© Daniel Waschnig Photography
Wirtschaft
09.05.2022

"Wir brauchen den Technologie-Mix"

Die Kelag wird bis 2030 zwei bis drei Milliarden Euro in den Ausbau erneuerbarer Energieträger investieren, erklärt Kelag-Vorstandssprecher DI Manfred Freitag im Interview.

advantage: In welche Bereiche werden die Mittel investiert?

Manfred Freitag: In alle erneuerbaren Energieträger. Wir sanieren und verbessern unsere Wasserkraftwerke und werden Wind- und Photovoltaikanlagen errichten. Wir brauchen den Technologie-Mix, um den politischen Willen, Klimaneutralität zu erreichen, umsetzen zu können. Es wird aber nicht ohne Unterstützung der Politik und Behörden gehen. Kärnten deckt derzeit 55 Prozent des Gesamtenergiebedarfs mit Erneuerbaren ab. Zu den geforderten 100 Prozent ist es noch ein weiter Weg.

Was erwarten Sie von Politik und Behörden?

Klimaneutralität ist ein globales Thema, daraus wurden die europäischen Ziele formuliert, die wiederum auf Bundesebene definiert, aber nicht auf die Bundesländer heruntergebrochen wurden. Die Widmungsverfahren finden aber in den Ländern statt. Und hier brauche ich faire gesetzliche Rahmenbedingungen und zügige Verfahren. Ich nenne Ihnen ein Beispiel: Es konnte ein endlich genehmigtes Projekt nicht umgesetzt werden, weil es den Gerätetyp auf dem Markt nicht mehr gab. Und so muss das Procedere von vorn beginnen. Auf diese Weise werden wir die Ziele, die uns die Politik vorgibt, nicht erreichen können.

Welche Rahmenbedingungen finden Sie derzeit vor?

Es wird immer schwieriger, Flächen für Photovoltaik- und Windkraftanlagen zu finden und Genehmigungen zu bekommen. In anderen Bundesländern gibt es beispielsweise Zonenverordnungen, in denen genau festgelegt ist, wo man um die Genehmigung für eine Windkraftanlage, wo für eine PV-Anlage ansuchen kann. Danach kann man sich richten. Das wäre auch für Kärnten wünschenswert. Dafür haben wir in Kärnten eine Besonderheit: die Windkraftstandorträumeverordnung. Sie besagt, dass von einem bestimmten Punkt aus einer bestimmten Entfernung die Anlage nicht gesehen werden darf. Darüber hinaus ist das Landschaftsbild in der ­Landesverfassung verankert.

Könnte Kärnten auf Windkraft verzichten und Photovoltaik-Anlagen nur auf Dächern bauen?

Zweimal nein. Unsere Kunden brauchen das ganze Jahr durchgängig elektrische Energie und solange es noch keine wirtschaftlich vertretbaren Speicher – abgesehen von unseren Speicherkraftwerken – gibt, muss ich dann Strom erzeugen, wenn unsere Kunden ihn brauchen. Photovoltaik und die Wasserkraftwerke liefern Strom vor allem im Sommer, die Windkraft produziert vorrangig im Winter, daher brauche ich einen gewissen Anteil an Windenergie.

Und zu den Dachflächen?

Erstens gibt nicht genügend davon, das geht sich rein mathematisch nicht aus, und zweitens sind nicht alle Dachflächen technisch geeignet. Das Dach muss auch vollkommen intakt sein und mindestens weitere zehn Jahre wartungsfrei intakt bleiben. Abgesehen davon kostet die Errichtung von Photovoltaik-Anlagen auf Freiflächen die Hälfte. Und die Errichtungskosten haben natürlich Einfluss auf den Strompreis.

Wie wird sich der Stromverbrauch in den nächsten Jahren entwickeln?

Er wird steigen. Ich muss fossile Energie ersetzen, in den Haushalten und im ­Verkehr. Und das Substitut wird in vielen Fällen elektrische Energie sein.

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