Foto: BKA/ Wenzel
Wirtschaft
01.12.2022

Zollfrei­korridor Triest-Villach/ Fürnitz ist auf Schiene

Vertreter aus Österreich und Italien unterzeichneten in Wien die notwendigen Vereinbarungen für Europas ersten staatenübergreifenden Zoll­korridor.

Der Zollfreikorridor Triest-Villach/ Fürnitz ist ein wirtschaftlicher Meilenstein, der den Standort Kärnten in das Herz Europas bringt. Es handelt sich um die Realisierung einer politischen Jahrhundertvision, von der noch nachkommende Generationen profitieren werden.

Von der Straße auf die klimafreundliche Schiene

Ein EU-weit einzigartiger Zollkorridor zwischen dem Hafen in Triest und dem Logistik Center Austria Süd (LCAS) in Villach/Fürnitz geht dieses Monat in den Pilotbetrieb. Im Rahmen eines Festaktes im Finanzministerium in Wien unterzeichneten Landeshauptmann Peter Kaiser und Finanzmister Magnus Brunner - in Beisein von Kärntens Wirtschaftslandesrat Sebastian Schuschnig - die notwendigen Vereinbarungen. Die Republik Italien war durch Botschafter Stefano Beltrame vertreten. Von der Wirtschaftskammer Kärnten war Präsident Jürgen Mandl anwesend. Von der ÖBB war CEO Andreas Matthä zugegen. Der Hafen Triest wurde durch Geschäftsführer Zeno D’Agostino repräsentiert. Wesentliche Ziele des Korridors sind die Beschleunigung der logistischen und zollrechtlichen Abwicklung und damit einhergehend die Stärkung der Wirtschaftsstandorte. Zusätzlich werden Transporte von der Straße auf die wesentlich klimafreundlichere Schiene verlagert. Der Regelbetrieb soll im Laufe des Jahrs 2023 aufgenommen werden.

Stärkung des Wirtschaftsraums Süd

"Mit der Unterzeichnung für einen Zollkorridor zwischen dem Hafen Triest und dem Logistikzentrum Villach, schreiben wir Geschichte. Kärnten wird damit noch enger mit seiner bereits vielfach kooperierenden Partnerregion Friaul zusammenrücken. Wir schaffen damit einen weiteren international hell erstrahlenden Leuchtturm, der viele Arbeitsplätze, Betriebsansiedelungen bringen, neue Wirtschaftskooperationen ermöglichen und Wohlstand schaffen wird. In Verbindung mit der von Kärnten und der Steiermark vorangetriebenen Entstehung eines gemeinsamen durch die Koralmbahn verbundenen Wirtschaftsraum Süd, mit 1,1 Millionen Einwohnern dem größten nach Wien, ist der Zollkorridor Hafen Triest und Villach die Realisierung einer politischen Jahrhundertvision, von der noch nachkommende Generationen profitieren werden", sagte der Landeshauptmann.

EU-weit einzigartiges Projekt

Finanzminister Magnus Brunner bezeichnete den neuen Zollkorridor als ein absolutes Vorzeigeprojekt im Logistik- und Zollbereich, das EU-weit einzigartig ist. „Durch ihn werden der Wirtschaftsstandort Österreich und unsere Position als Binnenland gestärkt. Die Sendungen, die über uns zolltechnisch abgewickelt werden, werden im nächsten Schritt nicht nur im Inland, ondern nach ganz Europa versendet. Österreich kann sich damit als Logistik-Drehscheibe und Angelpunkt für den Warenverkehr in ganz Europa positionieren. Mein Dank gilt allen Beteiligten, die dieses Projekt mit jahrelangem Engagement vorbereitet haben“, sagte der Finanzminister.

Positionierung als wirtschaftliche Drehscheibe

Für Wirtschafts- und Logistiklandesrat Sebastian Schuschnig ist der Zollkorridor ein wirtschaftlicher Meilenstein für den Wirtschaftsstandort Kärnten. „Es wird damit ein europäisches Vorzeigeprojekt in Kärnten umgesetzt, mit dem wir die Weichen stellen, um Kärnten im Herzen des Alpen-Adria-Raumes als EU-weite wirtschaftliche Drehscheibe zu positionieren. Kärnten liegt am Schnittpunkt von zwei europäischen Verkehrsachsen, mit der direkten und unbürokratischen Anbindung des Logistikcenter Austria Süd in Villach/Fürnitz an den Hafen in Triest erhält der gesamte Wirtschaftsraum ein europaweit einzigartiges Alleinstellungsmerkmal. Gemeinsam mit der Koralmbahn, einem weiteren Jahrhundertprojekt für den Standort, wird Kärnten für Unternehmensansiedelungen hoch attraktiv und erhält völlig neue wirtschaftliche Chancen, um Wertschöpfung und Arbeitsplätze in der Region zu schaffen“, betonte Schuschnig und verwies darauf, dass durch die Verlagerung der Güterströme auf die Schiene ein wichtiger Beitrag zur Nachhaltigkeit geleistet wird.

Verbesserte Einbindung der italienischen Häfen

Die Vorteile des Zollkoridors für Italien erörterte Botschafter Stefano Beltrame. "Italien erwartet sich mit diesem Zollkorridor durch die geographisch günstige Lage des Hubs in Villach ein Vorzeigeprojekt für die weitere verbesserte Einbindung der italienischen Häfen in den Binnenmarkt“, erklärte Beltrame. "Mit diesem Meilenstein grenzüberschreitender Zusammenarbeit wird der Raum Villach zu einem wichtigen Warenumschlagzentrum für ganz Süd- und Mitteleuropa, durch die künftige Baltisch-Adriatische Achse sogar bis an die Ostsee. Mit der Eröffnung der Koralmbahn 2026 entsteht eine neue Lebensader für Kärnten, die einen neuen „Wirtschaftsraums Südösterreich“ gemeinsam mit der Steiermark schaffen wird“, so Wirtschaftskammerpräsident Jürgen Mandl.

Verzollung in Villach/Fürnitz

ÖBB-CEO Andreas Matthä erklärte, dass Triest ist für die ÖBB ein bedeutender Knotenpunkt für den Güterverkehr von und nach Österreich sowie in Europas Hinterland sei. Die Zollkorridor-Lösung wurde vom Hafen Triest/Monfalcone, der ÖBB, dem Verwahrlager Adriafer, der Rail Cargo Austria und dem Logistik Center Austria Süd gemeinsam mit den Zollverwaltungen Italien und Österreich entwickelt. In Zukunft wird es möglich sein, Waren aus Drittländern vom Containerschiff im Hafen Triest ohne Aufenthalt direkt auf dem Schienenweg nach Österreich bis zum Logistik-Hub Villach/Fürnitz zu befördern und erst dort einem Zollverfahren zu unterziehen. Die operative Abwicklung des Zollkorridors, die Zollabfertigungen und damit verbundenen Zollkontrollen werden durch das zuständige Kundenteam der Dienststelle Süd des Zollamts Österreich sowohl am Standort Fürnitz als auch am Standort Villach wahrgenommen.

Schlagwörter