Umwelt

Zustand des Kärntner Waldes ist sehr gut

Der Klimawandel, der Borkenkäfer und Wildschäden setzen ihm allerdings zu. Landesforstdirektor Christian Matitz über Unterstützung für Waldbauern, Schwerpunkte von Förderungen und Bäume der Zukunft.

Seit dem Jahr 2016 ist Christian Matitz Forstdirektor von Kärnten. Eine der Hauptaufgaben der Landesforstdirektion ist der Vollzug des Forstgesetzes, hinzu kommen Gutachter-Tätigkeiten, Schädlings-Monitoring, Statistiken, der Bereich Förderungen und „wir haben auch ein paar Spielwiesen“, nennt er etwa den Beispielflächen-Katalog, welchen die Forstdirektion auflegt. Darin sind Beispielflächen für sämtliche Baumarten dokumentiert – mit genauem Standort, den man besuchen kann. Es sind Vorzeigebeispiele für andere Waldbesitzer.

Wald hat sich erholt

Matitz schickt voraus: „Der Kärntner Wald ist in einem sehr guten Zustand. Retten müssen wir ihn nicht, sondern jenen Waldbesitzern helfen, die ihren Wald bewirtschaften wollen. Mit ihrer Pflege tragen sie zur Stabilität des Waldes bei.“ Die Waldbewirtschaftung könne aufgrund des strengen Forstgesetzes hierzulande als „sehr nachhaltig“ bezeichnet werden.

In einem guten Zustand war der Wald nicht immer. In den 80er-Jahren war „Waldsterben“ in aller Munde, vor allem aufgrund der Auswirkungen verschiedener Luftschadstoffe. „Nach dem Krieg wurden alle möglichen hochtoxischen Gifte verwendet. Als die Grünen und einige Umweltschutz-Organisationen dann groß geworden sind, hat das zum Glück aufgehört, in der Industrie wurden spezielle Filter vorgeschrieben. Der Wald hat sich merklich erholt.“

Das 1975 novellierte Forstgesetz – mit einem eigenen Abschnitt über forstschädliche Luftverunreinigungen – hat auch sehr viel zu einer Verbesserung der Umwelt beigetragen.

"Der Kärntner Wald ist in einem sehr guten Zustand. Retten müssen wir ihn nicht, sondern jenen Waldbesitzern helfen, die ihren Wald bewirtschaften wollen."

Christian Matitz

Problembereiche

Trotz gutem Zustand kämpft der Wald natürlich auch heute mit Phänomenen des Klimawandels. Sturmereignisse etwa werden häufiger. Man denke nur an „Paula“ (2008), an „Yves“ (2017) oder „Vaia“ (2018). „In letzter Zeit kommen die Stürme vom Süden oder Südosten, also vom Mittelmeer. Das ist eher untypisch für Kärnten, die Hauptwindrichtung ist sonst eher Westen oder Südwesten“, bemerkt er. 2019 und 2020 kam es zu Starkniederschlägen in Form von Regen und Schnee und in weiterer Folge zu Hochwässern, Vermurungen und Schneebrüchen.

Der Käfer mag es warm

Wird Schadholz nicht schnell aus dem Wald gebracht, hat der Borkenkäfer – vor allem bei heißem Wetter mit langen Trockenphasen im Sommer (und diese werden ebenfalls häufiger) – leichtes Spiel. Das war etwa im Jahr 2015 der Fall, das Schadholz durch Borkenkäfer betrug in Kärnten etwa zehn Prozent des Normaleinschlages (siehe Grafik). Und das ist viel. Seit 2018 entspannt sich die „Käfer-Lage“ aufgrund des Wetters. „Unser landesweites Käfer-Monitoring zeigt zwar noch immer eine latent hohe Population, doch ob sich die Borkenkäfer ausbreiten können, hängt immer stark vom Frühlingswetter ab. Niederschläge, also feucht-kaltes Wetter wie in den letzten Jahren, mögen sie nicht.“

Die Schadholz-Mengen der letzten Jahre – Grafik: Bundesforschungszentrum für Wald

Bekämpfung mit Pilzen

Ein Feind des Borkenkäfers sind auch Pilze. Seit Jahren läuft in Kärnten ein Projekt mit der BOKU Wien. Für den Großen Braunen Rüsselkäfer, ein Feind der aufgeforsteten Pflanzen, konnten schon spezielle Pilze gefunden werden, die ihn befallen. Für den Borkenkäfer läuft die Suche noch. „Die Bekämpfung mit Pilzen wäre einfach, weil man Pilzsporen gut mit Drohnen ausbringen kann“, weiß Matitz.

Wild behindert Waldverjüngung

Das dritte Problemfeld sind Wildschäden, Schalenwild verursacht seit Jahrzehnten große Schäden im Wald. Warum? „Es gibt mehrere Gründe: In Österreich füttern die Jäger fast flächendeckend sämtliche Schalenwildarten. Das Wild findet außerdem bei uns beste Bedingungen im Wald vor: Wir haben relativ viel Wald, der immer dichter wird, weil er vergleichsweise wenig genutzt wird“, so Matitz. Was zu tun wäre? Die Fütterung stoppen und mehr schießen. Matitz hat dem Rechnungshof gegenüber die Schäden durch verbissene Flächen und geschälte Stämme einmal beziffert: rund 16 Millionen Euro jährlich – nur in Kärnten. „Zählt man jene Kosten hinzu, die wir uns bei der Aufforstung ersparen würden, sind wir bei 50 Millionen.“ Ohne Wildschäden würde sich der Wald von allein verjüngen.

Die Baumart Lärche wird in Kärnten forciert, aber auch die Tanne. – Foto: Pixabay/DanielWanke

Rekordbudget für Forst-Maßnahmen

Durch die eben erwähnten Problembereiche muss die Landesforstdirektion den Waldbesitzern helfen. Das geschieht auch durch Förderungen, allein heuer werden über 16 Millionen Euro über die Landesforstdirektion zur Auszahlung kommen. Hinzu kommen sechs Millionen Euro durch den Waldfonds des Bundes, abgewickelt über Wien. Auch in den letzten beiden Jahren waren die Förderungen hoch (siehe Grafik). Nachdem das Schadholz durch die letzten großen Stürme nun großteils aufgeräumt ist und kaputte Forststraßen wieder repariert sind, liegt ein Förder-Schwerpunkt in der Aufforstung. Es gehe um rund 15.000 Hektar Kahlflächen.

„Gefördert wird etwa mit Landesmitteln die Aufforstung von Mischwäldern, die ja für einen klimafitten Wald stehen. Außerdem die Wiederherstellung von Schutzwäldern in den Sturmgebieten durch flächenwirtschaftliche Projekte.“ Aus dem Programm „Ländliche Entwicklung“ (EU-kofinanzierte Förderung) fließen heuer 5,5 Millionen Euro für Maßnahmen wie Waldpflege, Waldverjüngung oder Sanierung von Forststraßen.

Der Bundes-Waldfonds setzt seinen Schwerpunkt ebenfalls auf Aufforstung, auf Lagerplätze für Holz und auf alternative Nutzung von Holz (energetische Nutzung, Vergasung, Bio-Treibstoff).

2021 werden über 16 Millionen Euro an Förderungen über die Landesforstdirektion zur Auszahlung kommen. – Grafik: Land Kärnten

Kostenintensive Waldpflege

In Kärnten werden außerdem auch Sonderprojekte für klimafitte Wälder unterstützt. Da geht es zum Beispiel um die Baumarten-Wahl. Matitz erklärt: „In tieferen Lagen sollten mehrere Baumarten, vor allem auch Laubbäume, auf einer Fläche gesetzt werden. Fällt eine durch den Borkenkäfer aus, die nächste durch Eschentriebsterben, dann kommt noch ein Sturm, so bleiben immer noch zwei bis drei Baumarten, die überleben. Ist die passende Baumarten-Wahl für den jeweiligen Standort geglückt, geht es um die Pflege, sodass die Baumarten stabil weiterwachsen.“

Bewirtschaftet man den Wald nicht, wird er zu dicht, die Bäume haben zu kurze Kronen, beim nächsten Wind fallen sie um. Matitz: „Die Aufforstung einerseits, die Kulturpflege andererseits sind kostenintensiv.“

Baumarten mit Zukunftspotential

Also unterstützt das Land auch Waldbesitzer, die auf Baumarten mit Zukunftspotential setzen. Welche sind das? Die Fichte einmal nicht, obwohl sie weiterhin unsere Hauptbaumart bleiben wird. „Wir forcieren die Lärche und auch die ökologisch wertvolle Tanne, experimentieren auch mit fremdländischen Baumarten wie der Douglasie.“

Außerdem laufen Projekte wie drei Saatgut-Plantagen für die Stieleiche (trockenresistenter Laubbaum). Hochwertige Jungpflanzen, an Kärnten angepasst, sind Mangelware (generell bei Laubbäumen). Deshalb wird mit Mutterbäumen aus Kärnten heimisches Saatgut gezüchtet. Matitz: „Wir in der Direktion versuchen, genügend Waldbesitzer und Forstbetriebe zu finden, die bereit sind, Waldbestände für eine Saatgut-Beerntung anerkennen zu lassen und dann auch tatsächlich zu ernten.“ Für einen klimafitten Wald der Zukunft benötigen wir ausreichend heimisches Saatgut bzw. autochthone Jungpflanzen.

Christian Matitz

"In tieferen Lagen sollten mehrere Baumarten, vor allem auch Laubbäume, auf einer Fläche gesetzt werden."

Zwei Fragen an Christian Matitz

advantage: Ist es heute noch lukrativ, einen Wald zu besitzen?

Christian Matitz: Wenn man nur vom Wald leben will, dann sollte man mindestens 500 Hektar bewirtschaften können. Im Nebenerwerb geht eigentlich jede Größe, wenn es sich um hauptsächlich Wirtschaftswald handelt. Es ist ökonomisch immer sinnvoll. Ein Beispiel: Habe ich nur 100 Hektar, kann ich mit einer Nutzung auch warten bis der Holzpreis passt. Der Grund für größere Waldkäufe sind aber auffällig oft auch Geldanlagen, vor allem bei den heutigen Sparzinsen. Die Rendite im Wald beträgt 0,3 bis 0,5 Prozent, sichert aber jedenfalls das Vermögen.

Wie entwickelt sich der Holzpreis?

Der Rundholz-Preis ist ein Monopolpreis der Industrie, er wird nicht von Forstbetrieben oder Waldbesitzern gesteuert. Er ist auch stark an den Ölpreis gekoppelt. Aus der Praxis: Bei Sturmereignissen fällt der Holzpreis sofort massiv, Einkäufer stoppen ihre Tätigkeit, erkundigen sich, wie viel Holz ,liegt’. Da geht der Holzpreis schon um 40 bis 50 Prozent runter. Derzeit ist der Preis für alle Rohstoffe gut bzw. er ist stark gestiegen. Das liegt daran, dass zu wenig Rundholz am Markt ist.

Foto: Federico Bottos/Unsplash
Der Kärntner Wald ist in einem guten Zustand, durch Waldpflege gewinnt er an Stabilität. – Foto: Pixabay/Schwarzwaldandi
Schlagwörter
Diese Website verwendet Cookies
Wir verwenden Cookies, um Inhalte und Anzeigen zu personalisieren, Funktionen für soziale Medien anbieten zu können und die Zugriffe auf unsere Website zu analysieren.