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Leben
23.03.2026

Zwischen Erinnerung und Zukunft

Nach einem äußerst erfolg­reichen Jahr 2025 stürzen sich Wolfgang Muchitsch, Direktor des kärnten.museums, und sein Team mit Elan in die nächsten Projekte.

Die Entwicklung weiterer Standorte sowie Ausstellungen zu einem breit gefächerten Themenkreis prägen das Jahresprogramm 2026 des kärnten.museums. So geht es zur Entwirrung des Beziehungsgeflechts „Mensch und Natur“ in den ehemaligen Luftschutzstollen im Klagenfurter Botanischen Garten, wo bis 2015 das Bergbaumuseum bestand. „In der Kreuzbergl-Stollenanlage schaffen wir einen eindrucksvollen Erlebnis- und Erfahrungsraum, der sich zu einem vitalen Schauplatz des kärnten.museums mit Strahlkraft für ganz Kärnten entwickeln soll“, erklärt Museumsdirektor Muchitsch das Konzept. Unter dem Projektnamen ÜBER.LEBEN spannt sich der Themenbogen von der Entstehung, Beschaffenheit und Nutzung des Stollens, über den NS-Kontext als Schutzstollen bis hin zur Pflanzen- und Tierwelt, der Gefährdung und Erhaltung des Lebens sowie zu Lebensgrundlagen und Lebensraumbedingungen. Auch die Geschichte des Lindwurms wird multimedial aufbereitet.

Museum am Loibl

Auf dem Areal der abgetragenen ehemaligen Grenzpolizeistation am Nordportal des Loibltunnels wird ein Museumspavillon als KZ-Gedenkstätte errichtet. Eine 150 Quadratmeter große „umgehbare Vitrine“ wird ganzjährig rund um die Uhr und ohne Personal besucht werden können. Der Innenbereich ermöglicht die Betreuung von und die Arbeit mit Besucher:innengruppen. Zum Architektenwettbewerb wurden bewusst auch Teams aus jenen Ländern eingeladen, aus denen die meisten Häftlinge des Konzentrationslagers am Loibl stammten. Im Atrium des Museums wird ebenfalls ein Teil NS-Geschichte präsentiert: Die Kindertransporte zur Rettung jüdischer Kinder nach Großbritannien 1938/39 werden in einem Fotoprojekt von Rosie Porter und Patricia Ayre nacherzählt.

Von Römern bis bäuerliche Kultur

In diesem Jahr wird der Grundstein gelegt, das Freilichtmuseum Maria Saal mit einem neuen Konzept und zeitgemäßer Infrastruktur in die Zukunft zu führen. Durch Eingriffe und Adaptierungen soll eine neue „Sehschule“ entstehen. Der archäologische Park auf dem Magdalensberg bedarf aufgrund der massiv zurückgegangenen Besuchszahlen der vergangenen Jahre eines Relaunches. Er soll eine der bedeutendsten Ausgrabungsstätten der Ostalpen wieder ins rechte Licht rücken.

Von Anselm Kiefer bis Ägypten

Anselm Kiefer, einer der aktuell bedeutendsten bildenden Künstler, schafft für den Vorgarten des Ingeborg Bachmann Hauses eine eigene Bronzeskulptur und krönt damit die Sonderausstellung zum Bachmann-Jubiläumsjahr 2026. Eine Sonderschau im KM-Atrium befasst sich in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen Alpenverein mit den Hochalpen, den vielen Facetten von Mensch und Natur, beginnend in der Jungsteinzeit 5000 v. Chr. bis heute. Kärnten hat nach dem Kunsthistorischen Museum Wien die zweitgrößte Ägyptensammlung Österreichs. Die rund 500 Exponate schlummerten bisher im Depot und werden 2026 erstmals fachlich-didaktisch erfasst und inklusive Ausstellungskatalog der Öffentlichkeit präsentiert.

Erfolgreiches Jahr 2025

Das Jahr 2025 war für das kärnten.museum äußerst erfolgreich. 124.000 Personen besuchten im Vorjahr die insgesamt zehn Ausstellungen und 350 Veranstaltungen. Das ist ein Plus von acht Prozent gegenüber dem Jahr davor. Eine weitere Zahl zeigt die dynamische Entwicklung des Museums. Waren 2017 zusätzlich zum Haupthaus fünf Außenstellen zu betreuen, so sind es nun zwölf. Ende des Jahres 2026 werden es um zwei mehr sein.

Wolfgang Muchitsch, Direktor kärnten.museum
Wolfgang Muchitsch, Direktor kärnten.museum © Handler

„Das Interesse an Zeitgeschichte ist vorhanden“

Im Interview gibt der Direktor des kärnten.museums Einblicke ins aktuelle Jahresprogramm und in sein persönliches Museumshighlight 2027.

advantage: Sie haben ein umfangreiches Programm für 2026 vorgestellt. An welchen Projekten hängt Ihr Herz besonders?

Wolfgang Muchitsch: Zwei Projekte liegen mir besonders am Herzen. Eines ist der Stollen am Kreuzbergl. Das verfolgen wir schon länger und dafür haben wir mit der Stadt Klagenfurt lang verhandelt. Mit der Unterstützung der großen Kärntner Stiftungen können wir hier nun eine Dauerausstellung etablieren, in der es über das Leben und Überleben in all ihren Facetten geht. Das zweite Herzensprojekt ist der Museumspavillon Loibl Nord in Zusammenarbeit mit dem Mauthausen Memorial und dem Mauthausen Komitee Kärnten/Koroška.

Das deckt sich mit Ihrem Anspruch, dass Museen auch Werte vermitteln sollen.

Uns ist sehr wichtig, aktuelle Themen der Gesellschaft aufzugreifen und grundlegende Werte unseres Zusammenlebens, wie zum Beispiel die Demokratie, zu vermitteln. Demokratie wird auch im Stollen ein Thema sein, denn es geht ja auch ums menschliche Zusammenleben. Und sie war es bei den unterschiedlichen Erinnerungsprojekten.

„Uns ist sehr wichtig, aktuelle Themen der Gesellschaft aufzugreifen.“

Wolfgang Muchitsch, Direktor kärnten.museum

Welche Ausstellung hat sie von der Resonanz her überrascht?

Positiv überrascht hat mich „Hinschaun! Poglejmo.“ Dieses regionale und schwierige Thema, die nationalsozialistische Herrschaft in Kärnten, hatte genauso viele Besuche wie die Ausstellung der Heidi Horten Collection mit klingenden Namen wie Picasso, Warhol und Baselitz. Das zeigt, dass das Interesse an Zeitgeschichte, auch bei der Jugend, vorhanden ist.

Sie sind 2023 mit großen Zielen an den Start gegangen. Mittlerweile haben Sie deutlich mehr erreicht als sie sich vorgenommen haben. Gibt es etwas, über das Sie sich besonders freuen?

Ein besonderes Highlight wird natürlich 2027 das Udo Jürgens Museum werden. Das bringt unser Museum und Klagenfurt in eine ganz andere, eine internationale Wahrnehmung. Und ja, ich habe tatsächlich mehr umgesetzt als ich mir ursprünglich vorgenommen habe. Das hat sich so ergeben (lacht). Aber ohne das entsprechende wertschätzende Umfeld, die Unterstützung von Politik und Sponsor:innen sowie ein hervorragendes Team wäre es nicht möglich gewesen.

Sie haben angekündigt, ihren Vertrag 2028 nicht mehr verlängern zu wollen. Was wird Ihnen bis dahin besonders wichtig sein?

Ich möchte meiner Nachfolge ein gut bestelltes Haus mit einer soliden budgetären Basis übergeben und durch die Architekturwettbewerbe für das Freilichtmuseum Maria Saal und für den archäologischen Park am Magdalensberg eine Entscheidungsbasis für die nächste Direktionsperiode legen. Damit kann man mit konkreten Plänen, in die Zukunft gehen, mit Plänen die modulartig aufgebaut sind, wodurch man sukzessive auch kleinere Maßnahmen finanzieren und umsetzen kann.

1. Im Klagenfurter Stollen entsteht ein neuer Erlebnisraum.
2. 2026 ist ein Bachmann-Jahr. © kärnten.museum

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