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Prognose: Kärnten verliert bis 2050 22.460 Personen

Kärnten ist das einzige Bundesland, das laut Prognosen bis 2050 schrumpfen wird. Damit dies nicht eintritt, müsste jede Gemeinde bis 2050 pro Jahr sechs Einwohner halten. Ein Demographie-Check der Fachhochschule (FH) Kärnten liefert Handlungsempfehlungen für die Politik.

Prognosen gehen davon aus, dass Kärnten bis 2050 das einzige Bundesland ist, dass schrumpft – um rund vier Prozent oder ca. 22.460 Personen. Das besagen Daten der Fachhochschule (FH) Kärnten, die im Auftrag des Landes einen Demographie-Check durchgeführt hat (mehr Ergebnisse unten). "Der demographische Wandel ist eine unserer größten Herausforderungen", so der Referent für Orts- und Regionalentwicklung und den ländlichen Raum Martin Gruber. Der Demographie-Check mit vielen Daten bis auf Gemeinde-Ebene ist die Grundlage für regionale Strategien, zugeschnitten auf die jeweiligen Regionen. Bis Mai 2021 sollen die Regionalstrategien im Rahmen des "Masterplans ländlicher Raum" fertig sein.

Handlungsempfehlungen für die Regionalentwicklung

Handlungsempfehlungen, die in die Regionalentwicklung einfließen sollen, hätten sich herauskristallisiert, so Gruber. "Erstens braucht es regionale Differenzierungen in den Strategien und einen Chancenausgleich zwischen ländlichem Raum und Zentralraum. Weiters muss die Kleinräumigkeit Kärntens als Asset, als Chance für die Zukunft, gesehen werden. Ehrenamt oder Vereinstätigkeiten sind bei uns stärker ausgeprägt und das müssen wir weiter stärken. Drittens muss die Regionalentwicklung stärker in den Fokus rücken und Förderinstrumente sind darauf auszurichten. Und viertens sind die Stadt-Umland-Kooperationen auszubauen", so Gruber.

Workshops in den Regionen

Die FH Kärnten hat sich nicht nur mit den nackten Zahlen beschäftigt, sondern auch die Regionen bereist und Vorzeige-Projekte einer gelungenen Regionalentwicklung unter die Lupe genommen. Bei Workshops in sechs Leader-Regionen mit rund 140 Teilnehmern haben sich Themen herauskristallisiert, die in den Regionen zentral sind. "Wichtige Themen waren ein Arbeitsplatz in der Region, Wohnen für alle Generationen, Lebensqualität, Regionalität, Nachbarschaft und Familie, sozialer Zusammenhalt und Infrastruktur", so Kathrin Stainer-Hämmerle von der FH Kärnten. In den Regionen seien die Potentiale extrem unterschiedlich.

Chancen in allen Regionen schaffen

Stainer-Hämmerle: "Regionalpolitik muss auf Ausgleich ausgerichtet sein, auf Chancen in allen Regionen, auf verstärkte Kooperationsmöglichkeiten und auf die Stärkung von zentralen Orten in den Regionen." Wichtig sei eine integrierte Regionalpolitik, also ressortübergreifend. Die Expertin spricht sich für eine zentrale Stelle im Land aus, welche Maßnahmen in der Regionalentwicklung in allen Ressorts koordiniert. "Es sind Förderinstrumente zu gestalten, die vor allem Kooperationen zwischen Gemeinden im Fokus haben."

Herausforderung Pflege

Eine besonders große Herausforderung sei aufgrund der Überalterung der Bevölkerung, dass bis 2050 doppelt so viele Personen wie heute auf Pflege angewiesen sein werden. "Wir hoffen natürlich, dass sich diese Prognosen nicht bestätigen", so Stainer-Hämmerle. Um ein Schrumpfen des Bundeslandes abzuwenden, müsste jede Kärntner Gemeinde jährlich sechs Personen halten.

Zahlen aus dem Demographie-Check

Es handelt sich um Prognose-Zahlen bis 2050. Betrachtet wurden vier Ebenen: Gemeinden, Leader-Regionen, der Zentralraum und die Landesebene. Ein Dashboard wurde entwickelt, das die Daten übersichtlich abbildet – es geht im März online.

  • Kärnten verliert bis 2050 22.460 Einwohner (- 4,01 %)
  • Rund 20 Prozent der Kärntner Gemeinden werden wachsen, 105 Gemeinden schrumpfen. 80 Prozent der Wachstumsgemeinden befinden sich im Zentralraum.
  • Regional ist das Bild sehr differenziert: Oberkärnten ist von Abwanderung stärker betroffen als Mittel- oder Unterkärnten. Es gibt Gemeinden mit besonders großem Einwohner-Verlust von über 37 Prozent.
  • Wachstumspole sind die Städte Klagenfurt und Villach.
  • Auch Bezirkshauptstädte und zentrale Orte sind unter den Verlierern.
  • Der Zentralraum wird stark wachsen, man geht zwischen 2002 und 2050 von einem Zuzug von 40.000 Personen aus. Der Zentralraum macht aber nur 7,3 Prozent der Landesfläche aus.
  • 2050 werden nur noch 43,97 Prozent der Kärntner außerhalb des Zentralraums leben.
  • Sämtliche Leader-Regionen verlieren Bevölkerung, in Oberkärnten am stärksten. Am besten entwickeln sich die Regionen Villach-Umland und die Carnica-Region Rosental.

Strukturelle Trends:

  • Der Anteil an jungen Kärntnern (15 bis 29 Jahre) wird um 12,09 Prozent sinken, über 10.000 junge Kärntner werden fehlen. Ein Talente-Schwund wird befürchtet.
  • Die Erwerbsbevölkerung schrumpft um 15,9 Prozent.
  • Bei jungen Frauen im gebärfähigen Alter beträgt das Minus 14,76 Prozent.
  • Ein großes Plus wird bei den Hochbetagten (75 bis 100 Jahre) prognostiziert.
Die Daten aus dem Demographie-Check sind die Grundlage für Maßnahmen in der Kärntner Regionalentwicklung. – Foto: Pixabay/Bru-nO
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