inter NeedNect Solutions steckt ein Gründertrio bestehend aus Ines Ganner, Fabio Wilhelmer und Raphael Duhs. © Michael Stabentheiner Photography
Wirtschaft
01.08.2022

„Ausdauer mitbringen und niemals unterkriegen lassen“

Die Kärntner Start-Ups NeedNect Solutions und die Neptun Data Processing GmbH zeigen vor, wie aus einer guten Idee ein erfolgreiches Unternehmen werden kann.

Viele junge Menschen haben den Wunsch, eines Tages ein Unternehmen zu gründen und ihr eigener Chef zu sein. Allerdings ist aller Anfang schwer und um ein Start-Up zu gründen braucht es viel Mut, Tatendrang und Durchhaltevermögen seitens der Gründer. advantage hat mit Jungunternehmern gesprochen, die es geschafft haben, aus ihrer Geschäftsidee ein erfolgreiches Start-Up zu machen.

Digitaler Stammgast

Eines solcher Paradebeispiele aus Kärnten ist das Unternehmen NeedNect Solutions. Hinter NeedNect Solutions steckt ein Gründertrio, Ines Ganner und Fabio Wilhelmer, welche beide Familienbetriebe im Tourismus haben und Raphael Duhs, welcher aus einer Baumeisterfamilie kommt. Die Idee für das Startup ist bereits 2019 entstanden, die Gründung erfolgte im Jänner 2022. „Wir bieten Hotels den digitalen Stammgast, damit diese die Wünsche und Vorlieben ihrer Gäste schon vor der Anreise kennen lernen und den gesamten Aufenthalt personalisieren können. Hotels bieten wir außerdem wertvolle Analysen und smarte Hinweise, damit die Hotelplanung genau an die ankommenden Gäste angepasst werden kann und so auch Lebensmittelverschwendung vorgebeugt wird“, erklärt Ines Ganner.

Traum der Selbstständigkeit

Für Gäste ist NeedNect eine webbasierte Lösung, die im ersten Schritt dafür sorgt, dass jeder Hotelaufenthalt ein einzigartiges Erlebnis wird. In der Ausbaustufe wird die Plattform zum smarten Reisebegleiter, indem automatisch für jede Reise passende Hotels, Restaurants und Freizeitaktivitäten vorgeschlagen werden, genau passend zu den eigenen Vorlieben und Wünschen. Bereits von Kindesbeinen an hatten die drei den Traum, eines Tages den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. „Fabio Wilhelmer hat den Weg in die Selbstständigkeit schon 2010 eingeschlagen, als er den Familienbetrieb im Lesachtal übernommen hat. Raphael Duhs kennt nicht nur von zu Hause die Reize der Selbstständigkeit, er war bereits als Freelancer tätig, um die volle Flexibilität der Selbstständigkeit zu nutzen. Und auch ich habe bereits früh gemerkt, dass die Arbeit in einer großen Firma mich zu sehr ausbremst und ich lieber selbst die Richtung angeben möchte, in die sich ein Unternehmen entwickelt“, erklärt Ganner.

Marathon mit viel Ausdauer

Trotz einiger Hürden, die die drei meistern mussten, haben sie den Schritt in die Selbstständigkeit nie bereit und würden auch anderen jungen Menschen mit guten Ideen raten, diesen Weg zu gehen. „Jemandem mit dem richtigen Mindset empfehlen wir die Selbstständigkeit auf jeden Fall. Es ist aber besonders wichtig, dass man sich den Schritt gut überlegt und sich auch ­darüber klar wird, dass es meist kein Sprint zum Erfolg, sondern eher ein Marathon mit viel Ausdauer ist. Wenn jemand aber gerne eigenständig arbeitet, und leidenschaftlich gerne eine Idee umsetzen möchte, dann sagen wir ganz klar: Probieren geht über Studieren.“

Gemeinsam etwas Neues entwickeln

Denn: „Das Start-Up Leben ist wie eine Achterbahn, es gibt wundervolle Erfolge, wie die unterschiedlichen Entwicklungserfolge, eingeholte Förderungen, erste Kooperationen, erste Kunden und vieles mehr. Auf persönlicher Ebene sind es natürlich die Gestaltungsfreiheit und die Chance, gemeinsam etwas Neues zu entwickeln, was besonders motivierend ist und wo wir selbst den Rahmen vorgeben.“ Aber es gibt auch Zeiten, wenn es nicht rund läuft, wenn Herausforderungen oder Stolpersteine den Erfolg einbremsen und eben nicht alles so läuft wie geplant. „Aber ein tolles Team und eine hohe Frustrationstoleranz sind für uns das Geheimrezept, wie man alle Herausforderungen meistern kann und auch die Tiefphasen gut übersteht“, so Ines Ganner. Auch für die Zukunft hat das Trio bereits einiges geplant. „Wir möchten NeedNect Solutions gut auf dem internationalen Markt positionieren und weitere Sparten und Branchen mit unserer Softwarelösung erschließen. Unsere Vision ist es, dem Tourismus in Richtung eines personalisierten Reiseerlebnisses zu verhelfen.“

Media-Intelligence-Webapplikation

Die Neptun Data Processing GmbH, Kurzname: „neptun.ai“, wurde im August 2019 von Günther Fliedl und Markus Schaffer gegründet und ist im Bereich Media Intelligence tätig. Das zentrale Produkt von neptun.ai ist die auf Künstlicher Intelligenz (KI) basierende Media-Intelligence-Webapplikation „HeadlineHunter“, die B2B-Kunden das sprachunabhängige Monitoring sowie die automatisierte Analyse von aktuellen Informationen aus Online­quellen ermöglicht. „Unternehmen können durch den Einsatz unseres Web­service die Welt um sich herum besser und schneller beobachten und verstehen, ganz unabhängig von internationalen Big-Tech-­Konzernen“, erklärt Markus Schaffer und führt weiter aus: „Unsere Innovation löst folgendes Problem: Die täglich lawinenartig hereinbrechende Masse an Nachrichten und Social-Media-Postings in einer Vielzahl von Sprachen kann von Unternehmen beziehungsweise Entscheidungsträgern weder vollständig gelesen noch strukturiert und effizient weiterverarbeitet werden. Der HeadlineHunter nutzt unsere Datenakquise-Technologie AI Global Search, um Headlines, zusammenfassende Nachrichtentexte und Twitter-­Posts aus zahllosen internationalen Quellen mit modernen Crawling- und Scrapingverfahren in einem Schritt zu sammeln, zu strukturieren und flächendeckend zu übersetzen.“

Aus Big Data die Right Data gewinnen

Hierbei verfolgt das Unternehmen einen KI-basierten Ansatz: Findet das System Informationen in einer Sprache abseits des Deutschen oder des Englischen, werden diese automatisch mittels eines für die jeweilige Sprache geeigneten Dienstes übersetzt – aktuell sind bereits über achtzig Sprachen abgedeckt. „Der dadurch entstehende Nutzen liegt auf der Hand: Entscheidungsrelevante Informationen, unabhängig davon, ob sie auf Mandarin, ­Russisch, Englisch oder Hebräisch publiziert sind, werden für Unternehmen in Echtzeit verfügbar gemacht, ohne an Sprachbarrieren oder Filterblasen denken beziehungsweise wertvolle Zeit- und Personalressourcen verschwenden zu müssen“, so Schaffer. Um aus den Big Data die Right Data gewinnen zu können, werden die aktuellen Daten durch den Einsatz maschineller Lernverfahren individuell für Kunden nach Themengebieten geclustert. Aktuell sind derartige automatisierte Nachrichtenfeeds, sogenannte Headline Streams, beispielsweise in Bezug auf internationales ­Kunden-, Konkurrenz- und Technologie- Monitoring, regionale Wirtschaftsnachrichten, Start-up-News oder Finanznachrichten in Unternehmen im Einsatz.

Entwicklung in Kärnten

„Sämtliche Algorithmen wurden von unserem Team in Kärnten entwickelt. Dabei war es besonders herausfordernd, die ­neuartigen Technologien, ausgehend von der Grundlagenforschung an der Alpen-Adria-­Universität Klagenfurt, zu einem markt­fähigen Produkt zu vereinen.
Durch Kooperationen mit dem KWF, dem build! Gründerzentrum, der FH Kärnten, der Universität Klagenfurt und der Industriellen­vereinigung Kärnten konnte der Nutzen maximiert werden“, so Schaffer. Der ­HeadlineHunter überlässt die – gerade in Krisen­zeiten – stetig an Bedeutung ge­­winnende Media Intelligence nicht Big-Tech-Konzernen, sondern bietet B2B-Kunden mit innovativen KI-Features einen echten Mehrwert. Zugleich kann durch die Unabhängigkeit des Systems auch ein Stück weit die Online-Daten­akquise demokratisiert werden.

Weg ist oft ein steiniger

Den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen haben Fliedl und Schaffer nicht bereut. „Wir wollten den zukunftsträchtigen Markt für Media-Intelligence-Produkte nicht großen internationalen Big-Tech-Konzernen überlassen und haben es mittlerweile geschafft, das Know-how aus langjähriger universitärer Forschung in den Bereichen Natural Language Processing und Artificial Intelligence in die Praxis und in ein international konkurrenzfähiges Produkt zu überführen“, so Schaffer. Auch anderen Menschen mit Ideen kann er es nur empfehlen, ein Start-Up zu gründen. „Auf jeden Fall würden wir es auch anderen jungen Menschen empfehlen, den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Man muss sich aber auch darüber im Klaren sein, dass der Weg in die Selbstständigkeit oft auch steinig sein wird. Daher: Ausdauer mitbringen und niemals unterkriegen lassen.“

Noch viele Ideen

So wie alles andere, hat nämlich auch die Selbstständigkeit schöne und weniger schöne Seiten. „Schön ist, dass wir auf innovative Weise den zukunftsträchtigen KI-Markt aktiv und an vorderster Front mitgestalten können. Weniger schön ist, dass die überbordende Bürokratie in unserem Land vieles unnötig erschwert und oftmals echte Innovationen verhindert.“ Auch für die Zukunft haben die beiden Gründern noch einiges geplant: „Wir wollen neptun.ai mit unserem Team und unseren Partnern in die Scale-up-Phase überführen und international tätig werden. Unsere Liste an Ideen ist noch sehr lang.“

Die Neptun Data Processing GmbH wurde im August 2019 von Günther Fliedl und Markus Schaffer gegründet und ist im Bereich Media Intelligence tätig. © neptun.ai
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