den aktuellen Zustand der Waldverjüngung zu erfassen, die Diskussion zu versachlichen und eine neue Qualität in der Wald-Wild-Diskussion zu erzielen.

Zaunflächen zeigen den Unterschied

Ein aktuell erstelltes Kurzvideo der Landwirtschaftskammer Kärnten zeigt die Errichtung einer solchen Zaunfläche und den Unterschied der Waldverjüngung im Zaun und außerhalb desselben. Es soll dazu beitragen, dass vermehrt solche „Weiserflächen“ eingerichtet werden, die allen Beteiligten – Grundeigentümern und Jägern – hilft, eine nachhaltige Wald- und Jagdwirtschaft sicherzustellen. „Angesichts des Klimawandels braucht es den Forst- und Jagddialog umso mehr. Es ist ein wichtiger Schritt, um langfristig sicherzustellen, dass Wald und Wild im Einklang stehen und dem gesetzlichen Auftrag eines geordneten Jagdbetriebes entsprochen wird“, sagt Mößler.

Jagd ist auch Verantwortung

Das Bemühen der Jäger muss daher sein, waldgefährdende Wildschäden zu vermeiden und einen Wildbestand zu haben, der der Tragfähigkeit des Lebensraums angepasst ist. Dies stellt für die Kärntner Jägerinnen und Jäger eine große Herausforderung dar. Vor allem auch deshalb, weil die Bejagung durch die Vielfachnutzung der Wildlebensräume durch Tourismus und Freizeitaktivitäten zunehmend erschwert ist. „Angesichts des Klimawandels muss es dennoch das erklärte Ziel sein, dass sich die Wälder und insbesondere auch die Mischbaumarten auf natür­liche Weise verjüngen können. „Denn Jagd ist nicht nur Freude, Jagd ist vor allem auch Verantwortung, die wahrgenommen werden muss“, sagt Präsident Mößler.

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