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Wirtschaft
05.02.2026

Wo die Weichen gestellt werden

Robert Staudacher leitet die Betriebs­führungs­zentrale (BFZ) der ÖBB in Villach und zeichnet sich mit seinem Team für die Steuerung und Über­wachung der Koralmbahn ver­ant­wortlich.

Der ÖBB-Mitarbeiter, seit 1988 im Unternehmen und selbst lange Zeit Fahrdienstleiter an verschiedenen Betriebsstätten in Südösterreich, spricht über den Wandel eines Berufsbildes und die neuen Anforderungen durch die Koralmbahn.

Zentrale Steuerung

„Anno dazumal gab es an jedem Bahnhof einen Fahrdienstleiter, der den Zugverkehr vor Ort regelte. In den letzten 20 Jahren hat sich die Steuerung des österreichischen Bahnverkehrs massiv weiterentwickelt“, erzählt Robert Staudacher. Dahinter liegt ein bundesweites Betriebsführungskonzept. Im Fokus stehen die fünf Betriebsführungszentralen (BFZ) in Wien, Linz, Salzburg, Innsbruck und Villach. Dort laufen alle Informationen zu Zugbewegungen, Signalen, Weichen und Fahrplänen zusammen. Fahrdienstleiter:innen steuern von einer zentralen Leitstelle aus ganze Regionen – mit modernster Computertechnik und Echtzeitdaten.

„Mit dem Fahrplanwechsel steigt durch das erweiterte Angebot für die Reisenden gleichzeitig für uns auch die Intensität.“

Robert Staudacher

© ÖBB

 

Tätigkeit mit Verantwortung

Das Berufsbild der Fahrdienstleitung hat sich in den letzten Jahrzehnten aber nicht nur aufgrund des technologischen Fortschritts maßgeblich verändert. Auch der demografische Wandel ist spürbar. Die ÖBB befinden sich inmitten eines Generationenwechsels, bis 2027 wird rund ein Fünftel der Mitarbeiter:innen in Pension gehen. „Die Tätigkeit der Fahrdienstleitung war seinerzeit durch viele manuelle Handlungen vor Ort geprägt. Heute spielt Digitalisierung eine wichtige Rolle, weil die Züge automatisiert fahren. Das ist Lichtjahre von dem entfernt, was wir von früher kennen – hinsichtlich der Anzahl der Mitarbeiter:innen, aber auch was den Kommunikations- und Tätigkeitsaufwand betrifft.“ Wenn neue Bereiche migriert werden, ist damit organisatorisch immer ein großer Aufwand verbunden, speziell im Personalbereich, weiß Staudacher. „Der Schulungsaufwand, der im Hintergrund abläuft, ist komplex und vielfältig.“

„Ein 33 km langer Eisenbahntunnel ist eben nicht Alltag in Österreich. Aber wir waren gut vorbereitet.“

Robert Staudacher

Das Herz der Koralmbahn schlägt in Villach

Von Villach aus wurden einst 514 Streckenkilometer in Kärnten und der Steiermark von rund 170 Fahrdienstleiter:innen betreut. Seit Abschluss der laufenden Migrationen verantwortet das Team insgesamt 779 Streckenkilometer. Mit der Eröffnung der Koralmbahn hat die Betriebsführungszentrale Villach weiter an Bedeutung gewonnen: von der Draustadt aus erfolgt die zentrale Steuerung und Überwachung der neuen Hochleistungsstrecke. „Durch die Inbetriebnahme der Koralmbahn gibt es zusätzliche Bereiche, die wir steuern müssen. Mit dem Fahrplanwechsel steigt durch das erweiterte Angebot für die Reisenden gleichzeitig für uns auch die Intensität, weil der Bahnverkehr viel dichter ist und es noch komplexer wird, auf Abweichungen zu reagieren. Grundsätzlich ändern sich zwar die Szenarien nicht, aber mit dem höheren Zugaufkommen ist auch ein höherer Arbeitsaufwand verbunden. Ein 33 km langer Eisenbahntunnel ist eben nicht Alltag in Österreich. Aber wir waren gut vorbereitet“, betont Staudacher.

WISSENSWERT

Das Recruiting für Fahrdienstleiter:innen erfolgt zentral online und über die Karriereplattform der ÖBB. Willkommen sind Bewerber:innen mit hoher Konzentrationsfähigkeit, technischem Verständnis und Verantwortungsbewusstsein. Es folgen Eignungstests, Gespräche und praxisnahe Ausbildungsmodule – bis zur eigenständigen Dienstübernahme in der Leitstelle.

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