Bildung

Mädchen für Technik und Handwerk begeistern

HTL-Direktorin Silke Bergmoser über die Chancen, die technische und handwerkliche Berufe für Mädchen bieten.

Seit 2014 ist Silke Bergmoser Direktorin der HTL Ferlach. Als erste weibliche Direktorin einer HTL in Kärnten konnte Bergmoser bereits einige große Erfolge für sich verbuchen, dazu gehört unter anderem der „Femme Award“ als „Kärntnerin des Jahres“, der ihr 2015 vom Referat für Frauen und Gleichberechtigung des Landes Kärnten verliehen wurde. Ihr ist es ein Herzensanliegen, Jugendliche für kreative und technische Berufe zu begeistern und vor allem jungen Mädchen die Angst vor der Technik zu nehmen und sie für das Kunsthandwerk zu begeistern.

advantage: Welche Ausbildungsschwerpunkte werden in der HTL Ferlach angeboten?

Silke Bergmoser: Wir genießen weltweit einen ausgezeichneten Ruf wegen unserer seltenen aber sehr gefragten Ausbildungen, die wir im Bereich der Büchsenmacher sowie in der Waffen- und Sicherheitstechnik anbieten. Im Handwerk der Büchsenmacher liegt auch der Ursprung der Schule und wir sind laufend bemüht, uns mit neuen Angeboten weiterzuentwickeln und wir haben daher für Jugendliche noch viel mehr zu bieten. Im Maschinenbau gibt es neben der Waffen- und Sicherheitstechnik noch die Schwerpunkte Robotik und Smart Engineering sowie Industriedesign. Wir sind auch die einzige HTL in Kärnten mit einer Kunstabteilung im Lehrplan „Art und Design“, die aus den Zweigen HTL für Schmuck sowie Graviertechnik inklusive Tattoo Artist und Kunstschmiede und Metallplastiker besteht.

Es gibt Mädchen, die sich vor technischen und handwerklichen Berufen „fürchten“. Wie würden Sie ihre Bedenken ausräumen?

Wir bieten unter anderem eine handwerklich kreative Ausbildung mit Matura in verschiedenen Bereichen. Manche Sparten sind vor allem für Mädchen sehr gut geeignet, da Berufe wie der des Goldschmiedes sehr familienfreundlich sind. Aber auch die technischen Berufe sind für Mädchen bestens geeignet und auch die Jobmöglichkeiten sind viel besser als in „traditionellen Frauen­berufen“. Kein Mädchen muss Angst davor haben, dass sie für einen technischen oder handwerklichen Beruf nicht geeignet ist. Ich möchte sie motivieren, ihnen die Angst nehmen und ihnen zeigen, dass sie auch diese Berufe problemlos ausüben und alles schaffen können, wenn sie es nur wollen. Und sollte jemandem der Beruf wirklich nicht gefallen, hat man mit der abgeschlossenen Matura immer noch die Möglichkeit, eine andere berufliche Richtung einzuschlagen und auch zu studieren.

Wie hoch ist der Mädchenanteil in Ihrer Schule?

Der Mädchenanteil im Haus beträgt unter den Schülerinnen sowie auch unten den Professorinnen derzeit rund 25 Prozent. Die meisten Mädchen besuchen die Kunstabteilung, hier liegt der Frauenanteil bei 92 Prozent. Der Mädchenanteil im Industriedesign beträgt 60 Prozent. Bei den restlichen technischen Berufen sind rund zehn Prozent der Schüler Mädchen. Aber auch hier steigert sich der Anteil der weiblichen Schülerinnen langsam aber stetig, was mich sehr freut.

Welche Schwerpunkte werden gesetzt, um weibliche Schüler anzusprechen?

Wir haben zahlreiche Kooperationen mit Volksschulen, Kindergärten und Mittelschulen. Den Mädchen wird mit verschiedenen praktischen Workshops die Angst vor der Technik genommen. Wir zeigen zum Beispiel mit leichten Tätigkeiten, dass sie auch das können. So verlieren viele Mädchen wirklich die Scheu vor den technischen Berufen und finden ihr Interesse daran.

Bereits zum zweiten Mal in Folge wurde die HTL Ferlach heuer als innovativste Schule in Kärnten ausgezeichnet. Was bedeutet der
Schule diese Auszeichnung?

Wie jedes Jahr haben wir auch heuer wieder mit Diplomarbeiten aus dem Ausbildungsbereich Industriedesign am bundesweiten Wettbewerb „Jugend innovativ“ teilgenommen und haben wieder in der Kategorie Design gewonnen. Wir freuen uns sehr über die wiederholte Auszeichnung und sind stolz darauf. Auf diesem Weg können wir die innovativen Projekte unserer Maturanten aus den Bereichen Industriedesign der Öffentlichkeit zugänglich machen. Gerade in Zeiten wie diesen zeigt sich, wie wichtig Innovationen für einen Wirtschaftsstandort Kärnten sind. Diese Auszeichnung beweist, dass gute Ideen keine Frage des Alters sind. Vielmehr haben die Schüler auch heuer wieder bewiesen, welche Innovationskraft in ihnen steckt. Im Wettbewerb konnten sie ihre kreativen Ideen und ihre umgesetzten Projekte präsentieren, so Innovationen für Kärnten schaffen und dabei wurden sie österreichweit als die besten auch für ihre Nachhaltigkeit ausgezeichnet.

Welche Innovationen sind an der HTL für die Zukunft geplant?

Derzeit läuft bei uns in der Schule ein großer Um- und Zubau. Im März wurde damit begonnen, das neue Waffen- und Sicherheitstechnikzentrum zu errichten, das in Österreich einzigartig sein wird. Der Um- und Zubau der Schule stellt eine absolute Aufwertung unserer schulischen Ausbildung in diesem Fachbereich dar, denn damit werden wir auch zukünftig am neuesten Stand der Technik und Innovation sein. Es werden auch neue Laborzentren für alle Fachbereiche entstehen, die mit dem neuesten Equiment ausgestattet sind. Die Fertigstellung ist für das Jahr 2022 geplant.

Werfen wir einen Blick zurück in das vergangene Schuljahr und die Zeit im Home-Schooling. Was hat diese Zeit die Lehrer und Schüler gelehrt?

Die Pandemie hat uns mit Sicherheit, was die Digitalisierung betrifft, einen großen Schritt nach vorne gebracht. Die Schüler haben, neben dem Home-Schooling, auch heuer wieder an Wettbewerben teilgenommen. Die Einreichungen fanden digital statt und die Arbeiten mussten mit einem Video präsentiert werden. Diese Videos wurden von den Schülern selbst angefertigt – vom Filmen, bis zum Schneiden des Filmes wurde alles selbst gemacht. Dadurch konnten die digitalen Kompetenzen enorm gesteigert werden. Ich muss auch zugestehen, dass auch das Lehrpersonal bei den digitalen Kompetenzen durch die Pandemie einen Schritt nach vorne gemacht hat. Alle, sowohl die Lehrer als auch die Schüler, haben sich sehr bemüht und mitgearbeitet, damit es uns gelungen ist, den Schulalltag auf das digitale Arbeiten umzustellen.Bereits vorhandene Kompetenzen konnten angewendet und ausgebaut werden.

Mehr über die HTL Ferlach:

www.htl-ferlach.at

© Mario Zaunschirm
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