Bildung

Arbeiterkammer: Digitalisierung darf niemanden zurücklassen

Den digitalen Wandel mit Bildung meistern. Das hat sich die Arbeiterkammer Kärnten zum Ziel gesetzt. Die Leiterin der AK-Bildungsabteilung Isabella Penz über Chancen und Risiken der Digitalisierung – und über Bildungsangebote der AK.

Die Arbeiterkammer (AK) Kärnten hat in puncto Digitalisierung eine klare Position: „Der Mensch steht im Mittelpunkt und der technische Fortschritt darf nur unterstützen, aber niemals jemanden ersetzen. Das effizienteste Werkzeug, um den digitalen Wandel zu meistern, ist Bildung. Fort- und Weiterbildung erhalten in Zeiten des rigorosen schnellen Wandels mehr Gewicht denn je. Digitale Fähigkeiten betreffen keine Randgruppen mehr. Jeder und jede in Österreich muss das digitale Basiswissen erhalten, um in der Gesellschaft und im Job zu partizipieren“, ist AK-Präsident Günther Goach überzeugt.

Daher setzt die AK Kärnten auf (Weiter-)Bildung in diesem Bereich. Mit dem „AK digi:check“ können AK-Mitglieder testen, wie fit sie beim Thema Digitalisierung sind. Im Anschluss erhalten sie einen individuellen Schulungsplan mit kostenlosen Kursangeboten der „AKademie“.

Vorurteile abbauen

Zum Thema Digitalisierung gibt es laut Isabella Penz, Leiterin der AK-Bildungsabteilung, zwei konträre Visionen: Die positive ist, dass neue Technologien sehr viel Potenzial haben, unser Leben zu verbessern bzw. zu erleichtern. Viele Menschen befürchten allerdings, nicht mehr Schritt halten zu können. Sie sorgen sich um ihren Arbeitsplatz, dass neue Technologien ihre – vorwiegend manuelle – Arbeit übernehmen. Laut Penz sehen sogar zwei Drittel der Bevölkerung den digitalen Wandel negativ. Es besteht die Sorge, bei der Entwicklung zum „Verlierer“ zu werden. „Die ,AKademie’ setzt genau da an und leistet mit ihren Online-Kursen, Webinaren, blended learning und anderen Kursformaten einen wertvollen Beitrag dazu, Barrieren und Vorurteile gegenüber digitaler Bildung abzubauen und Möglichkeiten zur digitalen Teilhabe zu schaffen.“ Die „Gewinner“ der Digitalisierung sind also jene, die sich flexibel an Veränderungen anpassen können. Das ist stark eine Frage der Bildung – und mit neuen Fähigkeiten steigen auch die Jobchancen.

Umfangreiches Kursangebot

Die Bildungsplattform „AKademie“ bietet neben EDV-Kursen auch Kurse für Gesundheits-, Pflege- und Sozialberufe sowie für Lehrlinge und Schüler. Feedback der AK-Mitglieder wird ins Kursprogramm eingearbeitet. „Die große Herausforderung ist es jedoch, AK-Mitglieder aus dem niederschwelligen Bereich zu erreichen, um sie in Sachen Digitalisierung fit zu machen“, so Penz.

Besonders beliebt sind bei Präsenzkursen – oder alternativ Webinaren – Kurse zum Computer-Mix (Word, Excel, Outlook, PowerPoint), Arbeiten mit Windows 10 und Office 2016, Android-Smartphone und Tablet, Fortbildungskurse für Gesundheitsberufe sowie Webinare zu Arbeits- und Steuerrecht. Bei den Online-Kursen werden Angebote zu Sicherheit im Web, DSGVO, Urheberrecht, Cyber Crime, Fake-News oder Microsoft Office 2019 gerne gebucht. Fast wöchentlich kommen neue Kurse hinzu.

Bei Fragen zu „AK digi:check“ oder „AKademie“ hilft der „AK digi:coach“ als telefonsicher Berater der AK-Mitglieder.

Günther Goach

"Die Pandemie hat die Digitalisierung in alle Lebens- und Arbeitsbereiche gebracht – in einem Tempo, welches nicht für alle leicht zu bewerkstelligen ist. Wir wollen und müssen den digitalen Wandel aktiv nach unseren Vorstellungen gestalten, sonst überrollt uns dieser, ohne dass wir Einfluss darauf haben."

Chancen und Risiken

Digitalisierung habe die Arbeitswelt – und nicht nur diese – tiefgreifend verändert, weiß Penz. Digitaler Wandel bedeutet Chancen, aber auch Risiken. „Auf der einen Seite eröffnen sich durch die Verwendung von digitalen Tools den Beschäftigten neue Freiräume, was zu einer besseren Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben beitragen kann. Auf der anderen Seite trägt dies aber auch zu einer Entgrenzung von Arbeit bei, das heißt zu einer zunehmenden Vermischung von Berufs- und Privatleben. Zeit- und Leistungsdruck und Überlastungen sind hierbei oft die Begleiterscheinungen“, sagt Penz aus der Praxis.

Für viele Arbeitnehmer gehe es darum, eine neue Balance zwischen Arbeit und Privatleben zu schaffen. Penz: „Die Balance zwischen mehr Home-Office, weniger Pendeln, mehr Video-Konferenzen, weniger Dienstreisen, mehr Wohnraum, weniger Büro, weniger starre Arbeitszeiten und Anwesenheitspflicht.“

Soziale Ungleichheit vermeiden

Durch Digitalisierung wird Arbeit also flexibler, ist weniger an bestimmte Zeiten und Orte gebunden. Es entstehen auch neue Organisationsformen, die Arbeit wird selbständiger, vernetzter, Hierarchien verschwinden, viele technische Möglichkeiten führen zu Zeitersparnis.

Eine weitere Begleiterscheinung sind aber leider auch prekäre Arbeitsverhältnisse, führt Penz als Beispiel die „Clickworker“ an. Und: permanente Erreichbarkeit, Informationsüberflutung, ständige Arbeitsunterbrechungen. Penz: „Es müssen daher Arbeitsbedingungen geschaffen werden, die sich primär an menschlichen Bedürfnissen orientieren. Und Rahmenbedingungen, damit die digitale Transformation nicht zu sozialer Ungleichheit führt. Die Digitalisierung darf niemanden zurücklassen.“

Isabella Penz ist die Leiterin der AK-Bildungsabteilung. – Foto: AK/Jost & Bayer
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