„Bildung ist und bleibt ein zentraler Türöffner – für Menschen jeden Alters ebenso wie für ein innovatives, zukunftsfähiges Kärnten.“
Wissen als Ressource fürs Leben
Man lernt nie aus: Eine Redewendung, die selten so aktuell war wie heute. Erwachsenenbildung ist mittlerweile zu einem zentralen Pfeiler für Wirtschaft und Gesellschaft geworden – nicht nur in Österreich. Dass Bildung im Erwachsenenalter dabei weit über den Arbeitsmarkt hinauswirkt, belegen unter anderem die EAEA Country Reports, die einen zivilgesellschaftlichen Blick auf aktuelle Entwicklungen in der Erwachsenenbildung (ALE) in Europa liefern. Die Analyse 2025 zeigt: Erwachsenenbildungsinstitutionen liefern einen messbaren gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Mehrwert. Sie tragen zur digitalen und grünen Transformation bei, fördern soziale und demokratische Teilhabe – und nicht zuletzt das Wohlbefinden und die Gesundheit der Lernenden.
„Unsere Welt verändert sich rasant – dabei ist das lebenslange Lernen eine zentrale Säule unserer Gesellschaft“, so Landesrat Peter Reichmann, Referent für Erwachsenenbildung in Kärnten. „Bildung ist und bleibt der Schlüssel zu einem guten Leben. Erwachsenenbildung schafft Chancen, eröffnet neue Perspektiven, stärkt die persönliche Entwicklung und fördert den sozialen Zusammenhalt.“ Im österreichweiten Regierungsprogramm zur Erwachsenenbildung wird diese auch als Instrument im Kampf gegen Fake- News und Desinformation oder beim Thema Finanz- und Wirtschaftsbildung sowie der Digitalisierung gesehen. Zudem soll sie dazu dienen, das Kunst- und Kulturleben niederschwellig zu gestalten und die Kulturvermittlung zu stärken. Im Gesundheitsbereich werden Prävention und Gesundheitskompetenz als zentrale Themen genannt.
Zahlen und Perspektiven
Wie breit Erwachsenenbildung in Österreich bereits genutzt wird, zeigt die Adult Education Survey, die alle sechs Jahre durchgeführt wird: Im Zuge der letzten Erhebung 2022/2023 gaben 58 Prozent der Befragten an, innerhalb eines Jahres an Bildungs- oder Weiterbildungsangeboten teilgenommen zu haben, mit 43,4 Prozent Teilnahmequote bei den 55- bis 64-Jährigen (Quelle: Statistik Austria). Ein Blick auf das Ranking der wichtigsten Weiterbildungsthemen der nächsten Jahre ergibt folgendes Bild: An erster Stelle liegt Künstliche Intelligenz, gefolgt von Future Technologies/Green Jobs und IT-Skills. Bei den Weiterbildungsformaten sind reine Präsenztrainings mit 60 Prozent aller geplanten Maßnahmen weiterhin stark vertreten, während Digitale Formate (21 Prozent) und Blended Learning (16 Prozent) stabil bleiben. (Quelle: Weiterbildungsstudie 2025, plattform- erwachsenenbildung.at).
Geistig in Bewegung bleiben
Forschungsergebnisse aus dem Bereich Gerontologie und Bildung zeigen konsistent: Lernen im Alter kann helfen, kognitive Fähigkeiten zu erhalten oder zu stärken, indem es geistige Herausforderungen liefert. In der Wissenschaft spricht man von Konzepten wie der „kognitiven Reserve“: Je aktiver ein Gehirn „trainiert“ wird, desto besser kann es altersbezogenen Veränderungen entgegenwirken. Hier eröffnet Erwachsenenbildung eine breite Palette an Möglichkeiten für unterschiedliche Altersgruppen und Interessen – und fördert neben der geistigen Fitness auch den sozialen Austausch. „Dabei ist völlig egal, ob man sich sportlich, künstlerisch oder handwerklich betätigt. Zentral ist, dass man miteinander etwas tut. Der Mensch ist ein soziales Wesen und braucht für sein körperliches und seelisches Wohlbefinden soziale Kontakte,“ erklärt Johanna Muckenhuber von der Klinischen Abteilung für medizinische Psychologie, Psychosomatik und Psychotherapie der MedUni Graz. „Wichtig ist, dass es möglichst niederschwellige, leicht zugängliche und leistbare Angebote gibt, damit möglichst viele Menschen teilnehmen können. Das erleichtert die Kontaktaufnahme und damit die Chance, andere Leute kennenzulernen.
Im Fokus: Bildung 50+
Um das Bewusstsein für lebenslanges Lernen in der Bevölkerung zu stärken, hat der Bildungshub Kärnten kürzlich die Kampagne „Bildung kennt kein Alter – Neue Perspektiven gewinnen“ ins Leben gerufen, die gezielt Menschen ab 50 anspricht. Im Mittelpunkt der Initiative steht die breite Palette an Weiterbildungs- und Qualifizierungsangeboten im Bildungshub – von berufsbegleitender Weiterbildung und akademischen Formaten bis hin zu Kursen in Digitalisierung, Gesundheit, Sprachen, Kreativität und gesellschaftlicher Bildung. Flexible Lernformen erleichtern den Einstieg und knüpfen gezielt an vorhandene Lebens- und Berufserfahrungen an. „Bildung ist und bleibt ein zentraler Türöffner – für Menschen jeden Alters ebenso wie für ein innovatives, zukunftsfähiges Kärnten“, so Sabine Herlitschka, Präsidentin des Bildungshub Kärnten und Aufsichtsratsvorsitzende der FH Kärnten. „Gerade vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und des steigenden Bedarfs an Fachkräften gewinnen Bildungsangebote für Menschen ab 50 massiv an Bedeutung.“
Als gemeinnütziger Zusammenschluss vereint der Bildungshub Kärnten die zentralen Bildungsakteure des Landes: bfi Kärnten, Die Kärntner Volkshochschulen, FH Kärnten, die Universität Klagenfurt, das WIFI Kärnten sowie das Land Kärnten. Ihre enge Kooperation bildet die Basis für innovative Bildungsangebote, die sich an den Bedürfnissen der Lernenden ebenso orientieren wie an den Anforderungen des Arbeitsmarkts. Dabei eröffnen die Mitgliedseinrichtungen vielfältige Bildungswege – für Weiterbildung, Studium oder zur bewussten Neuorientierung in jeder Lebensphase. „In dieser Form ist die Zusammenarbeit österreichweit einzigartig und wird bereits über die Landesgrenzen hinaus als Best-Practice-Modell wahrgenommen. Gemeinsam machen wir Bildungsangebote sichtbarer, nutzen Synergien und übernehmen Verantwortung dafür, Bildung als gemeinsamen Auftrag für Gesellschaft, Wirtschaft und Demokratie weiterzuentwickeln“, erklärt Beate Gfrerer, Vorstandsvorsitzende des Bildungshub und Geschäftsführerin der Kärntner Volkshochschulen, die landesweit jährlich mehr als 3.000 Kurse an über 80 Standorten anbieten.
„Erwachsenenbildung leistet einen zentralen Beitrag zu einer wirtschaftlich gesunden, sozialen und demokratischen Gesellschaft, in der man aufeinander zugeht, einander zuhört und viele Menschen Gestaltungskraft und -macht haben.“
Bildungsnetzwerk Steiermark
Auch Kerstin Slamanig, Geschäftsführerin des Bildungsnetzwerkes Steiermark, ist überzeugt: „Erwachsenenbildung leistet einen zentralen Beitrag zu einer wirtschaftlich gesunden, sozialen und demokratischen Gesellschaft. Einer zukunftsfähigen Gesellschaft, in der man aufeinander zugeht, einander zuhört und viele Menschen Gestaltungskraft und -macht haben, und nicht nur einige wenige.“ Das Bildungsnetzwerk agiert als zentrale Service-, Vernetzungs- und Interessenplattform der Erwachsenenbildung in der Steiermark. Es vernetzt Bildungsakteure, Politik und Öffentlichkeit über regionale, nationale und europäische Ebenen hinweg, stärkt Kooperationen und liefert Impulse zur strategischen Weiterentwicklung des lebenslangen Lernens. Zugleich macht es Vielfalt sichtbar, informiert am Weiterbildungsnavi Steiermark unter www.erwachsenenbildung-steiermark.at unabhängig über Angebote und tritt für Bildung als Grundlage von Teilhabe, Selbstbestimmung und gesellschaftlicher Handlungsfähigkeit ein. Darüber hinaus erhebt das Bildungsnetzwerk jährlich Daten zur Erwachsenenbildung in der Steiermark. Die Auswertung 2025 ergab einen Anstieg der Teilnahmen von zwölf Prozent auf insgesamt 378.374 bei über 100 qualitätsgeprüften Einrichtungen. Auch beim Bildungsportfolio zeigte sich ein Zuwachs von acht Prozent auf 27.744 Angebote.