Ein neues Wohnkonzept mit viel Grün und umfangreicher Infrastruktur wird in der Smart City in Klagenfurt Harbach umgesetzt. © Visualisierungen: Arch. Wetschko
Leben
01.06.2022

Smart City Harbach - Wohnen der Zukunft

Auf einem Areal von elf Hektar entsteht in Klagenfurt Harbach eine Smart City mit rund 850 Wohnungen. Die ersten Einheiten werden noch in diesem Jahr beziehbar sein.

,,hiHarbach“ nennt sich das Projekt im Rahmen eines Klagenfurter Stadtentwicklungsprojekts, in das mehrere Wohnbaugesellschaften, das Land Kärnten, die Stadt Klagenfurt und die Diakonie de La Tour eingebunden sind. Das städtebauliche Konzept wurde ­aufgrund einer regional-demografischen Erhebung der FH Kärnten entwickelt. Im Zentrum stehen das Miteinander der Generationen, nachhaltige Mobilitäts­konzepte und Energieeffizienz. Größter Investor ist die Landeswohnbau Kärnten (LWBK), die bis 2030 knapp 700 der rund 850 Wohnungen errichten wird. Die weiteren Bauträger sind die ebenfalls Gemeinnützigen Wohnbauträger Vorstädtische Kleinsiedlung und Kärntner Friedenswerk. Für die Gestaltung des gesamten Areals wurde ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben, den der Klagenfurter Architekt Reinhold Wetschko für sich entschied. Er hat auch die erste Baustufe geplant, für die weiteren Baustufen werden wiederum Wettbewerbe ausgeschrieben. „Ich bin ein Riesen-Fan von Wettbewerben“, sagt Mag. Harald Repar, Geschäftsführer der LWBK. „Dadurch erhält man eine hohe Vielfalt an Möglichkeiten und das wirkt sich positiv auf die Qualität aus.“

Flexibles Wohnen

Die Wohnungen der LWBK variieren ­zwischen 35 und 75 Quadratmetern und haben je ein Kellerabteil und einen Tief­garagenplatz. 180 Wohnungen und ein Investitionsvolumen von rund 22 Mio. Euro umfasst die erste Baustufe. Intelligente Planung soll nicht nur den vorhandenen Raum optimal aufteilen, sondern auch flexibles Wohnen ermöglichen. Die Zwei- und Dreizimmer-Wohnungen sind so aneinandergebaut, dass bei Bedarf ein Zimmer von der Drei- zur Zweizimmerwohnung gelegt werden kann. So können die Mieter gutnachbarschaftlich mit ihrem Platzbedarf jonglieren, wenn beispielsweise eine Familie ein Kind kommt und die Nachbarn nebenan bereits weniger Platz­bedarf haben, weil ihre Kinder längst weggezogen sind.

Ing. Thomas Kuschnig, Geschäftsführer Kärntner Friedenswerk, gem. Wohnungsges.m.b.H. und Gemeinnützige Siedlungsgenossenschaft „Vorstädtische Kleinsiedlung“

„Das neue generationenübergreifende Wohnen entspricht dem gesellschaftlichen Trend“

Lebenswerter Ort

„Wir bieten sowohl Miet-, Mietkauf- und Eigentumsmodelle an“, sagt der Geschäftsführer von Vorstädtischer Kleinsiedlung und Friedenswerk, Ing. Thomas Kuschnig. 190 Wohnungen beträgt das Bauvolumen, die Wohnungen haben eine Nutzfläche zwischen 40 und 100 Quadratmetern. Auf Wohnqualität wird bei allen Bauten großer Wert gelegt. Die Erdgeschoß-Wohnungen verfügen über anteilige kleine Gärten, die anderen Einheiten sind mit Balkonen der Loggien ausgestattet. Generell sollen großzügige Grünflachen einen Wohlfühlfaktor schaffen. Die Wohnungen sind barrierefrei und können leicht behindertengerecht adaptiert werden.
In der Smart City wird es auch Gewerbe- und Büroflächen für Ärzte, Nahversorger, verschiedene Dienstleister und Gastronomiebetriebe geben. Kurz: Es entsteht ein neuer Stadtteil mit allem, was einen lebenswerten Ort ausmacht: mit Marktplatz, Geschäften, Versorgungseinrich­tungen, Kindergarten, Schule, Seniorenwohnungen und Wohngruppen für Menschen mit besonderen Bedürfnissen.

Soziale Durchmischung

Die Wohnungen werden über ein Komitee, bestehend aus Vertreterinnen und Vertreter der Wohnbaugesellschaften, der Diakonie de La Tour und der Stadt Klagenfurt, aufgrund von festgelegten Kriterien vergeben. Damit soll eine soziale Durchmischung – Jung und Alt, Einzelpersonen und Familien, Studenten und Pensionisten – garantiert werden. Denn es ist ein wesentlicher Teil des Konzepts, dass Menschen jeden Alters in unmittelbarer Nachbarschaft miteinander leben. So soll nicht nur der Austausch der Generationen gefördert, sondern Nachbarschaftshilfe gelebt werden können. Ziel ist, ein stabiles Netz an wertschätzender, gegenseitiger Unterstützung aufzubauen. Gemeinschaftsflächen und ein Gemeinschaftsraum erleichtern Kennenlernen und Vernetzen.

Als sozialer Partner fungiert die Diakonie de La Tour, die Pflege-, Betreuungs- und Serviceangebote für Bewohnerinnen und Bewohner zur Verfügung stellt. Das können zusätzliche Dienstleistungen wie Unterstützung im Haushalt oder Assistenzleistungen bei erhöhtem Pflegebedarf sein. Das Ziel ist, dass Menschen so lang wie möglich in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können. Der Umzug in ein Alters- oder Pflegeheim sollte nur in letzter Konsequenz notwendig sein.
Die Vernetzung und Unterstützung der Bewohner begleitet ein Sozialraumkoordinator der Diakonie de La Tour. Er berät, vermittelt und hilft in sozialen Fragen oder Nachbarschaftskonflikten und unterstützt die Bewohner bei der Umsetzung ihrer Ideen.

Fernwärme und Photovoltaik

Energieeffizienz ist ein wesentlicher Teil des neuen Wohnens in Harbach. „Die Energieversorgung erfolgt über Fernwärme und Photovoltaik. „Die Fußbodenheizung wird im Sommer zu einem Kühlsystem. Alle Wohnungen sind mit Komfortlüftungen ausgestattet“, schildert Ing. Kuschnig. Friedenswerk und Vorstädtische betreiben die Photovoltaik-Anlagen in Zusammen­arbeit mit den Stadtwerken: Sie stellen dem Energieversorgungsunternehmen die Dach­flächen dafür zur Verfügung. „Im Gegenzug profitieren die Mieter von einem niedrigeren Strompreis“, erzählt er.

Die LWBK möchte ihre Photovoltaik-Anlagen selbst betreiben. Dafür wird derzeit ein Wasserstoffspeicher als Pilot­anlage im Büro der LWBK getestet. Da tagsüber, wenn die Sonne Strom erzeugt, der Bedarf vergleichsweise niedrig ist, soll die überschüssige Energie bis zum Abend gespeichert werden können, wenn viele elektrische Geräte in Betrieb sind und die E-Autos können über Nacht geladen werden.

Nachhaltig mobil

Ein nachhaltiges Mobilitätskonzept soll unter dem Schlagwort „hi MOBIL“ stufenweise realisiert werden. Dazu zählen ein gut ausgebautes öffentliches Verkehrsnetz – eine Bushaltestelle und Busanbindungen im 10-Minuten-Takt sollen den Verzicht aufs eigene Auto schmackhaft machen – sowie ein Mobilitätsknoten mi E-Autos und Bike-Sharing. Weiters wird es zwei E-Ladestationen für E-Fahrzeuge und eine Schnelladestation geben. E-Carsharing ist ebenso geplant wie Fahrradverleihstationen. Innovativ ist auch „hi Cool“. Wasser in Kombination mit Grün soll Hitze reduzieren und ein angenehmes Lebensgefühl schaffen. Das bedeutet ausgedehnte Parkanlagen mit Wasserflächen in direkter Nähe des Mobilitätsknotens. Damit diesen umfassenden Konzepten für Mensch und Umwelt soll die Smart-City „hi-Harbach“ das Wohnen der Zukunft sein.

Mag. Harald Repar, Geschäftsführer der Landeswohnbau Kärnten (LWBK)

„Wir bauen keine Wohnblöcke, sondern Wohnhäuser für Menschen. Auch das Rund-um-Angebot muss stimmen.“

© Visualisierungen: Arch. Wetschko
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