© WKK, Helge Bauer
Wirtschaft
27.02.2025

Wirtschaft hat die Wahl

Kärntens Unternehmen kämpfen mit Bürokratie, hohen Abgaben und dem Fachkräfte­mangel, warnt WK-Präsident Jürgen Mandl. Er fordert Entlastungen, schnellere Genehmi­gungen und eine wirtschafts­freundlichere Politik.

Herr Präsident, die Wirtschaft steht unter Druck. Wo sehen Sie die größten Herausforderungen?

Jürgen Mandl: Kärnten befindet sich – wie ganz Österreich – in einer Rezession. Besonders betroffen sind Klein- und Mittelbetriebe, die unter der enormen Bürokratie, den hohen Steuern und Lohnnebenkosten sowie dem akuten Fachkräftemangel leiden. Viele Unternehmer:innen berichten, dass sie mehr Zeit mit Vorschriften, Dokumentationen und Berichtspflichten verbringen als mit ihrem eigentlichen Geschäft. Das kann so nicht weitergehen. Wenn wir die Betriebe nicht rasch entlasten, gefährden wir Investitionen, Arbeitsplätze und langfristig den Wohlstand unseres Landes.

Warum ist gerade jetzt Optimismus so wichtig?

Optimismus ist nicht naiv, sondern notwendig. Karl Popper sagte: „Optimismus ist eine Pflicht.“ Und er hatte Recht! Wenn wir nicht an die Zukunft glauben, wer dann? Unternehmer:innen müssen vorangehen, anpacken und gestalten. Jammern hilft niemandem – Handeln schon. Trotz aller Herausforderungen gibt es in Kärnten beeindruckende Erfolgsgeschichten. Viele Unternehmer:innen finden kreative Lösungen, gründen neue Firmen und schaffen Arbeitsplätze. Das ist genau die Mentalität, die wir brauchen.

Viele Unternehmer:innen klagen über überbordende Bürokratie. Was sind die Folgen dieser Entwicklung?

Die Wirtschaftskammer Kärnten hat schon vor mehr als zehn Jahren mit der Initiative „Schluss mit Schikanen“ den Kampf gegen die überbordende Regulierungswut in Kärnten aufgenommen. Die Wirtschaftsombudsstelle, die Kärntner Betriebe bei schwierigen Behördenverfahren unterstützt, ist daraus entstanden, und auch aktuell zeigen wir wieder auf einer eigenen Website mit haarsträubenden Bürokratiebeispielen aus dem Unternehmeralltag auf, was in der Verwaltung schiefläuft. Schon vor vielen Wochen haben wir dem Land Kärnten mehr als 80 detailliert ausgearbeitete Reformvorschläge vorgelegt. Doch die Politik reagiert oft zu langsam. Aktuell machen wir gerade gegen die ORF-Haushaltsabgabe mobil, die Unternehmer:innen oft gleich mehrfach zahlen müssen. Da wiehert der Amtsschimmel, das ist inakzeptabel.

„Unternehmerinnen und Unter­nehmer brauchen eine starke Stimme gegen­über Politik und Verwal­tung, sonst hören sie uns nicht zu.“

Jürgen Mandl
Viele junge Menschen fordern mehr Freizeit und Work-LifeBalance. Stehen Leistung und Lebensqualität in Konkurrenz zueinander?

Ich verstehe den Wunsch nach mehr Freizeit und einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben. Aber ich warne davor, Arbeit als Last oder gar als Gegensatz zum Leben zu sehen – sie ist Teil unserer Identität. Österreichs Wohlstand basiert auf der Leistungsbereitschaft früherer Generationen. Wenn wir diesen Standard halten wollen, müssen wir uns fragen: Wer finanziert unser Sozialsystem, wenn immer weniger Menschen Vollzeit arbeiten?

Ist Unternehmertum heute schwieriger als früher?

Nicht schwieriger, aber anders. Die Herausforderungen haben sich verändert, aber der Unternehmergeist lebt. Trotz unsicherer Zeiten haben 2.225 Kärntner:innen im Jahr 2024 den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Die allermeisten tun das nicht aus Mangel an Alternativen, sondern aus Überzeugung. Selbstständigkeit ermöglicht es, eigene Ideen zu verwirklichen und die Zukunft aktiv mitzugestalten.

Mitte Dezember geht die Koralmbahn in Vollbetrieb. Welche Chancen bringt die AREA Süd für Kärnten?

Die Koralmbahn katapultiert Kärnten wirtschaftlich in eine neue Ära. Durch die neue Hochleistungsstrecke rücken Kärnten und die Steiermark enger zusammen – unter der gemeinsamen Dachmarke „AREA Süd“ entsteht ein neuer Ballungsraum mit 1,8 Mio. Menschen, 770.000 Beschäftigten und knapp 150.000 Unternehmen, was neben höherem Wachstum und stärkerem Zuzug auch die Chance verspricht, Kärnten zur dynamischen Logistikdrehscheibe im Alpen-Adria-Raum zu entwickeln. Jetzt liegt es an der Politik, diese einmalige Chance nicht zu verpassen. Die Rahmenbedingungen müssen stimmen, damit sich Unternehmen ansiedeln und Investitionen fließen. Sonst fährt der Zug ohne uns ab.

„Wenn wir die Betriebe nicht rasch ent­lasten, gefährden wir Investi­tionen, Arbeits­plätze und lang­fristig den Wohlstand unseres Landes.“

Jürgen Mandl
Was erwarten Sie von der nächsten Bundesregierung?

Eine unternehmerfreundliche, pragmatische und zukunftsorientierte Politik. Österreich braucht dringend Reformen am Arbeitsmarkt, in der Steuerpolitik und bei der Bürokratie. Leistung muss sich wieder lohnen. Weniger Belastungen, eine schlankere Verwaltung und ein investitionsfreundliches Umfeld sind Voraussetzungen für eine Rückkehr aus der Rezession. Die Regierung muss klare Signale setzen, dass sie Wirtschaft und Industrie nicht als Gegner, sondern als Partner betrachtet. Jetzt ist nicht die Zeit für politisches Klein-Klein, sondern für mutige Entscheidungen.

Warum ist die Wirtschaftskammerwahl am 12. und 13. März so wichtig?

Unternehmerinnen und Unternehmer brauchen eine starke Stimme gegenüber Politik und Verwaltung, sonst hören sie uns nicht zu. Und eine kompetente Service- und Anlaufstelle für alle Fragen, die in einem Unternehmerleben zwischen Gründung und Übergabe auftauchen können. Jede Wählerin, jeder Wähler zählt. Ich sage es ganz deutlich: Die Zukunft des Wirtschaftsstandortes hängt auch von einer starken Interessenvertretung ab.

Schlagwörter