„Es ist unglaublich wichtig, dass wir in einem Schulterschluss den immensen Herausforderungen gemeinsam begegnen.“
WK: Kärnten startet „ImpulsMotor“
Im Rahmen der 22. Investitions- und Konjunkturkonferenz kamen Wirtschaft und Politik kürzlich in der Wirtschaftskammer für einen intensiven Austausch zur aktuellen Wirtschaftslage zusammen. Im Zentrum der Konferenz stand das Konjunktur- und Investitionsbarometer der Wirtschaftskammer – ein Instrument, das Aufschluss über die wirtschaftliche Lage und zukünftige Entwicklung des Bundeslandes gibt. Die Ergebnisse der Studie basieren auf der Befragung von rund 350 Kärntner Unternehmen. Die zentrale Aussage: Trotz eines leichten Aufwärtstrends bleibt die Lage angespannt.
Zusammenhalt und eine Prise Optimismus
Landeshauptmann Peter Kaiser betonte im Rahmen der Konferenz, dass angesichts der schwierigen Situation in allen Branchen der Zusammenhalt zwischen Politik und Wirtschaft von zentraler Bedeutung sei: „Es ist unglaublich wichtig, dass wir in einem Schulterschluss den immensen Herausforderungen gemeinsam begegnen. Eine Prise an Optimismus ist für alle notwendig. Die Politik, welche die Rahmenbedingungen festlegt, wird sich nicht zurücklehnen, sondern diese Herausforderungen offensiv angehen.“
Zwar stagniere die Wirtschaft nach wie vor – diese Phase müsse jedoch überwunden werden. Zentral für Österreich sei dabei vor allem die Stärkung des europäischen Binnenmarkts, wie die aktuelle Exportstatistik zeige. „Zugleich müssen wir den Binnenmarkt gegenüber anderen schützen, die mit weniger nachhaltigen Regeln am europäischen Markt agieren“, so Kaiser, und verwies dabei unter anderem auf asiatische online Plattformen.
Energie und Sicherheit, aber auch Tourismus und Kultur seien ebenfalls Bereiche mit zentraler Bedeutung für die Wettbewerbsfähigkeit, so Kaiser: „Dazu ist der Ausbau und die damit verbundene Stabilisierung der Strominfrastruktur unerlässlich. Genauso wie es wichtig ist, als Grundlage eines friedlichen Europas die Völkerverständigung und den gegenseitigen Respekt mittels Tourismus, Kunst und Kultur zu forcieren.“
Zahlen besser als Gefühlslage
„Politik ist ein ständiger Prozess, so wie auch die Wirtschaft einer ist. Wir passen die Rahmenbedingungen laufend an, um die momentane Situation zu verbessern und es zeigt sich nun ein zarter positiver Trend. In der Befragung der Unternehmen sind die Zahlen und Fakten, also die messbaren Wirtschaftsdaten, besser bewertet, als es die Gefühlslage zum derzeitigen Wirtschaftsklima ist. Wenn wir also mit unterstützenden Maßnahmen vorangehen, und auch den Optimismus schüren, bringen wir unsere Wirtschaft wieder auf stabilen Kurs“, zeigte sich Kaiser optimistisch.
„Wir passen die Rahmenbedingungen laufend an, um die momentane Situation zu verbessern und es zeigt sich nun ein zarter positiver Trend.“
Auch Landesrat Sebastian Schuschnig schloss sich an: „In zahlreichen persönlichen Gesprächen mit unseren Unternehmer:innen vor Ort zeichnet sich nun jedoch ein zunehmend zuversichtliches Stimmungsbild ab. Das zeigt vor allem, dass das Vertrauen in den Standort wieder zunimmt. Der Anstieg der Exportumsätze und erste, wenn auch verhaltene, Investitionen bestätigen diesen positiven Trend. Das stimmt vorsichtig optimistisch.“
Ruf nach konkreten Entlastungen für Unternehmer:innen
Etwas zurückhaltender zeigten sich die Vertreter:innen der Wirtschaftskammer Kärnten. Zwar scheine die Tahlsohle erreicht – von einem Aufschwung könne jedoch noch keine Rede sein. Auch der Arbeitsmarkt sei klar unter Druck: So sehen sich 49 % der Unternehmen gezwungen, Mitarbeiter:innen abzubauen. Als Hauptgründe werden die konjunkturelle Abkühlung (92 %) und hohe Arbeitskosten (70 %) genannt. Gleichzeitig erwarten 44 % der Unternehmen steigende Preise. Wesentliche Treiber sind Löhne und Gehälter (86 %) sowie Energie- und Rohstoffpreise (68 % bzw. 59 %).
„Aktuelle Daten geben Anlass zu vorsichtigem Optimismus, aber noch keinen Grund zum Aufatmen.“
Daher forderte die Wirtschaftskammer rasche politische Entlastungsmaßnahmen. „Die heimische Wirtschaft, vor allem die Industrie, erlebt das dritte Krisen- und Rezessionsjahr. Aktuelle Daten geben Anlass zu vorsichtigem Optimismus, aber noch keinen Grund zum Aufatmen“, so WK-Präsident Jürgen Mandl. „Deshalb brauchen die Unternehmen jetzt Wachstumsimpulse. Wie das geht, ist keine Raketenwissenschaft.“ So könnte etwa die gezielte Investitionszuwachsprämie auf Landesebene wieder aktiviert werden: „Mit dem damaligen Sonderzuschuss von 2,5 Mio. Euro konnten wir zwischen 2016 und 2018 Investitionen in der Höhe von 40 Mio. Euro auslösen. Das war ein funktionierendes Instrument – und genau das braucht Kärnten jetzt, um wieder Fahrt aufzunehmen“, so Mandl.
Wirtschaftskammer fordert „ImpulsMotor“
Darüber hinaus schlug die Wirtschaftskammer vor, unter dem Titel „ImpulsMotor“ ein mehrstufiges Maßnahmenpaket für Kärnten auf den Weg zu bringen. Jürgen Mandl: „Neun von zehn Unternehmen fordern niedrigere Lohnnebenkosten, rund zwei Drittel kritisieren die behindernde Bürokratie. Unsere Unternehmer:innen erwarten keine Wunder – aber sie brauchen jetzt konkrete Entlastungen und Strukturreformen. Wer Investitionen, Beschäftigung und Zukunft sichern will, muss bei Arbeitskosten, Energiepreisen und überbordender Bürokratie handeln“. Auch konkrete Forderungen der verschiedenen Sparten an Landes- und Bundespolitik – darunter ein erleichterter Zugang zu Finanzierungen, Maßnahmen für einen fairen Wettbewerb im Onlinehandel oder die rasche Umsetzung des Logistikcenters Villach-Fürnitz – wurden im Rahmen der Konjunktur- und Investitionskonferenz formuliert.
Maßnahmenpaket „ImpulsMotor“
- Öffentliche Investitionen, etwa in Sanierung maroder Infrastrukturen und in ein Sonderwohnbauprogramm – insbesondere für junge Menschen und Studierende.
- Anreize für privatwirtschaftliche Investitionen – durch zeitlich befristete Freibeträge oder verlorene Zuschüsse.
- Eine konsequente Umsetzung des Deregulierungspakets zur Entlastung der Unternehmen und zur Beschleunigung von Verfahren
Aufwärtstrends bei Exporten und Investitionen
Leicht positive Trends zeichnen sich demgegenüber im Export und bei Investitionen ab. Rund 23 % der Unternehmen erwarten steigende Auslandsumsätze – ein deutlicher Sprung gegenüber den 2 % im Winter 2024. Während aktuell ein Drittel der Unternehmen keine Erweiterung auf neue Exportmärkte plant, rücken Süd- und Südostasien (35 %) sowie Nordamerika (28 %) stärker ins strategische Interesse. Bei den geplanten Investitionen verbessert sich der Saldo von –61 % auf –35 %. Neuinvestitionen fokussieren vor allem auf Digitalisierung, Innovation und die Reduktion von Abhängigkeiten. Dennoch bleibt die Investitionsbereitschaft unter Druck: Ein Drittel der Betriebe plant aktuell gar keine neuen Vorhaben. Ursachen sind unter anderem hohe Arbeitskosten, Energiemehrbelastungen und die wirtschaftliche Unsicherheit.
Landesrat Sebastian Schuschnig betonte die Bedeutung einer attraktiven Tourismusinfrastruktur und insbesondere der „Jahrhundertchance Koralmbahn“: „Einem Betrieb, der sich an der neuen Koralmbahnstrecke ansiedeln will, sollten wir nicht erklären müssen, dass es dort keinen Glasfaseranschluss gibt – das ist für einen halbwegs modernen Wirtschaftsstandort untragbar.“
Wissenswert
Das Kärtner Konjunktur- und Investitionsbarometer gibt Aufschluss über die wirtschaftliche Lage und zukünftige Entwicklungen des Bundeslandes. Dabei werden unterschiedliche Faktoren, etwa das Bruttoinlandsprodukt, die Arbeitslosenquote oder auch die Investitionslage, betrachtet. Das Konjunktur- und Investitionsbarometer wird halbjährlich von der Wirtschaftskammer Kärnten erstellt, wobei für den zugrundeliegenden Bericht rund 350 Unternehmen befragt wurden.
© Peter Just